Saat für die Welt

IP 3/2023

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Hunger der Welt ist ein politisches Versagen erster Ordnung. Etwa 800 Millionen Menschen in fast 100 Ländern der Erde hungern. Das sind 200 Millionen Menschen mehr als vor zwei Jahren. Wir nehmen das hin, achselzuckend, tja.



Gründe für den Welthunger sind Logistikprobleme und Konflikte; Klimawandel und Verschwendung; Nachernteverluste, Fluchtbewegungen, Biosprit und vieles mehr. Neben Armut aber ist Hunger vor allem eine Frage der Macht. Und, schlicht und einfach, des politischen Willens. Selbst in einer (noch) wachsenden Weltbevölkerung wäre genug für alle da, eigentlich. Dafür müssten die etwas ändern, die das können.



Stattdessen aber ist dies die Lage: Jeder neunte Mensch weltweit hungert. Von ihnen sind die meisten nicht von akuten Katastrophen betroffen, sie hungern einfach immer. Wo es früher schon schlecht war, wurde es noch schlechter; seit 2014 hat sich die Hungersituation in 20 Ländern mit mäßigen, ernsten oder sehr ernsten Hungerwerten verschlimmert. Bis zum Jahr 2030 wollten die Vereinten Nationen den Hunger auf der Welt besiegt haben. Dieses Ziel zu erreichen, ist nicht mehr möglich, und das ist mehr als bitter.



Dieses gewaltige Scheitern nur zu bedauern, wäre zu wenig (siehe: Achselzucken). Wir haben ein Titelthema aufbereitet, das Zusammenhänge herstellt, Verantwortlichkeiten zuweist und Wege aus der Ernährungskrise aufzeigt. Und: Im Kampf gegen Autokratie und Despotie sind Nahrung und Agrarthemen eminent politisch. Es geht im Wettbewerb der Systeme nicht nur um ideologische Anziehungskraft, sondern schon auch ums Leben.

Es ist nicht so, dass Hunger gottgegeben ist oder eine Naturkatastrophe. Man hätte schon längst viel mehr tun können. Man müsste allerdings wirklich, wirklich wollen.

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IP-Forsa-Frage

Drei Fragen an...

Porträt

Unterm Radar

In 80 Phrasen um die Welt

Titelthema

Alexander Müller

Recht auf Nahrung

Eine Welt ohne Hunger bis 2030? Eigentlich gibt es genügend Lebensmittel für alle Menschen.
Heike Holdinghausen
Claudia Behrend
Claudia Hunecke

Gruß aus 
der Konzeptküche

Hightech, Logistik oder Planetary Health Diet - Drei Ansätze den Hunger der Welt einzudämmen
Christoph von Eichhorn

Ernte und Erderwärmung

Dürren, Fluten, Schädlingsplagen: Der Klimawandel wirkt wie eine Bremse für die globale Nahrungsmittelproduktion.

Interview

Weltspiegel

Jarosław Kuisz
Karolina Wigura

Kampf der Narrative

Es gibt mindestens vier Sichtweisen auf Russlands Überfall auf die Ukraine – ein Problem um zu einem Ende des Krieges zu kommen
Michael Thumann

Regime der Revanche

Putins unbändige Zerstörungswut triff auch Europa und große Teile der Welt
Guido Steinberg

Annäherung mit Fragezeichen

Das Iranische Nuklearprogramm könnte die Annäherungen an Saudi-Arabien schnell wieder zunichte machen

Essay

Gegen den Strich

Reportage

Issio Ehrich

Am Ende in Mali

Deutschland zieht sich nach zehn Jahren unverrichteter Dinge aus Mali zurück

Kommentar

Brief aus...

Internationale Presse

Buchkritik