Xis Welt

Ausgabe #6/2022 - November/Dezember

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich geht das nicht, oder es wirkt mindestens vermessen: In einer einzigen Titelstrecke der IP darstellen zu wollen, was sich in China tut, und worauf es ankommen wird. Wir versuchen es trotzdem. Weil es derzeit kein zweites Land geben dürfte, dessen innere Entwicklung langfristig so bedeutend für seinen künftigen Platz in der Welt ist – und somit für sein Interagieren mit anderen, für sein Selbstbewusstsein und seine Macht. Wir sollten genau hinsehen, weil China uns alle angeht, sehr sogar.


Seit Mao war kein chinesischer Herrscher so mächtig wie Xi Jinping. Kein Weg führt an ihm vorbei, er hat sich die Partei gefügig gemacht und sogar die Verfassung auf sich zugeschnitten – weil er es kann. Widerstand scheint zwecklos, alles wird einer gewaltigen Walze aus Ideologie, schierer Masse und immer aggressiverem Anspruch untergeordnet. Was löst das in dem Land mit seinen bald 1,5 Milliarden Menschen aus? Existiert in der Jugend überhaupt noch ein rebellischer Funken? Wie ist es um die Wirtschaft des Riesenreichs bestellt, den kriselnden Arbeitsmarkt, den gefährdeten Immobiliensektor? Wer sind die wichtigsten Figuren um Xi, was haben wir von Chinas Außenpolitik zu erwarten? Antworten geben unsere Autorinnen und Autoren. Und was geschieht, wenn eine Autokratie voll durchzieht, ist in Hongkong zu besichtigen, dieser einstmals so vibrierenden, faszinierenden Metropole. Ein Reporter hat für uns aufgeschrieben, was davon übriggeblieben ist. Er möchte anonym bleiben, auch das ein Symptom.


Warum uns das angeht? Weil es (auch) in Deutschland ein unterentwickeltes Bewusstsein gibt, wie ausgreifend und gefährlich diese gigantische Autokratie ist. Das Ergebnis unserer Forsa-Umfrage (S. 5) ist frappierend: Trotz einer grundsätzlich veränderten und deutlich gefährlicheren Weltlage sind die Antworten zum Umgang mit China über einen längeren Zeitpunkt im Wesentlichen gleich; dabei wären doch Lehren aus der fatalen Verkupplung mit Russland zu ziehen, müssten deutsche Manager ihre Investitionen in China infrage stellen, die Bundesregierung entschlossener eintreten für Freiheit und andere Werte, und so vieles mehr.


Wenn diese IP dazu beitragen kann, aus dem Blick auf Chinas Innenleben sein künftiges Handeln ein wenig besser zu verstehen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, dann ist es gut.   

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Mikko Huotari

Festung China

Xi Jinping hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. China wird dadurch nicht unbedingt krisenfester – aber konfliktfähiger.

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