Eine Wirtschaft für Mensch und Umwelt
Armut reduzieren, Klima schützen, Wohlstand sichern: Naturpositives Wirtschaften ist ein Versprechen an die Generationen von heute und morgen.
Die Menschheit hat den Planeten Erde fundamental transformiert. Diese Veränderungen zeugen einerseits von der Schaffenskraft unserer Spezies, andererseits aber auch von Zerstörung und Kurzsichtigkeit. Obwohl das menschliche Wirken inzwischen das gesamte Erdsystem prägt, ist es bisher nicht gelungen, diese gewaltigen Kapazitäten, Innovationen und Technologien so einzusetzen, dass sie ökologischen Überfluss erzeugen und allen Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen. Im Gegenteil: Das extraktivistische Modell hat uns in eine tiefe ökologische Krise geführt und große ökonomische Ungleichheiten verursacht. Dabei wäre ein anderer Weg möglich.
Wie gewaltig die Veränderungen sind, zeigt sich an dem aus dem Gleichgewicht geratenen Verhältnis zur Wildnis. Mitte des 19. Jahrhunderts entsprach die Biomasse wilder Säugetiere an Land und in den Meeren noch etwa der von Menschen und domestizierten Säugetieren wie Rindern und Schweinen. Seither haben sich die Verhältnisse radikal verändert: Die Wildtierbestände sind massiv eingebrochen, während sich die Menschheit von circa 1,2 Milliarden Menschen (1850) auf 8,2 Milliarden (2025) vervielfacht hat. Laut einer 2025 im Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie hat sich die Biomasse domestizierter Säugetiere zwischen 1850 und 2020 verfünffacht. Kurzum: Während sich die menschliche Zivilisation exponentiell ausgebreitet hat, wurden Ökosysteme und Lebensräume zerstört. Inzwischen sind sieben der neun planetaren Grenzen überschritten – die Menschheit manövriert sich immer tiefer in die Gefahrenzone.
Dieser Raubbau an den natürlichen Ressourcen kommt jedoch nicht allen Menschen zugute. Zwar hat sich die ökonomische Ungleichheit zwischen den Ländern verringert, doch insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten ist sie innerhalb vieler Staaten gewachsen. Trotz großer Entwicklungsfortschritte leben weltweit immer noch 1,1 Milliarden Menschen in multidimensionaler Armut. Zudem treffen ökologische Krisen ärmere Bevölkerungsgruppen am härtesten: Vier Fünftel der von Armut betroffenen Menschen leben in Regionen, in denen gravierende Umweltrisiken den Alltag prägen. In Armutsvierteln treffen Hitzewellen auf Wellblechdächer und extreme Niederschläge auf fehlende Kanalisationen. Armutsbekämpfung und Umweltschutz sind daher untrennbar miteinander verbunden. Die Folgen des Artensterbens und der Erderwärmung drohen bereits heute, Entwicklungsfortschritte zunichtezumachen.
Die Staatengemeinschaft ist sich im Grunde einig; das Pariser Klimaschutzabkommen wurde 2015 beschlossen, der globale Biodiversitätsrahmen sieben Jahre später. Doch für die Umsetzung dieser hart erkämpften gemeinsamen Ziele reichen die bisherigen Ambitionen nicht aus. Um ökologischen Reichtum zu erhalten und bestenfalls zu vermehren, braucht es naturpositives Wirtschaften. Dabei geht es nicht nur darum, Umweltschäden von Unternehmen zu verringern. Im Fokus stehen auch doppelte Renditen: Wirtschaftliche Aktivitäten können direkt zu ökologischen Verbesserungen beitragen. Dazu gehören etwa Maßnahmen der Agroforstwirtschaft oder des regenerativen Tourismus. So zahlt Renaturierung nicht nur auf den Erhalt der Artenvielfalt ein, sondern schafft auch wichtige Kohlenstoffsenken, die CO2 aus der Atmosphäre binden und somit einen Beitrag zum Klimaschutz liefern.
Naturpositives Wirtschaften ist ein zentraler Bestandteil der Nature Pledge Initiative, zu der sich das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) verpflichtet hat. Ziel ist es, Staaten bei der Umsetzung des Biodiversitätsrahmens zu unterstützen und einen Dreischritt der Veränderung zu realisieren: einen Wertewandel, einen wirtschaftlichen und finanziellen Wandel sowie einen Wandel in der entwicklungspolitischen Praxis.
Mehr Geld für einen intakten Planeten
Wer den globalen Kampf gegen die Klima-,
Umwelt- und Verschmutzungskrise angehen und dabei Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum gleichzeitig vorantreiben möchte, ist auf eine nachhaltige Finanzarchitektur angewiesen. Das derzeit global verfügbare Finanzvolumen reicht bei Weitem nicht aus.
Laut Schätzungen der Unabhängigen Expertengruppe zur Klimafinanzierung benötigen Entwicklungsländer bereits heute rund eine Billion US-Dollar pro Jahr, um ihre Klimaschutz- und Entwicklungsprojekte umzusetzen. Bis 2030 wird dieser Bedarf sogar auf etwa 2,4 Billionen Dollar jährlich steigen. Davon müssten laut der Expertengruppe rund eine Billion Dollar pro Jahr aus externer Finanzierung stammen. Erschwerend kommt hinzu, dass Schwellen- und Entwicklungsländer unter einer erdrückenden Schuldenlast leiden, Kredite teuer sind und die öffentlichen Haushalte kaum Spielraum für Investitionen lassen. Einem neuen UN-Bericht zufolge lebten 2025 rund 3,4 Milliarden Menschen in Staaten, die insgesamt mehr für Schuldzinsen als für Gesundheit oder Bildung ausgeben – Tendenz steigend.
Doch die gute Nachricht lautet: Entschlossenes Handeln kann doppelt wirken. Wer heute in Klima- und Umweltschutz investiert, sichert Arbeitsplätze, fördert Innovationen, treibt inklusives Wachstum voran und macht die Zukunft lebenswerter. Denn Nachhaltigkeit ist kein Luxus. Sie ist zwingende Bedingung für eine wirtschaftliche Transformation, die Natur- und Klimaschutz als Chance für Innovation, Wohlstand, Wachstum und Entwicklung begreift.
Dass wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz kein Gegensatz sind, zeigt sich auch an der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen, etwa in der EU und in den USA
Damit diese Transformation gelingt, braucht es eine neue, vorausschauende und tragfähige globale Finanzarchitektur, aber auch ein grundlegendes Umdenken: Unternehmerisches Handeln, das natur- und klimapositiv ist, sichert nicht nur Rendite, sondern auch die Grundlage jedes Wirtschaftens: einen intakten Planeten. Gesunde Ökosysteme sind die Basis für nachhaltige Unternehmen und langfristigen Wohlstand. Wer in die Wiederherstellung und den Schutz natürlicher Lebensgrundlagen investiert, stärkt zugleich Gesundheit, Stabilität, Innovation und Zukunftsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften. Dass diese Rechnung aufgeht, zeigt etwa eine gemeinsame Studie der OECD und UNDP: Demnach könnte die entschiedene Umsetzung der nationalen Klimabeiträge (NDCs) erhebliche wirtschaftliche Verluste verhindern und das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zum Jahr 2100 um bis zu 13 Prozent steigern.
Eine zukunftsfähige globale Finanzarchitektur sollte öffentliche und private Kapitalströme auf natur- und klimapositives Wirtschaften lenken. Multilaterale Entwicklungsbanken könnten ihre Kapazitäten deutlich ausbauen, Finanzierung erleichtern und ihre Mandate um die Bekämpfung von Armut und die Bereitstellung von globalen öffentlichen Gütern wie ein verträgliches Klima, Biodiversität sowie Wälder und Meere erweitern. Laut dem OECD/UNDP-Bericht wäre eine Verdrei- bis Verfünffachung ihrer Kreditvergabe bis 2030 notwendig, um die Finanzlücke zu schließen. Der Zugang zu Klimafinanzierung müsste zudem vereinfacht und harmonisiert werden, denn fragmentierte Verfahren bremsen Investitionen. Globale Finanzregeln wie Basel III könnten so gestaltet werden, dass private Investitionen in langfristige Klima- und Infrastrukturprojekte, vor allem in Entwicklungsländern, beschleunigt werden.
Auf nationaler Ebene sind stabile und klimafreundliche Finanzsysteme entscheidend. Regierungen sollten nachhaltige Finanzprodukte wie Green Bonds, klimabezogene Offenlegungspflichten und Taxonomien einführen, Klimarisiken in Aufsichts- und Geldpolitik integrieren, Kapazitäten von Finanzinstitutionen stärken und spezialisierte Instrumente wie nationale Klimafonds, Grüne Banken oder strategische Investitionsfonds fördern. So bündelt etwa Ruandas Green Fund (FONERWA) Finanzierungsquellen, baut lokale Kapazitäten auf und entwickelt finanzierbare Projekte. Öffentliche Finanzierungsinstrumente wie Garantien, Mischfinanzierungen (Blended Finance) oder Klimainvestitionsprojekte – etwa in erneuerbare Energiequellen, nachhaltige Mobilität oder energieeffiziente Gebäude – können das Risiko für private Investoren verringern und so zusätzliche Mittel für Klimaschutz mobilisieren.
Globale und regionale Plattformen können als Brücken zwischen Staaten, Unternehmen und multilateralen Organisationen fungieren. Solche Foren sollten nicht nur Kapitalflüsse bündeln, sondern auch ein Ort für die Entwicklung gemeinsamer Strategien sein. Die Hansestadt Hamburg dient dafür einmal mehr als Tor zur Welt: Die Hamburger Nachhaltigkeitskonferenz und die dort ins Leben gerufene Hamburger Nachhaltigkeitsplattform bringen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um private Investitionen für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren.
Erfolgsgeschichten der Erneuerbaren
Dass wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz kein Gegensatz sind, zeigt sich auch an der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen. So hat die EU seit 1990 ihre Treibhausgasemissionen um 37 Prozent gesenkt, während das BIP um 68 Prozent gewachsen ist. Auch in anderen Staaten gelang die Entkopplung. Beachtliche Beispiele hierfür sind die USA, Australien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Südafrika. Zwar „exportiert“ die EU auch einen Teil ihrer Emissionen, indem sie emissionsintensive Güter einführt, statt sie selbst zu produzieren. Doch auch die konsumbasierten Emissionen sind im Vergleich zu 1990 zurückgegangen.
Mit selbstbetriebenen Mini- Solarstromnetzen können abgelegene Dörfer ihre Entwicklung vorantreiben
Die Energiewende in Deutschland ist ein wichtiger Pfeiler dieser Entwicklung. Sie kann jedoch nur dann Wirkung entfalten, wenn die globale Staatengemeinschaft das Versprechen von Paris einlöst und Entwicklungsländer möglichst den schmutzigen Pfad der Industrialisierung überspringen. Weil dies bekanntermaßen nicht einfach ist, unterstützt Deutschland zahlreiche Länder bei ihrer Dekarbonisierung. Wie ungleich die bisherige fossile Entwicklung der Stromversorgung ist, zeigt sich besonders deutlich am Beispiel Afrikas: 600 Millionen Menschen haben noch keinen Zugang zu Elektrizität. Selbst in ressourcenreichen Staaten wie Nigeria, einem der größten Ölproduzenten, ist die Versorgung unzuverlässig; in den ländlichen Gebieten sind weniger als ein Drittel der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. Oft bleibt den Menschen nur der Rückgriff auf Holzkohle oder Holz zum Kochen – mit gravierenden gesundheitlichen Folgen: Die Innenluftverschmutzung kostet immer noch Zehntausenden jährlich das Leben, vor allem Kindern. Zudem müssen Frauen viel Zeit für das Sammeln von Feuerholz aufbringen, was wiederum Entwaldung und Bodendegradierung vorantreibt. Nigeria versucht nun, die Versorgungslücke mit einer neuen Strom- und Ressourcenpolitik zu schließen, die vor allem auf erneuerbare Energien setzt. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, bis 2060 klimaneutral zu sein – eine bemerkenswerte Verpflichtung vor dem Hintergrund noch ungelöster Herausforderungen.
Gerade in abgelegenen ländlichen Gebieten, in denen ein Anschluss an zentralisierte Stromnetze kaum finanzierbar ist, bieten erneuerbare Energien große Vorteile. Mit selbstbetriebenen Mini-Solarstromnetzen können Dorfgemeinschaften ihre Entwicklung eigenständig vorantreiben. Entscheidend ist, dass die Projekte durch lokale Strukturen getragen werden, da sonst die Gefahr besteht, dass Anlagen nicht ausreichend gewartet und schließlich nicht mehr genutzt werden. Erfolgreiche Beispiele solcher Mini-Grids, etwa aus Tansania, zeigen, dass erneuerbare Energien wirtschaftliche Teilhabe und damit Entwicklung fördern. Die Branche schafft für jeden investierten Dollar dreimal so viele Arbeitsplätze wie die fossile Industrie. Werden traditionelle Holzöfen oder Dieselstromgeneratoren durch saubere Alternativen ersetzt, wirkt sich dies auch positiv auf die Gesundheit aus. Die Förderung erneuerbarer Energien ist somit ein wirksamer Hebel, um auch andere Entwicklungsziele wie Armutsbekämpfung, gute Gesundheit oder Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.
KI: Bestimmen, wohin die Reise geht
Die Wachstumschancen der Energiewende und ökologischen Transformation können durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) gestärkt werden: KI optimiert den Energieeinsatz, erleichtert die Netzintegration erneuerbarer Quellen, überwacht Wälder und Gewässer zum gezielten Schutz von Arten und hilft, Abfall besser zu trennen und Recyclingquoten zu steigern. Sie zeigt uns, welche Baumarten den Wald fit für den Klimawandel machen, und warnt vor drohenden Katastrophen wie Dürren, Fluten oder Waldbränden.
Doch der Einsatz von KI bringt auch Herausforderungen mit sich. Laut der Internationalen Energieagentur könnte sich der weltweite Strombedarf von Datenzentren bis 2030 auf 945 Terawattstunden verdoppeln. Zudem spiegelt KI die Wertevorstellungen und strategischen Prioritäten ihrer Entwickler wider und bleibt ohne effiziente Abwehrmechanismen anfällig für Desinformationskampagnen und Manipulation. Gibt es keinen sorgfältigen Steuerungsrahmen, könnten die gleichen Systeme, die erneuerbare Energien effizienter machen, auch die Ölproduktion ankurbeln.
Genau an dieser Stelle macht der UNDP Human Development Report 2025 deutlich: Es sind die Entscheidungen von uns Menschen, die bestimmen, wohin die Reise geht. Aus dem Bericht geht hervor, dass bereits heute rund 20 Prozent der Befragten KI in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Arbeit nutzen. Zwei Drittel erwarten, dass KI ihr Leben in naher Zukunft verbessern wird. Der jährlich erscheinende UNDP-Bericht dient Regierungen weltweit als Kompass für menschliche Entwicklung. Er berücksichtigt neben dem BIP auch Faktoren wie Bildung und Gesundheit. Während der jüngste Bericht den Fokus auf KI legt, wird die kommende Ausgabe mit dem Nature Relationship Index (NRI) eine weitere Dimension ins Spiel bringen. Der Index misst, wie ausgewogen das Verhältnis zwischen Mensch und Natur ist – von der Zugänglichkeit natürlicher Lebensräume über die nachhaltige Nutzung von Ressourcen bis hin zu Investitionen in den Schutz unserer Umwelt.
Um diesen ganzheitlichen Ansatz aus Umwelt, Entwicklung und KI voranzubringen, setzt UNDP auf datengetriebene Lösungen. Ein prominentes Beispiel ist die sogenannte Nature ID – ein digitales System, das Umweltdaten sammelt und miteinander abgleicht, um den Wert von Ökosystemen sichtbar und grüne Finanzierung zugänglich zu machen. Oder die Plattform DiCRA, die Daten zur Verfügung stellt, um den Einfluss des Klimawandels auf die Landwirtschaft zu messen und so klimaresiliente Landwirtschaft zu fördern. Bereits in über 60 Ländern unterstützt UNDP den Einsatz von KI zur schnellen Analyse politischer und ökologischer Zielsetzungen – von der Analyse von Satellitendaten zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten bis zur Aufdeckung illegaler Müllablagerungen.
Weitere Initiativen wie AI for the Planet, die Hamburger Erklärung zum verantwortungsvollen Umgang mit KI und der Globale Digitalpakt schaffen den multilateralen Rahmen für inklusive und nachhaltige KI. Letzterer wurde beim Zukunftsgipfel 2024 in New York von 193 Mitgliedstaaten verabschiedet und bietet ein Rahmenwerk für eine digitale Zukunft, die Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung stärken und ungleiche Zugänge adressieren soll.
Im Zentrum menschlicher Entwicklung muss der Mensch und nicht die Maschine stehen. Gleichzeitig gilt es, die Chancen zu nutzen, die mit dem Einsatz von KI einhergehen. Gelingt dies, könnten Millionen Menschen aus der Armut gehoben und die Lebensgrundlagen unseres Planeten geschützt und gestärkt werden. Dann wird KI zum Motor einer Entwicklung, die Fortschritt und Verantwortung verbindet.
Eine Frage der Sicherheit
Es liegt nicht zuletzt im sicherheitspolitischen Interesse Deutschlands, Klimaschutz und Entwicklung zusammenzudenken. Klimafolgen wie wiederkehrende Dürren und veränderte Regenfallmuster können zu Ressourcenkonflikten führen, wenn etwa fruchtbare Landflächen abnehmen und Ernten ausbleiben. In der Sahelregion haben veränderte Umweltbedingungen Auseinandersetzungen zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten verschärft und so etwa den Konflikt im Norden von Mali befeuert.
Investitionen in Klimaschutz und -anpassung hingegen schützen Lebensgrundlagen und fördern wirtschaftliche Stabilität und Frieden. Ein Beispiel ist die Wiederbewaldungsmethode Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR). Dabei entschließt sich eine Gruppe von Landwirten, auf bestimmten Flächen die Beweidung für eine Zeit einzustellen, damit aus dem bestehenden Wurzelwerk wieder Bäume wachsen können. Auf diese Weise entsteht eine Agroforstwirtschaft, die Ökosysteme resilienter macht, den Wasserzyklus stabilisiert und Ernten erhöht. Zugleich eröffnen sich neue Einkommensquellen, etwa durch Tierfutter oder Honig aus den wiederbegrünten Flächen.
Weil diese Methode auch polarisierte Gruppen zusammenbringt, lässt sie sich dem Environmental Peacebuilding zuordnen. Statt in der Tragik der Allmende zu verharren, entsteht eine Tugend der Kooperation, indem die gemeinsame, koordinierte und friedliche Verwaltung natürlicher Ressourcen Menschen zusammenführt. Um solche Positivspiralen in Gang zu setzen, müssen Klima, Frieden und Sicherheit als Dreiklang gedacht und entsprechend finanziert werden.
Mit seinem klimapolitischen Engagement will Deutschland bei seiner Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027/2028 punkten. Etatkürzungen in den entwicklungspolitischen Bereichen, die gleichzeitig auf Umweltschutz und Konfliktprävention abzielen, stehen dem jedoch entgegen. Ebenso hinderlich sind die bisher nicht weiterentwickelten Krisenleitlinien der Bundesregierung, die planungsgemäß im Jahr 2025 hätten beschlossen werden müssen. Sie geben den Rahmen für zivile Anstrengungen für integrierte Sicherheit vor und umfassen auch Klimasicherheit.
Auf die Allzweckwaffe setzen
Während sich weder Klima- noch Umweltkrisen mit Waffen bewältigen lassen, ist eine natur- und klimapositive Wirtschaft eine echte Allzweckwaffe im Kampf gegen die doppelte Herausforderung aus Armutsbekämpfung und Klimaschutz. Natur- und klimapositives Wirtschaften bedeutet einen Paradigmenwechsel: weg vom Reparaturbetrieb und hin zu einer Wirtschaft, die die Natur nicht nur als Ressource betrachtet – und die somit das Fundament für mehr Stabilität und Sicherheit schafft. Mit der nächsten Generation nationaler Klimabeiträge eröffnet sich die Chance, Klima- und Umweltschutz mit Armutsbekämpfung und wirtschaftlicher Entwicklung zu verbinden, auch mithilfe von Emissionszertifikaten, die bis zu 5 Prozent der Emissionsminderung der EU bis 2040 durch Senkungen im Ausland decken sollen.
Als Verfechterin multilateraler Lösungen kann die Bundesregierung die Reform des globalen Entwicklungssystems aktiv prägen. Diese Reform bietet die Gelegenheit, Klima, Umwelt und wirtschaftliche Entwicklung als Einheit zu denken – nicht als konkurrierende, sondern als sich gegenseitig verstärkende Politikfelder.
Dieser Beitrag ist mit Hilfe von Filipe Ataíde Lampe entstanden.
Internationale Politik Special 01, Januar 2026, S. 4-10