Wo bleibt das Positive, Frau Vinke?
Kira Vinke über Berggorillazwillinge und Suchmaschinen
Haben Sie in den vergangenen Monaten mehr von einem gestrandeten Wal und einem beißenden Wolf als von Gorillazwillingen gehört? Dann stimmen vielleicht Ihre Google-Einstellungen nicht. Während es für den Buckelwal in der Ostsee trotz Rettungsmaßnahmen wenig Hoffnung gab und der Stadtwolf ins Gehege verlegt wurde, ereignete sich in der DR Kongo ein kleines Naturwunder: Innerhalb weniger Monate wurden im Virunga Nationalpark zwei Paare Berggorillazwillinge geboren.
Schon das Wort Berggorillazwilling bereitet Vergnügen. Die Geburten sind das Resultat harter Naturschutzarbeit. Berggorillas waren in den 1970er und 1980er Jahren auf 250 bis 400 Individuen dezimiert worden. Ihr Lebensraum liegt neben dem Ostkongo auch in Uganda und Ruanda auf einem vulkanischen Massiv, das 2200 bis über 4000 Meter in die Höhe ragt. Diese besondere Umwelt ist gefährdet, unter ihr lagert Erdöl, das Begehrlichkeiten in aller Welt weckt. Außerdem wird abgeholzt, teils im industriellen Maßstab, teils durch arme Kleinbauern, die Holzkohle herstellen.
Wilderer jagen die Affen – einige, um mit Jungtieren zu handeln und Profit zu schlagen, andere, um sich von ihrem Fleisch zu ernähren. Armutsbekämpfung ist Voraussetzung für erfolgreichen Naturschutz, und sein Gelingen muss Menschen vor Ort zugutekommen. Insbesondere in den vergangenen Jahren erholte sich die Population der Berggorillas. Heute liegt sie bei über 1000 Individuen. Ein grandioser Erfolg, insbesondere im Licht des Konflikts im Ostkongo, der auch das Nationalparkgebiet betrifft. Für den Naturschutz starben über 200 Ranger durch die Hand bewaffneter Wilderer und Rebellen. Seit Mitte der 1990er Jahre fielen der Gewalt über sechs Millionen Menschen zum Opfer. Umso wichtiger ist die nachhaltige Stabilisierung des Landes, etwa durch Initiativen wie den „Kivu-Kinshasa Green Corridor“, der das Modell der lokalen nachhaltigen Wertschöpfung um den Virunga Park entlang des Kongo-Flusses replizieren will.
Für mehr Teilhabe am Schutz der Wälder können Sie auch die genannte Suchmaschine wechseln und es mit Ecosia probieren. Dieses Non-Profit-Unternehmen mit Sitz in Berlin reinvestiert seine Gewinne in die weltweite Aufforstung und ist mit knapp 250 Millionen gepflanzten Bäumen ein Motor von Veränderung. Ratschlag für das nächste Fest: Virunga-Schokoladengorillas online kaufen, damit Kakaobauern und den Nationalpark unterstützen – und so den Hunger auf Hoffnung stillen.
Internationale Politik, Mai/Juni 2026, S. 128