Gegen den Strich: Die Zukunft des Iran
Erneut wurde eine große Protestbewegung im Iran brutal niedergeschlagen. Doch das bedeutet noch nicht das Ende der Krise, die das Land im Dezember 2025 erfasst hat. US-Präsident Trump hat wiederholt mit einem Angriff gedroht, und auch die israelische Regierung überlegt schon länger, ob es nicht an der Zeit für eine erneute Attacke auf den Iran ist. Könnte das Regime des Obersten Führers Ali Khamenei doch noch in große Bedrängnis geraten?
„Die Islamische Republik steht kurz vor dem Sturz“
Nicht so schnell. Zuletzt reihte sich sogar Bundeskanzler Friedrich Merz in die lange Reihe derjenigen ein, die glauben, der Sturz der Islamischen Republik stehe kurz bevor, als er sagte: „Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen.“ Das stimmt nicht, denn die Situation in und um den Iran wird von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt.
Zum einen sind die Krisenzeichen nicht zu übersehen. Die Frequenz der Proteste und die Größe der Demonstrationen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Das zeigt, wie verzweifelt große Teile der iranischen Bevölkerung angesichts der katastrophalen Lage der iranischen Wirtschaft sowie der verbreiteten Korruption und Misswirtschaft sind, und wie entschieden die Mehrheit im Land die inkompetenten, korrupten und brutalen Eliten der Islamischen Republik ablehnt. Im Unterschied zu 2019 und 2022/2023, als ebenfalls große Proteste das Land erschütterten, kommt 2026 die äußere Bedrohung durch die USA und Israel hinzu. Nie schien das Regime des Obersten Führers Ali Khamenei deshalb schwächer als heute.
Zum anderen sind die aktuellen Proteste schlagartig abgeebbt, als das Regime entschlossen auf Gewalt und Einschüchterung setzte und die Proteste regelrecht zusammenschießen ließ. Innerhalb der Machtelite und ihrer Basis in den Revolutionsgarden, den Basij-Milizen, der Armee, den Geheimdiensten, der Polizei und zivilen Schlägertrupps gibt es weiterhin keine Anzeichen für Brüche oder Konflikte. Solange der von Khamenei angeführte und kontrollierte militärisch-geheimdienstliche Komplex aber einig und entschlossen bleibt, wird dieser in der Lage sein, innerstaatliche Unruhen ohne große Mühe niederzuschlagen.
Das liegt auch daran, dass es im Iran und außerhalb keine organisierte Opposition gibt, die dem Regime Paroli bieten und/oder eines Tages zu einer Alternative werden könnte. Zwar machte der Sohn des letzten Schah, Reza Pahlawi, während der Proteste 2025/2026 aus seinem amerikanischen Exil vermehrt auf sich aufmerksam, doch hat er im Land überhaupt keine Basis, was ihn daran hindern dürfte, in der iranischen Politik jemals eine starke Rolle zu spielen.
All das spricht dafür, dass es statt eines Regimewechsels einen Regimewandel geben dürfte, sobald der mittlerweile 86-jährige Ali Khamenei abtritt. Seine Nachfolge ist seit dem Tod des Präsidenten Ebrahim Raisi im Mai 2024 bei einem Helikopterabsturz ungeklärt. In den vergangenen Jahren war die These von einer bevorstehenden Machtübernahme der Revolutionsgarden populär. Doch während des Zwölftagekriegs im Juni 2025 wurden ihre wichtigsten Kommandeure getötet.
Zwar ist es sehr wahrscheinlich, dass der Einfluss der Kleriker im Regime nach dem Tod Khameneis weiter nachlassen wird und die Garden weiter erstarken. Nachfolgekonflikte sind sehr gut möglich. So gut wie sicher ist bisher aber nur, dass die neuen starken Männer in Teheran aus dem jetzigen Regime hervorgehen werden. Wer sie sind und wohin sie das Land steuern werden, lässt sich jedoch noch nicht absehen. Wie dieser Wandel vonstattengehen wird, hängt aber nicht nur von inneriranischen Machtkämpfen ab, sondern auch von ausländischen Mächten.
„Der Iran ist isoliert und amerikanischen und israelischen Angriffen schutzlos ausgeliefert“
Das stimmt schon eher, und seit dem Zwölftagekrieg muss das Land auch mit weiteren Angriffen der USA und Israels rechnen. Die Isolation des Iran hat eine lange Tradition, denn der revolutionäre Furor Ajatollah Khomeinis und seiner Gefolgsleute sorgte dafür, dass die Islamische Republik seit ihrer Entstehung 1979 nur sehr wenige Freunde fand. Erst seit 2022 gab es klare Anzeichen, dass es dem Iran gelingen könnte, seine jahrzehntelange Isolation zu überwinden.
Die Beziehungen zu Russland verbesserten sich schlagartig, als der Iran Kampfdrohnen lieferte, die das russische Militär mit großem Erfolg im Krieg gegen die Ukraine einsetzt. China zeigte sein Interesse an Teheran, als es die Wiederannäherung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien im März 2023 vermittelte (und große Mengen iranisches Öl kaufte) und damit zum ersten Mal überhaupt der großen Politik des Nahen Ostens seinen Stempel aufdrückte. In Politik und Öffentlichkeit war seitdem viel die Rede von einem russisch-chinesisch-nordkoreanisch-iranischen Bündnis gegen den Westen. Doch während des Zwölftagekriegs 2025 erwies sich die Annäherung Teherans an Moskau und Peking als wertlos; außer etwas proiranischer Rhetorik hielten sich die beiden Partner abseits.
Der Krieg von 2025 zeigte dann die ganze Schwäche des Iran. Die Islamische Republik hatte seit den 1990er Jahren auf eine massive Aufrüstung gesetzt, um sich im Konfliktfall gegen israelische und/oder amerikanische Attacken verteidigen zu können. Ein groß angelegtes Raketenprogramm und Verbündete wie die libanesische Hisbollah und – in der nicht so fernen Zukunft – Nuklearwaffen sollten den Iran vor seinen Gegnern schützen. Doch trotz Milliardeninvestitionen war das iranische Militär in kurzen Schusswechseln im April und Oktober 2024 und erneut während des Zwölftagekriegs 2025 vollkommen chancenlos.
Seitdem ist das Land israelischen und amerikanischen Luftangriffen tatsächlich schutzlos ausgeliefert. Schon im Juni 2025 blieben die israelischen Attacken auf iranische Ziele weitgehend ungestört. Da aufgrund der Kürze des Krieges die Schäden an der militärischen Infrastruktur begrenzt blieben, forderten israelische Militärs und Politiker seitdem wiederholt neue Luftangriffe, um den Iran so weitgehend wie möglich zu schwächen. Zuletzt entbrannte diese Debatte um den Jahreswechsel 2025/2026 erneut, und viele Beobachter glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Israel erneut attackiert.
Es stellt sich jedoch die Frage, was Israel und – sollte Trump eine entsprechende Entscheidung treffen – die USA mit Luftangriffen im Iran erreichen können. Es ist zwar bekannt, dass die Regierung Netanjahu in der letzten Phase des Zwölftagekriegs das Regime in Teheran schwächen wollte und den Krieg nur beendete, weil Donald Trump einen Waffenstillstand ausrief und klarmachte, dass Israel seine Angriffe einzustellen habe. Das dürfte belegen, dass Israel die Islamische Republik mehr fürchtet als das Chaos, das ausbrechen könnte, wenn diese zusammenbricht. Allerdings ist es mehr als unwahrscheinlich, dass ein Regime wie das von Ali Khamenei nur durch Luftschläge gestürzt werden kann. Zu größeren Kampagnen mit Bodentruppen ist Israel jedoch nicht in der Lage, und die USA sind dazu nicht bereit. Deshalb ist der Iran Israel und den USA zwar bis auf Weiteres schutzlos ausgeliefert, doch die Handlungsmöglichkeiten seiner Gegner sind ebenfalls begrenzt.
„Das iranische Atomprogramm wurde durch die israelischen und amerikanischen Angriffe im Juni 2025 vollständig zerstört“
Nein. Das Programm wurde nur sehr stark beschädigt und wahrscheinlich um wenige Jahre zurückgeworfen. Übersteht das Regime in Teheran – und danach sieht es Ende Januar 2026 aus – die gegenwärtige Krise, wird sich sehr bald erneut die Frage nach dem Umgang mit seinem Atomprogramm stellen. Wenn Israel und die USA eine nukleare Bewaffnung verhindern wollen, müssen sie aller Voraussicht nach auch künftig auf militärische Mittel setzen.
Das Streben nach einer Atombombe ist eine Konstante in der iranischen Politik seit 1987. Vor dem Zwölftagekrieg war der Iran bereits ein nuklearer Schwellenstaat, der kurz davor stand, waffenfähiges Uran anzureichern und anschließend nur noch knapp ein Jahr benötigt hätte, um auch einen funktionsfähigen Sprengkopf zu entwickeln. Noch nicht gefallen war die abschließende Entscheidung des Obersten Führers, eine Atombombe zu bauen und die damit verbundenen Konsequenzen zu riskieren – vor allem einen Angriff Israels und der Vereinigten Staaten. Trotzdem befürchteten viele Fachleute, dass die Islamische Republik eine Abkürzung wählen könnte, indem sie innerhalb von wenigen Wochen eine primitive Bombe herstellt. Das hätte den Iran zum Atomwaffenstaat gemacht, jedoch ohne dass die Bombe militärisch einsatzfähig gewesen wäre. Das war der Grund für den Zwölftagekrieg, der am 13. Juni 2025 begann.
Die israelische Luftwaffe flog mehrere Angriffe auf das iranische Atomprogramm, schaffte es aber nicht, die teils im Untergrund vergrabenen Anlagen zu zerstören. Deshalb intervenierten die USA in den letzten Kriegstagen und bombardierten jene Einrichtungen, die den israelischen Attacken bis dahin widerstanden hatten. Dabei zerstörten sie die große Urananreicherungsanlage in Natanz und richteten schwere Schäden an dem tief in den Berg eingelassenen Bau von Fordo an. In Isfahan wurden eine Urankonversionsanlage dem Erdboden gleichgemacht und eine weitere Einrichtung bombardiert, in der rund 400 Kilogramm hoch angereichertes Uran vermutet wurden. Wie effektiv die Angriffe insgesamt waren, lässt sich darüber hinaus daran ablesen, dass die Israelis zahlreiche Atomwissenschaftler töten konnten, die das Programm seit Jahren vorangetrieben hatten.
Die meisten Fachleute gehen trotzdem davon aus, dass die Zerstörungen nur so weit gehen, dass das iranische Atomprogramm um etwa ein oder zwei Jahre oder etwas länger zurückgeworfen wurde. Kommt es nicht zu weiteren Attacken, könnte sich der Iran also schon in der zweiten Jahreshälfte 2026 erneut dem Bau einer Atombombe annähern. Allerdings würden entsprechende Aktivitäten auch dieses Mal bemerkt – der israelische Mossad hat weiterhin tiefe Einblicke in die Planungen der Islamischen Republik –, sodass aller Voraussicht nach neue israelische Angriffe folgen würden.
Kurzfristig handelt es sich bei dem Zwölftagekrieg also um einen Erfolg, doch wurde vor allem Zeit gewonnen. Israel sollte nicht davon ausgehen, dass ein ähnliches Vorgehen immer wieder zum Erfolg führt. Schon 2025 war das Land stark von den USA abhängig, die allein über die schweren Bomber und bunkerbrechenden Waffen verfügen, die für erfolgreiche Angriffe auf Fordo benötigt wurden. Gleichzeitig gab es Widerstand aus isolationistischen Kreisen in der amerikanischen Innenpolitik. Sollten diese sich bei den nächsten Präsidentschaftswahlen durchsetzen, etwa in Gestalt des Vizepräsidenten J.D. Vance, müsste Israel das nächste Mal vielleicht ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten auskommen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Iran längerfristig in den Besitz von Atomwaffen kommt.
„Die Achse des Widerstands hat eine entscheidende Niederlage erlitten“
Das ist mindestens teilweise falsch. Man könnte von einem schweren, aber nicht von einem vernichtenden Rückschlag sprechen. Der Iran kann somit erneut zu einer Gefahr für Israel, seine arabischen Nachbarn und sogar Europa und die westliche Welt werden.
Zur von Teheran angeführten „Achse des Widerstands“ gehörten unter anderen die libanesische Hisbollah, die irakischen Hisbollah-Bataillone, die jemenitischen Huthis, die palästinensische Hamas und das Syrien von Bashar al-Assad. Vor allem der Hisbollah kam eine zentrale Funktion zu, denn die Organisation bedrohte Israel aus nächster Nähe und wurde deshalb vom Iran mit Waffen und Geld ausgestattet. Iranische Militärs sprachen gerne von „Vorneverteidigung“ und meinten damit, dass sie ihre Verbündeten durch Aufrüstung in die Lage versetzten, Gegner weit vor der iranischen Grenze anzugreifen. So sollte eine Attacke auf den Iran durch Abschreckung verhindert werden.
Mit dem Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 brach die Hamas mit diesem Konzept, indem sie alleine in die Offensive ging. Sie schlug zu, ohne dass die Hisbollah und die Revolutionsgarden Beistand zugesagt hatten – in der Hoffnung, dass diese trotzdem in den Konflikt eintreten würden. Die Hamas-Führung hatte offenbar nicht verstanden, dass die Achse des Widerstands in erster Linie zum Schutz des Iran vor einem israelischen oder amerikanischen Angriff diente und nicht der Unterstützung ihrer Teilorganisationen. Die Hisbollah griff zwar ab dem 8. Oktober 2023 Ziele in Nordisrael an, um Solidarität zu zeigen, tat dies aber sehr zurückhaltend, um dem israelischen Gegner zu verdeutlichen, dass sie kein Interesse an einer Eskalation hatte.
Israel reagierte, indem es erst eine große Offensive im Gazastreifen startete, die zwei Jahre andauerte und in deren Verlauf fast 20 000 Hamas-Kämpfer und die meisten Hamas-Anführer in Gaza getötet wurden. Gegen die Hisbollah warteten die Israelis ab, bis sie ihre Attacken ab Sommer 2024 verstärkten und im September eine große Offensive starteten, bei der sie den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, weitere Anführer und Tausende Kämpfer töteten und auch das Raketen- und Drohnenarsenal der Organisation stark dezimierten.
Während der israelischen Angriffe auf den Iran im April und Oktober 2024 und Juni 2025 konnten die Verbündeten nicht mehr helfen. Hinzu kam, dass auch das Regime von Bashar al-Assad im Dezember 2024 stürzte, weil der Iran und die Hisbollah ihm infolge jahrelanger israelischer Angriffe auf ihre Stützpunkte in Syrien nicht mehr beistehen konnten.
Vieles spricht jedoch dafür, dass die Niederlagen die Achse des Widerstands nicht vollends zerstört haben. Die Hamas hat trotz ihrer Verluste weiter die Kontrolle über knapp die Hälfte des Gazastreifens. Die Hisbollah verfügt weiter über mindestens
20 000 Kämpfer sowie Raketen und Drohnen in großer Zahl. Die irantreuen Milizen im Irak sind weitgehend unbeschadet aus den Konflikten seit 2023 hervorgegangen. Die Huthis, die seit 2023 den Schiffsverkehr im Roten Meer behindern, sind trotz zahlreicher israelischer und amerikanischer Angriffe der zurzeit stärkste Bestandteil der Achse des Widerstands.
Besonders wichtig jedoch ist, dass Teheran seine Unterstützung für die Verbündeten im Libanon und im Jemen nicht gestoppt hat und damit zeigt, dass es die Achse des Widerstands wiederbeleben will. Besonders viele und moderne Waffen scheinen in den Jemen zu fließen; die Hisbollah erhält vor allem Geld. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass sich die Hamas und die Hisbollah schnell erholen können. Israel ist aktuell so stark, dass es die Gegner jederzeit erneut angreifen kann. Allerdings sind die beiden Organisationen (und auch die Huthis) so fest in ihren Heimatgesellschaften verankert und haben so viele Anhänger, dass sie nicht rasch verschwinden werden.
„Die Revolutionsgarden sind eine terroristische Organisation“
Nein. Zwar stellt sich angesichts der geschilderten Ausgangslage in der Tat die Frage, was deutsche und europäische Politik tun können, um der iranischen Bedrohung entgegenzutreten. Doch die nach langen Diskussionen nun beschlossene Aufnahme der Revolutionsgarden auf die Terrorismusliste der EU, um so den Druck auf Teheran zu erhöhen, beruht auf einer falschen Prämisse.
Die Revolutionsgarden sind ein ideologisches Militär, das parallel zur konventionellen iranischen Armee besteht. Trotzdem handelt es sich bei beiden um reguläre Armeen, deren wichtigste Aufgabe darin liegt, die Islamische Republik nach außen zu verteidigen. Reguläres Militär taucht bisher jedoch nicht auf der Terrorismusliste der EU auf und wird auch weltweit in der Regel nicht als terroristisch kategorisiert.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass für Soldaten in den vergangenen 150 Jahren besondere Schutzrechte entwickelt wurden, die teilweise außer Kraft gesetzt werden, wenn man sie als Terroristen einstuft – etwa indem man sie für ihre Mitgliedschaft in ihrer Streitkraft strafrechtlich verfolgt.
Hinzu kommt: Wer reguläres Militär eines gegnerischen Staates als terroristisch einstuft, lädt seine Gegner geradezu dazu ein, auch deutsches und europäisches Militär wie Terroristen zu behandeln. Das ist angesichts der Bedrohungslage in Europa und seiner Nachbarschaft kein theoretisches Szenario mehr, und es hätte nicht für einen Schritt riskiert werden sollen, der stark symbolischer Natur ist – denn die Listung der Revolutionsgarden wird die Islamische Republik nicht weiter schwächen.
Es wäre besser gewesen zu fragen, ob nicht eine Listung des Quds-Korps geboten gewesen wäre, das zwar auch ein staatlicher und ein militärischer Akteur ist, dessen wichtigste Aufgabe allerdings darin besteht, terroristische Gruppen wie die Hamas, die Hisbollah, die Huthis und schiitische Milizen im Irak für ihre Angriffe auf Israel, Saudi-Arabien und andere Gegner mit Waffen und Geld auszustatten, sie in terroristischen Taktiken auszubilden und oft sogar anzuführen.
Außerdem war das Quds-Korps wiederholt an Anschlagsplanungen weltweit beteiligt. Zu diesem Zweck hat sich die Einheit so weit von ihren militärischen Wurzeln entfernt, dass eine Aufnahme auf die EU-Terrorismusliste immer noch problematisch, aber zu vertreten wäre.
Viel wichtiger als dieser symbolische Schritt ist aber eine konsequente Eindämmung des Iran. Daran sollten sich außer Israel und den USA auch Europa und Deutschland beteiligen, die ein starkes Eigeninteresse daran haben, dass Teheran sich auch künftig nicht atomar bewaffnet und seine Verbündeten im Libanon, Jemen, im Irak und in den palästinensischen Gebieten erneut oder weiter aufrüstet.
Zu einer solchen Politik gehört auch, dass Saudi-Arabien und weitere nahöstliche Länder als Partner gewonnen und gestärkt werden, damit sie den Angriffen des Iran und seiner Verbündeten nicht mehr so schutzlos ausgeliefert sind wie bisher. In Ländern wie dem Libanon, dem Jemen und vielleicht auch in Palästina müssten die lokalen Gegner der Hisbollah, der Huthis und der Hamas gestärkt werden, um einen Neuaufbau dieser Gruppierungen zu verhindern.
Eine solche Politik verlangt intensive transatlantische Zusammenarbeit, die vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation im Bündnis nicht mehr realistisch zu sein scheint. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland die Gefahren erkennt und benennt, die vom Iran für Europa ausgehen und sicherheitspolitische und militärische Antworten auf diese Bedrohung gibt.
Hierzu gehört es auch, gegebenenfalls in der Lage zu sein, sich an Luftangriffen auf den Iran und (mit mehr als einer unzureichend ausgestatteten Fregatte) an Marineeinsätzen zum Schutz der Seewege im Nahen Osten zu beteiligen.
Wahrscheinlich braucht es für einen solchen Politikwechsel einen grundlegenden Wandel in der deutschen politischen Kultur, der sich jedoch ohne größere Schockerlebnisse nicht einstellen wird. Trotzdem ist die frühzeitige Mahnung angebracht, dass größere Machtverschiebungen im Nahen Osten auch die Sicherheit Europas bedrohen und Deutschland weit davon entfernt ist, darauf vorbereitet zu sein.
Internationale Politik 2, März/April 2026, S. 108-113
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