Drei Fragen an...

26. Okt. 2026

Drei Fragen an … Guido Steinberg

Nahost-Experte

Guido Steinberg
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Bild: Porteät von Guido Steinberg

1. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat ein „On-again, off-again“-Muster ent
wickelt. Wie groß sind die Chancen auf ein Ende der Kampfhandlungen?

Zurzeit sind sie nicht groß. Das liegt vor allem daran, dass es den USA und dem Iran in den bisherigen Verhandlungen nicht gelungen ist, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. Gleichzeitig sind beide überzeugt, die negativen Folgen des andauernden Konflikts abfedern zu können. Die USA leiden unter den hohen Energiepreisen; der Iran hat mit einer katastrophalen wirtschaftlichen Situation zu kämpfen. Beide Seiten hoffen darauf, dass ihr Gegner angesichts der Folgen des Krieges zuerst Zugeständnisse macht. Ob und wann das der Fall ist, zeichnet sich noch nicht ab.


2. Wie wirkt sich das Geschehen auf die Region aus?

Im Nahen und Mittleren Osten hat ein Wettlauf um neue Verbündete begonnen. Zwar sehen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die
kleineren Golfstaaten in den USA weiterhin ihren wichtigsten Sicherheitspartner. Dennoch suchen sie nach zusätzlichen Alliierten, um sich künftig besser vor dem Iran und dessen „Achse des Widerstands“ schützen zu können. Besonders wichtig ist das neue Verteidigungsbündnis Saudi-Arabiens mit Pakistan und der Türkei, das sich allerdings noch bewähren muss. Gleichzeitig bemüht sich der Iran darum, die Huthis im Jemen, die libanesische Hisbollah und andere Partner nach den hohen Verlusten der vergangenen Jahre erneut zu stärken.


3. Das Ansehen Washingtons ist ramponiert. Bleiben die USA im Nahen und Mittleren Osten dennoch Ordnungsmacht?

Die USA bleiben zwar vorerst Ordnungsmacht, dies aber vor allem, weil es ihren Verbündeten an realistischen Alter-
nativen mangelt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit können wir zurzeit den Anfang vom Ende der US-Hegemonie am Persischen Golf beobachten. Die Amerikaner können Gegner wie den Iran oder auch die Huthis im Jemen nicht mehr entscheidend schlagen; ihre Basen in den Golfstaaten sind teils schwer beschädigt, ihre Flugzeugträger und Zerstörer verwundbar. Bislang gibt es allerdings kein anderes Land, das die Rolle der USA einnehmen kann oder will. China ist am Golf noch kein sicherheitspolitischer Faktor.
 

Bibliografische Angaben

Internationale Politik 6, November/Dezember 2026, S. 8

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Guido Steinberg ist Nahost-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).