Perspektiven

29. Juni 2026

Der IP zum 80. Geburtstag

Eine Zeitschrift als Reservoir des Möglichkeitssinns – in gedankenlosen Zeiten der Ermüdung und Erschöpfung erfrischend und wertvoll. Das war nicht immer so.

Jörg Lau
Bild
Bild: Aufnahme der Unterzeichnung der römischen Verträge 1957
Die Welt und die deutsche Außenpolitik: Die „Suche nach Ordnung“ begann für die Zeitschrift schon gut ein Jahrzehnt vor den Römischen Verträgen (im Bild die Unterzeichnung 1957), dem Grundstein der EU.
Lizenz
Alle Rechte vorbehalten

Wer sich in diesen Zeiten mit Durchreisenden aus dem Ausland trifft, kennt die Fragen: Warum legt Merz sich mit Trump an? Was wollt ihr gegen den zweiten China-Schock unternehmen? Wird Deutschland sich wieder mit den Russen arrangieren, wenn es Frieden in der Ukraine geben sollte? Warum kritisiert ihr Israels raumgreifende Politik nicht deutlicher? Müssen wir diese „größte konventionelle Armee“ in Europa, die ihr aufbauen wollt, fürchten, sollte die AfD an die Macht kommen?

Das Interesse an Deutschlands außenpolitischer Ausrichtung nimmt seit Jahren zu – weil es in Europa auf Deutschland ankommt und doch ungewisser denn je ist, welche Rolle dieses Land in der Welt spielen will. Jedes Gespräch mit Botschafterinnen und Botschaftern in Berlin ist getrieben von diesen Fragen: Was wollt ihr erreichen, mit welchen Mitteln, mit welchen Partnern? Dass in solchen Zeiten eine Zeitschrift wie die Internationale Politik gebraucht wird, ist offensichtlich. Die IP versteht sich als „Magazin für globales Denken“, sie ist aber auch ein Medium zur Selbstverständigung über den Kurs dieses Landes. Nicht-deutschsprachige Leser bekommen Proben unserer Debatten über die englischsprachige Website Internationale Politik Quarterly und immerhin vierteljährlich auch als digitales Magazin (nicht häufig genug, scheint mir). 

Ich bin erst spät zur Internationalen Politik gestoßen, 2017, auf Einladung der damaligen Chefredakteurin Sylke Tempel. Zwei langjährige Probleme der Zeitschrift hatte Sylke schon behoben: den eklatanten Frauenmangel in der strategischen Debatte und (womöglich damit zusammenhängend) die gediegene Langeweile vieler Beiträge. 

Bei Gelegenheit eines runden Geburtstags mag es pietätlos klingen, doch es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass viele Hefte der IP in den 1990er und 2000er Jahren nicht gerade inspirierende Lektüre boten. Das kann man kaum einem Mangel an dramatischen Ereignissen in dieser Zeit anlasten. Die Zeitschrift hatte sich den Spitznamen „Valium der Republik“ redlich erarbeitet. Ich glaube, das lag am Rollenverständnis von Redaktion und Autoren. Ein klammer, politikberatender Jargon dominierte selbst kluge Essays. Zu wem sprach das Heft eigentlich? Das imaginäre Publikum der IP, scheint mir, war eine Art Old Boys’ Club – eine geschlossene, holzgetäfelte Welt, in der Industriekapitäne, Ausschussvorsitzende und Mitglieder von Denkfabriken bei Zigarren und Cognac über Weltpolitik berieten. 

Die IP wurde ein Medium der Neugier auf eine Welt, in der sich kaum noch etwas von selbst verstand

Bezeichnend für das Selbstbild des Magazins in diesen Jahren waren die zahllosen Passivkonstruktionen, mit denen die Strategen der IP ihre Forderungen vor die Leser brachten: Übergänge gilt es nun zu gestalten. Neue Ordnungspläne sind zu bedenken. Der Friedensprozess im Nahen Osten wird auch von Europa getragen werden müssen.

Wer so spricht, hat nichts zu erklären und zu begründen, er stellt lediglich fest, was unter den eingeweihten Großstrategen offenbar unbestritten ist. Viele Texte endeten im Appellton: Deutschland muss erkennen; die europäische Politik sollte vorangehen; die Völkergemeinschaft braucht jetzt ein Gesamtkonzept. Sylke hatte diesen Habitus zurückgedrängt. Unter ihrer Leitung war die IP seit 2008 zu einem Medium der Neugier auf eine Welt geworden, in der sich kaum etwas noch von selbst verstand. Sie lud gezielt auch Autorinnen und Autoren ein, die dezidiert anderer Meinung waren als sie.

So auch in meinem Fall im Frühjahr 2017. Sylke neigte angesichts von Trumps Zerstörungswerk dazu, jetzt erst recht den Transatlantizismus zu stärken. Ich hielt das für eine gefährliche Illusion, die über den Epochenbruch hinwegtäuschte. Deutschland und Europa waren allein, glaubte ich. Wir würden uns in einer rauen Welt ohne und vielleicht sogar gegen die USA behaupten müssen. Das führte ich in einem Essay aus, der zu meiner freudigen Überraschung Aufmacher der IP wurde, obwohl Sylke meine Argumentation wohl für überzogen hielt.


Sylke Tempel, die Pionierin

Sylke hatte eine andere Idee von der Funktion einer außenpolitischen Zeitschrift als viele ihrer Vorgänger. Die Fragen, die ihre Arbeit antrieben, lauteten: Was haben wir übersehen? Wo hat sich unser Selbstbild, wo hat sich das Bild der Welt, mit dem wir operieren, von der geopolitischen Wirklichkeit gelöst? Überhaupt: Wie sehen uns die anderen da draußen? Gibt es interessante Gegenmeinungen zu unseren Überzeugungen? Und vor allem, bevor wir zu den Politikempfehlungen kommen: Wie ist eigentlich die Lage? 

Am 5. Oktober 2017 kam Sylke bei einem Unfall ums Leben. Das war ein herber Verlust, weit über die IP hinaus, für die außenpolitische Debatte in Deutschland. Sylke war die erste Expertin, die in Talkshows einem Millionenpublikum Außenpolitik erklären konnte, auch darin eine Pionierin. 

Die IP folgt bis heute dem neugierig- journalistischen Kurs, den Sylke Tempel eingeschlagen hatte. Die Redaktion hat ihn in den vergangenen Jahren sogar weiter ausdifferenziert, mit neuen Formen, Rubriken und mit einem erweiterten Reservoir an exzellenten Autorinnen und Autoren aus aller Welt. Das ist eine wichtige Ergänzung, auch wenn deutsche Zeitungen, Magazine und auch der öffentliche Rundfunk immer noch über ein vergleichsweise dichtes Korrespondentennetz verfügen (wenn auch mit inakzeptablen Lücken in Asien, Afrika und Lateinamerika). Aber diese Medien sind stark nachrichten- und ereignisgetrieben, was die IP (trotz ihrer digitalen Formate) schon aus Gründen ihres zweimonatigen Erscheinungsrhythmus nicht sein kann.
 
Die Ausrichtung der IP auf „globales Denken“ ist richtig. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die entscheidenden Fragen für die deutsche Außenpolitik in den kommenden Jahren da liegen, wo die Geschichte der Zeitschrift einst begonnen hatte: bei der Selbstverständigung über Europa und Deutschlands Rolle auf dem Kontinent. Denn dieser Effekt des US-Rückzugs als Ordnungsmacht wird oft übersehen: Es kommen Themen zurück auf den Tisch, die als abgehakt galten, darunter auch die deutsche Frage in neuer Gestalt. Die NATO hatte bekanntlich nicht nur den Sinn, die Sowjetunion abzuschrecken, sondern auch die ewige Furcht der Nachbarn vor dem Land in der Mitte Europas zu dämpfen, indem sie Deutschland unter US-Führung einband („keep the Germans down“ in den harschen Worten von Lord Ismay). 

Am Niederhalten Deutschlands ist heute keiner unserer Nachbarn mehr interessiert. Im Gegenteil: Deutsche Führung ist ausdrücklich erwünscht (vgl. die Titelstrecke dieser IP). Aber jeder, der etwa in Frankreich oder Polen Gespräche führt, merkt schnell, dass eine unverzichtbare außenpolitische Ressource in Europa knapp zu werden droht: wechselseitiges Vertrauen. Die Fixierung auf die USA – ganz gleich ob kritisch (wie bei französischen Gaullisten) oder affirmativ (wie bei polnischen Atlantikern) – hat den Mangel an europäischem Zusammenhalt lange überdeckt. Das ist nun vorbei. Und damit rückt die Ur- und Frühgeschichte dieser Zeitschrift wieder in den Blick.

Das Unternehmen, mit dem vor 80 Jahren alles anfing, trug einen merkwürdigen Namen; als hätten die jungen Gründer verstecken wollen, dass hier die erste außenpolitische Zeitschrift Nachkriegsdeutschlands entstand: Europa-Archiv, so nannte der erst 25-jährige Wilhelm Cornides das Projekt, für das er 1945, nur Wochen nach der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, eine Lizenz bei den Alliierten beantragte. 


„Start-up“ Europa-Archiv

Der Titel war eine implizite Absage an den Nationalismus, in dessen Ruinen die jungen Leute um Cornides Neues versuchen wollten. Das Wort „Europa“ hatte in den verwüsteten deutschen Städten einen geradezu utopischen Klang. Ein anderes bedeutendes Zeitschriftenprojekt der Trümmerjahre, das 1947 gegründete Debattenmagazin Merkur, nannte sich „Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“. Wie der Merkur, so verschrieb sich auch Cornides der Wiederentdeckung der Werte, gegen die Deutschland zwei Mal Krieg geführt hatte.

Wollte man eine Überschrift für die ersten Jahrzehnte finden, so wäre es wohl „Suche nach Ordnung“. Es war eine euphorisierende Zeit, in der die jungen Leute intellektuell gestalten konnten, gerade weil sie in Trümmern hausten. Der Soziologe Niklas Luhmann, wenig jünger als Cornides, hat es in seinem „Nachruf auf die Bundesrepublik“ später so beschrieben: „In der intellektuellen Entwicklung war Zerstörung vielleicht das wichtigste Kapital – Zerstörung im Sinne der Unnennbarkeit spezifisch deutscher Traditionen. Die Nazis hatten es mit Blubo und Brausi, wie wir damals sagten, verdorben: mit Blut, Boden, Brauchtum und Sippe. Es blieb nur die eifrig zu ­manifestierende Scham.“

Wilhelm Cornides’ Engagement entsprang dieser Scham. Er hatte als 22-jähriger Unteroffizier einen der ersten Zeitzeugen-Berichte über die Vernichtung der europäischen Juden verfasst. Im August 1942 war er auf Dienstreise im „Generalgouvernement“ zwischen Lemberg und Belzec unterwegs gewesen und beobachtete Transporte in die Vernichtungslager. Seine Beobachtungen zu dokumentieren, war ein Akt von erheblichem Mut. Der „Cornides-Bericht“ wurde für Zeithistoriker ein wichtiger Beleg, wie weit das Wissen um die Methoden der Judenvernichtung in der Bevölkerung verbreitet war.

In der ZEIT wurde später an einen ersten Besuch in der Redaktion erinnert, die zunächst in zwei Räumen eines ehemaligen Sarglagers in Oberursel bei Frankfurt hauste: „In zwei kleinen, eiskalten Zimmern“, so hieß es dort, „saß da eine Handvoll junger Leute, alle etwa Mitte Zwanzig, zwischen Bergen von Staub und Papier. Man diskutierte über die deutsche Frage, deren Implikationen Cornides sehr früh erkannt hatte. Und alle miteinander waren besessen von dem Wunsch, Europa zu bauen und den Frieden mitzugestalten.“

Aus Cornides’ Zeitschriftenprojekt ging 1955 die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) hervor, nach dem Vorbild von Chatham House in London und dem Council on Foreign Relations in New York. Cornides wurde erster Forschungsdirektor der DGAP und blieb deren stellvertretender Präsident bis zu seinem frühen Tod 1966. 

1995 bekam die Zeitschrift den neuen Namen Internationale Politik (IP), der bis heute Bestand hat. Die Umbenennung des Europa-Archiv reflektiert den Anspruch, den Horizont der Publikation entschlossen über den Kontinent hinaus zu erweitern. Die damalige optimistische Annahme, dass die europäische Friedensordnung mit der Wiedervereinigung und dem Ende der Sowjetunion ihre definitive Gestalt gefunden hatte, war aus heutiger Sicht voreilig.

Die Urgeschichte der IP unter dem Europa-Enthusiasten Cornides ist gerade darum heute wieder aktuell. Wie kann eine Friedensordnung auf dem Kontinent ohne die Patenschaft der USA funktionieren? In Anlehnung an Hugo von Hofmannsthal schrieb Cornides 1946: „Wir sehen Europa als die geistige Grundfarbe des Planeten, das Europäische als Maßstab, an dem die jeweiligen nationalen Forderungen zu messen und zu korrigieren sind. Wenn sich auch der Schwerpunkt des Weltgeschehens von diesem Kontinent entfernt hat, so steht es uns doch nach wie vor frei, in der Art, wie wir die Dinge betrachten und beurteilen, die Qualität zum Ausdruck zu bringen und den Werten Geltung zu verschaffen, die das Gesicht dieses Erdteils geprägt haben und die auch heute noch ein unverlierbares Vermächtnis an die Welt darstellen.“ 

Das Europa-Pathos des Gründers und seiner Freunde mag ein wenig fremd wirken. Aber die Erkenntnis, dass gerade die Verlagerung des „Schwerpunkts des Weltgeschehens“ weg von Europa die Freiheit schafft, „die Art, wie wir die Dinge sehen“ zum Ausdruck zu bringen, ist sehr passend auch für die heutige Zeit.


Die Aktualität der IP-Geschichte

Die großen Themen des Europa-Archiv waren die deutsche Teilung, die „Ruhrfrage“, das „Saar-Statut“, die embryonalen Anfänge der späteren Europäischen Union (Montanunion), das Scheitern der Idee einer Europäischen Verteidigungsunion sowie die Wiederbewaffnung und der NATO-Beitritt. Interessant ist im Rückblick zu sehen, dass die Zeitschrift sich klar für die Westbindung engagierte, aber eben doch unter Schmerzen, ohne Triumphgebaren. Es war eine vorläufige, imperfekte Ordnung, die Millionen Menschen in Ostdeutschland und Mittel­europa ausschloss. Wer nachvollziehen will, wie die Bundesrepublik sich im Kalten Krieg aufstellte, findet heute noch die entscheidenden Dokumente und Debatten im Europa-Archiv.

Das Gleiche gilt für die 60er, 70er und 80er Jahre, in denen die Blockbildung die Hoffnung auf eine gesamteuropäische Friedensordnung zu erdrücken schien. Angesichts atomarer Hochrüstung, Stellvertreterkriegen in aller Welt und der Niederschlagung von Demokratiebewegungen im Ostblock begann man sich auf Dauer im welthistorischen Provisorium einer bipolaren Welt einzurichten. Das Europa-Archiv debattierte heftig über die Ostpolitik und die NATO-Nachrüstung als zwei gegenläufige Versuche, die Möglichkeit eines gesamteuropäischen Friedens durch Balancepolitik zu bewahren. In dieser Phase ging es nicht mehr wie am Anfang um die Suche nach Ordnung, sondern um die Überwindung einer Ordnung, die in Bipolarität erstarrt schien.

Cornides: „Wir sehen das Europäische als Maßstab, an dem die nationalen Forderungen zu messen und zu korrigieren sind“

Was würde nach dem Ende des Kalten Krieges kommen? Das war das große Thema der IP ab 1995. Die Spannungen zwischen den Großmächten schienen zurückzugehen. Nach den Massakern von Srebrenica und Ruanda kam sogar die Hoffnung auf, die humanitäre Idee der „Schutzverantwortung“ würde sich universell durchsetzen. Auch die Idee, man könne Russland in die euro-atlantische Sicherheit integrieren, fand viele Fürsprecher. Diese Hoffnung zerstob durch die aggressive Wende Putins. Auf der anderen Seite nahm der innere Zerfall des transatlantischen Westens angesichts von Irak-Krieg und Finanzkrise Tempo auf, schon bevor Trumps Präsidentschaft überhaupt denkbar schien.


Warnungen und Alternativen

Wer sich im IP-Archiv umtut, erkennt, dass es immer schon Warnungen vor diesen Entwicklungen und immer auch Alternativen gab. Das ist erfrischend und überraschend in diesen trüben, gedankenlosen Zeiten, da die Weltpolitik von Ereignissen brutal vorangetrieben wird. 

Drei Beispiele zum Russland-Komplex: 2004 schreibt der russische Politikberater Dmitri Trenin (vor der zweiten Runde der NATO-Osterweiterung), das „größte Problem beim Zusammenwirken Russlands mit der NATO, eine mögliche Militarisierung der baltischen Staaten und Polens, kann aller Voraussicht nach gelöst werden, denn heute gibt es keinen ernsthaften Grund mehr zu der Annahme, dass die USA darauf abzielen, Russland mit einem Ring von Militärstützpunkten zu umgeben“. Man werde im russischen Militär „nicht mehr von einer Erhöhung der Gefahr durch den Westen sprechen“. 

Vier Jahre später stellt Robert Kagan angesichts der Georgien-Krise fest, „dass wir uns in einem neuen Zeitalter der Geopolitik befinden“ – und fragt: „Was passiert also, wenn ein dem 21. Jahrhundert zugehöriges Staatengebilde wie die EU von einer traditionellen Macht wie Russland herausgefordert wird? Das werden wir in den kommenden Jahren sehen, doch die Umrisse des Konflikts zeichnen sich bereits jetzt ab: im diplomatischen Kräftemessen wegen des Kosovo, der Ukraine, Georgien und Estland; in Konflikten um Gas- und Ölpipelines.“ Dies erwies sich als unheimlich prophetisch.

Ebenfalls 2008 warnt Sergei Karaganow, die Ausdehnung der NATO werde Russland von einer „revisionistischen Macht (…) in eine revanchistische verwandeln. Russland könnte sogar seine aktuelle Modernisierung opfern; die Verluste würden mit der Notwendigkeit wegrationalisiert werden, dass es gelte, ein viel schlimmeres Szenario zu verhindern – einen großen Krieg.“ 
Alle drei Autoren, die damals in der IP zu Wort kamen, sind auch heute noch Treiber der Debatte. Trenin und Karaganow haben sich von Mittlern zwischen Russland und dem Westen in radikale Propagandisten des Putinismus verwandelt, die Hass gegen Europa predigen und nukleare Vernichtungsdrohungen rechtfertigen. Kagan hingegen, der ehemalige neokonservative Europakritiker, ist zum schärfsten Analytiker von Trumps Außenpolitik geworden. 

Die Hefte der IP sind ein Reservoir des Möglichkeitssinns. Das ist in Zeiten der Überforderung und Erschöpfung, wie wir sie erleben, unglaublich wertvoll. Eine zufällige Begegnung im Zug hat mich davon überzeugt: Vor Kurzem saß ich neben einem jungen Mann, der das aktuelle Heft („Der Iran-Krieg und seine Folgen“) mit gezücktem Bleistift durcharbeitete. Wenn jemand wie dieser Leser so viel darin unterstreicht, dachte ich, dann ist die IP zu ihrem 80. in ziemlich guter Form. Ich verwickelte ihn in ein Gespräch und gab mich (peinlich, ich weiß) als Autor zu erkennen. Ich konnte nicht widerstehen: Ich fragte ihn, wie er auf die IP gekommen sei.

Er sagte, er sei Abiturient und habe die Zeitschrift vor Kurzem erst zufällig am Kiosk entdeckt. Er spiele mit dem Gedanken, sein Leben der Politik zu widmen. 

Für Vollzugriff bitte einloggen.
Bibliografische Angaben

Internationale Politik 4, Mai/Juni 2026, S. 48-53

Teilen

Themen und Regionen

Mehr von den Autoren

Jörg Lau

Die Transatlantiker

Deutschland und Amerika rücken noch einmal zusammen, aber es ist eine Partnerschaft voll dunkler Vorahnungen – ein Transatlantizismus der Angst.
Jörg Lau

Eingefrorener Konflikt

Je schwieriger die militärische Lage der Ukraine wird, um so häufiger trifft man auf die Vorstellung, der Konflikt ließe sich, wenn nicht lösen, so doch vielleicht einfrieren.
Jörg Lau
Rudolf Hermann
Kilian Kirchgeßner
et al.

Briefe nach Brüssel

Welche Themen treiben die Europäer vor den EU-Wahlen um? Sechs Korrespondenten und ­Korrespondentinnen haben sich umgehört.

Jörg Lau ist Publizist, Sachbuchautor und Internationaler Korres
pondent der Wochenzeitung DIE ZEIT. Sein aktuelles Buch heißt „Der Westen sind jetzt wir“

0

Artikel können Sie noch kostenlos lesen.

Die Internationale Politik steht für sorgfältig recherchierte, fundierte Analysen und Artikel. Wir freuen uns, dass Sie sich für unser Angebot interessieren. Drei Texte können Sie kostenlos lesen. Danach empfehlen wir Ihnen ein Abo der IP, im Print, per App und/oder Online, denn unabhängigen Qualitätsjournalismus kann es nicht umsonst geben.