Wo bleibt das Positive … ?

27. Okt. 2025

Wo bleibt das Positive,
 Herr Posener?

Alan Posener über die Vorteile des Schrumpfens

Alan Posener
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Bild: Porträt von Allan Posener

Erinnern Sie sich an die „Letzte Generation“? Ihrem Selbstverständnis nach vertrat diese Bewegung die letzte Generation, die noch eine Klimakatastrophe verhindern könnte. Falsch. Denn die Alterskohorte, die jetzt geboren wird, ist die letzte, die noch eine wachsende Weltbevölkerung erleben wird. Und das ist auch im Sinne der „Letzten Generation“ eine gute Nachricht.

Während die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen davon ausgeht, dass die Menschheit 2084 zu schrumpfen beginnt, glauben viele Demografen, dass wir schon in 25 Jahren den „Peak humanity“ erreichen werden, und zwar bei unter neun Milliarden Menschen. 

Elon Musk sieht schon einen Kollaps der Zivilisation voraus. Das Gegenteil könnte der Fall sein. Weniger Menschen bedeuten zwar weniger Arbeitskräfte und Konsumenten, weniger junge Menschen möglicherweise weniger Innovation. Gleichzeitig bedeutet die Schrumpfung unserer Spezies weniger Umwelt- und Klimabelastung, weniger landwirtschaftlich genutzte oder städtisch versiegelte Flächen, fallenden Energieverbrauch, weniger Abfall. Und das Einebnen des „Youth bulge“ in armen Ländern bedeutet: weniger arbeitslose junge Männer, weniger Gewalt, Terror und Krieg. Ideologisch haben die Grünen die Hegemonie verloren, und doch erfüllen sich hinterrücks ihre Träume.

China schrumpft bereits. Indien bald. Russland längst. Und ja, große Teile Europas auch. Aber anders als unsere systemischen Rivalen in Moskau und Peking verfügen offene Gesellschaften über eine Geheimwaffe, die den Prozess abmildert: die Zuwanderung. Von 2002 bis 2010 schrumpfte die deutsche Bevölkerung, wie es die Demografen erwartet hatten; seit 2011 wächst sie, getrieben vor allem durch Zuwanderung. Übrigens geht es uns da besser als den USA, denn wir bedienen uns – wenn der Begriff erlaubt ist – beim einzigen Kontinent, wo es auf längere Zeit einen Bevölkerungszuwachs geben wird: Afrika.

Wer Remigration fordert, will uns genau jenen Vorteil aus der Hand schlagen, der dem Westen in einer schrumpfenden und alternden Welt Menschen zuführt, die jung, ehrgeizig und potenziell innovativ sind. Es ist kein Zufall, dass die migrationsfeindlichen Kräfte fast immer auch prorussisch und prochinesisch sind. 

Das Positive ist: Die Migration kann, wie die Schrumpfung der Menschheit, verlangsamt, aber nicht aufgehalten werden. 

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Bibliografische Angaben

Internationale Politik 6, November/Dezember 2025, S. 128

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Alan Posener schreibt als freier Autor unter anderem für die Welt.
 

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