Kein Platz für Homosexuelle
In Uganda bieten Politik und Kirchen keinen Schutz für queere Menschen. Ausnahme: die Adonai Inclusive Christian Church.
Bitte hilf mir!“ Immer häufiger ertönt dieser Hilferuf aus Uganda. In dem ostafrikanischen Land, das mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 1000 US-Dollar zu den ärmsten Staaten der Welt gehört, sind es aber nicht nur die Mittellosen, die um Hilfe bitten. Sondern es sind mittlerweile auch schwule und lesbische Personen sowie solche, die von Gendernormen abweichen.
Kaum ein Land der Welt ist so homophob wie Uganda. „Homosexuelle Taten“, wie es in Gesetzen heißt, sind schon länger verboten. Doch seit 2023 ist die rechtliche Lage besonders ernst: Das damals vom Parlament verabschiedete Gesetz verbietet es Medien, positive Berichte über Homosexualität und Queersein zu veröffentlichen. Auch Bildungsinstitutionen dürfen kaum Verständnis aufbringen; und von Immobilienbesitzern wird verlangt, nicht an LGBTQIA+-Personen zu vermieten: Ansonsten droht Gefängnis.
Wer schwul, lesbisch oder bisexuell ist und dies auslebt, kann lange Jahre hinter Gitter landen oder im schlimmsten Fall sogar mit dem Leben bezahlen – auf „schwere Fälle“, wie etwa Sex mit HIV-positiven Personen, Minderjährigen, Menschen mit einer Behinderung oder solchen unter Drogeneinfluss, steht nun die Todesstrafe. Ein Urteil des Verfassungsgerichts aus dem vergangenen Jahr hat auch schon bestätigt, dass es mit alldem seine Richtigkeit habe: Eine Klage gegen dieses Gesetz wurde abgelehnt.
Was in westlichen Ländern für Empörung gesorgt hat – die USA und die Niederlande strichen damals Gelder für Entwicklungszusammenarbeit –, ist im Regierungsviertel der Hauptstadt Kampala eher ein Grund für Stolz. Der Abgeordnete Musa Ecweru jubelte im Frühjahr 2023 nach der erfolgreichen Abstimmung im Parlament: „Homosexuelle haben in Uganda keinen Platz!“ Der seit nunmehr dreieinhalb Jahrzehnten autoritär regierende Präsident Yoweri Museveni hatte Homosexualität zuvor als „ekelhaft“ bezeichnet.
Museveni spricht damit die Sprache seines Volkes. Eine Umfrage aus dem Jahr 2022 des Instituts Afrobarometer ergab, dass mehr als 90 Prozent der Befragten eher ungern eine homosexuelle Person als Nachbarin hätten. Eine Rolle bei der Homophobie in Uganda spielt das Christentum, die mit Abstand am weitesten verbreitete Religion. Die meisten Kirchen, viele von ihnen evangelikal, machen Stimmung gegen Homosexuelle. Museveni betont gern, dass er als Präsident „afrikanische Werte“ fördere und nicht die kulturimperialistische, aus westlichen Ländern importierte Idee, Schwulsein sei in Ordnung. Dass es die vielen Kirchen, die oft lautstark gegen Homosexualität wettern, ohne den britischen Imperialismus kaum gäbe, erwähnen Yoweri Museveni und seine Unterstützer nicht.
Was Museveni auch schwerfällt zu akzeptieren, ist die teilweise Opposition gegen die homophobe Gesetzgebung. Besonders laut ist ausgerechnet eine im Land selbst gegründete Kirche, die Adonai Inclusive Christian Church Uganda. Ihr Gründer Ramathan Kaggwa predigt „radikale Inklusion“, wie er sagt: „Jesus ist auch für Menschen wie uns am Kreuz gestorben!“
Schon vor dem Gesetz von 2023 hatte es seine Kirche schwer. Zwar hatte sie nach eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder, zudem finanzierte sie durch Spenden eine versteckte Herberge für wegen ihrer Homosexualität verfolgte Personen. Dabei ist es ihm gleich, ob die Beherbergten nun christlich sind oder nicht. Auch Muslimas kamen unter, eine Konversion verlangte Kaggwa nicht. Seine Predigten, die er von geheimen Orten per Livestream übertrug, klangen teils eher wie Menschenrechtsmanifeste als wie Gebete.
Radikale Inklusion versus Menschenrechtsverletzung
Personen wie Ramathan Kaggwa sind heute besonders in Gefahr. Nachrichten wie „Bitte hilf mir!“ kommen von ihm seit einiger Zeit mit erhöhter Häufigkeit. Die Adonai Inclusive Christian Church wurde nicht nur wiederholt aus ihren Mietverhältnissen gekündigt, sobald die Vermieter erfahren hatten, dass Kaggwa eine queerfreundliche Institution betreibt. Mittlerweile hat seine Kirche auch den Rechtsstatus verloren; Spenden zu empfangen, ist seither ein Problem geworden. „Wir haben nicht mehr genug zu essen“, schreibt Kaggwa, dem auch das Geld für eine Flucht nach Europa fehlt, um sich in Sicherheit zu bringen. Wiederholt ist er festgenommen worden, nicht nur, als er vor drei Jahren versucht hatte, eine Pride Parade zu veranstalten. Immer wieder unternimmt die Polizei Razzien, wo sie eine Versammlung queerer Personen vermutet. Nicht selten verlieren Betroffene dann auch noch ihre Wertgegenstände, so Kaggwa.
Und so geht es heute vielen Menschen in Uganda. „In den vergangenen zwei Jahren waren LGBT-Personen in Uganda aufgrund der bewussten Entscheidung der Regierung, Hass gegen sie zu schüren, vielfältigen Übergriffen ausgesetzt“, berichtet Oryem Nyeko, der für die NGO Human Rights Watch Afrika beobachtet. „Die Behörden müssen dieses Umfeld dringend verbessern, da es eine Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen ermöglicht und unzählige Ugander einem hohen Missbrauchsrisiko aussetzt.“
Dass sich die ugandische Regierung Berichte wie jene von Human Rights Watch ansieht, ist eher unwahrscheinlich. Schon die Sanktionen westlicher Staaten haben an der Homophobie qua Gesetz nichts geändert. Für Personen wie Ramathan Kaggwa ist es die Hölle, wie er sagt. Mit seiner Arbeit wolle er trotzdem weitermachen: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. An uns ist nichts falsch!“ Nur sieht das Gesetz in Uganda dies leider anders.
Internationale Politik 1, Januar/Februar 2026, S. 112-113
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