Hat die Bundesregierung eine klare Vorstellung, wie sich Deutschland im Iran-Krieg verhalten soll?
Als die USA und Israel am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begannen, unterstützte Bundeskanzler Friedrich Merz das Vorgehen zunächst. Später ruderte er zurück. Bei einer Initiative zum Schutz der Seewege nach Kriegsende übernahmen Frankreich und Großbritannien die Führung, Deutschland bot aber an, bei der Seeminenräumung zu helfen.
Nur eine Minderheit von 28 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger hat den Eindruck, dass die Bundesregierung eine klare Vorstellung darüber hat, wie sich Deutschland im Konflikt zwischen den USA beziehungsweise Israel und dem Iran verhalten soll. Über zwei Drittel – 68 Prozent – haben diesen Eindruck nicht.
Im Osten Deutschlands ist diese Einschätzung noch stärker ausgeprägt: Nur 17 Prozent haben den Eindruck, die Bundesregierung sei sich über ihren Kurs in dieser Frage im Klaren; 82 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Beim Blick auf die Alterskohorten fällt auf, dass die Jüngeren – die 18- bis 29-Jährigen – mit 76 Prozent besonders stark den Eindruck haben, die Bundesregierung habe keinen klaren Kurs (der gegenteiligen Meinung sind nur 20 Prozent). Bei den Älteren (60 Jahre und älter) sind dagegen „nur“ 63 Prozent der Meinung, die Regierung in Berlin habe keine klare Vorstellung; 34 Prozent sehen das in dieser Altersgruppe anders.
Betrachtet nach den parteipolitischen Präferenzen sind es die Wählerinnen und Wähler der CDU/CSU, die mehrheitlich den Eindruck haben, die Bundesregierung verfolge im Iran-Krieg einen klaren Kurs: 54 Prozent sind dieser Auffassung, 44 Prozent sehen das nicht so. Auch unter den Anhängern der SPD sind es immerhin 43 Prozent, die dieser Meinung sind. Bei den Oppositionsparteien sieht das Meinungsbild dagegen deutlich anders aus. Mit 86 Prozent ist der Anteil derjenigen, die keinen Kurs erkennen können, unter AfD-Wählern besonders hoch; auch 78 Prozent der Linken- und 69 Prozent der Grünen-Anhänger sind dieser Auffassung.
Datenbasis: 1002 Befragte in Deutschland. Statistische Fehlertoleranz +/- 3 Prozentpunkte. Erhebungszeitraum 16. bis 17. April 2026. Quelle: Forsa
Internationale Politik 3, Mai/Juni 2026, S.5