Drei Fragen an...

01. Januar 2021

Drei Fragen an ... Jens Stoltenberg

Der NATO-Generalsekretär im Kurzinterview

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Bild: Porträt Jens Stoltenberg
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1. Der scheidende US-Präsident Donald Trump war nicht gerade der größte Fan der NATO. Hat die US-Politik der vergangenen vier Jahre das Bündnis verändert?

Präsident Trump hat klar- gemacht, dass es eine fairere Lastenteilung geben muss – wie eine Reihe von US-Regierungen vor ihm, republikanische und demokratische. Die europäischen Verbündeten und Kanada haben darauf reagiert. Seit sechs Jahren steigen die Verteidigungsausgaben, die Investitionen in Großprojekte und die Beteiligung an Operationen ebenso. Die USA haben zudem darauf gedrängt, die Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte zu erhöhen, und wir haben in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht wichtige Fortschritte erzielt.
 

2. Was steht auf Ihrer Wunschliste für die Regierung von Joe Biden ganz oben?

Ich habe den nächsten US-Präsidenten bereits zum NATO-Gipfel 2021 nach Brüssel eingeladen. Und ich freue mich darauf, mit ihm darüber zu sprechen, wie wir die NATO und die transatlantische Verbindung noch weiter stärken können. Wir brauchen die kollektive Kraft Nordamerikas und Europas, um mit den vielen Herausforderungen umzugehen, denen wir gegenüberstehen, einschließlich eines auftrumpfenden Russlands, des internationalen Terrorismus, Cyber- und Raketenbedrohungen, des Aufstiegs Chinas und des Klimawandels. In dieser unvorhersehbaren Welt ist amerikanische Führung wichtiger denn je. Zusammen sind wir stärker als allein.
 

3. Was ist der wichtigste Schritt, den die europäischen NATO- Mitglieder tun könnten, um das Bündnis zu stärken?

Angesichts der beispiellosen Bedrohungen müssen die euro- päischen NATO-Verbündeten weiter in unsere kollektive Sicherheit investieren. Das bedeutet: höhere Verteidigungsausgaben, mehr Fähigkeiten und einsatzbereitere Streitkräfte entwickeln. Ich begrüße die europäischen Verteidigungsbemühungen. Sie können uns alle sicherer machen und zu einer fairen Lastenteilung beitragen. Aber die EU-Anstrengungen müssen die der NATO ergänzen. Der beste Weg sicherzustellen, dass unsere Gesellschaften geschützt sind und in Sicherheit leben, besteht darin, dass Europa und Nordamerika weiterhin eng zusammenstehen.

Bibliografische Angaben

Internationale Politik 1, Januar-Februar 2021, S.8

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