Drei Fragen an...

04. Mai 2026

Drei Fragen an … Bert Hoffmann

German Institute for Global and Area Studies (GIGA)

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Bild: Porträt von Bert Hoffmann
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1.Wie haben Sie bei Ihrer jüngsten Reise die Lage in Kuba erlebt?

Kuba ist für Diesel und Benzin zu 100 Prozent auf Importe angewiesen. Seit die USA diese blockieren, operiert Kuba im Notbetrieb. Betriebe stehen still.  Ohne Diesel für die Laster kommt das Essen nicht mehr vom Land in die Stadt, der Sauerstoff nicht in die Krankenhäuser, und auch die Pumpen für die Trinkwasserversorgung fallen aus. Die Lage ist dramatisch. Von den Leuten hört man: „So kann es nicht weitergehen!“ Aber wie es weitergehen kann, das weiß niemand. Es ist ein großes Warten, ohne zu wissen, worauf. Alles ist unsicher. Von außen mag man auf das Armdrücken zwischen Havanna und Washington schauen. Wer im Land lebt, erleidet es.

2. Ist ein Vorgehen der USA wie in Venezuela denkbar?

Denkbar, aber unwahrscheinlich. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel ist kein personalistischer Herrscher, sondern ein blasser Verwalter der Macht. Die USA könnten ihn kidnappen, aber das würde nicht viel ändern. Trump posaunt herum, Kuba zu „übernehmen“. Aber wenn er nicht Zehntausende von US-Soldaten auf die Insel schicken will, ist er auf den jetzigen Staatsapparat und seine Sicherheitskräfte angewiesen.  Hierfür muss er mit der Regierung in Havanna verhandeln. Die steht mit dem Rücken zur Wand. Sie wird zu Zugeständnissen bereit sein, die früher kaum denkbar schienen. Aber nur, wenn die jetzige Elite glaubwürdige Garantien für den „Tag danach“ erhält.

3. Welche Szenarien zeichnen sich für Kubas Zukunft ab?

Akut hängt alles an den Öllieferungen. Ende März ließen die USA erstmals einen Tanker durch. Vier Szenarien: 1. Dieser russische Tanker bleibt eine Ausnahme. Dann wird eine humanitäre Katastrophe unvermeidlich. 2. Russland schickt auch weiterhin Öl. So wird das Ausharren auf prekärem Niveau etwas länger möglich. 3. Ein Volksaufstand – für den bis-
lang wenig spricht. Denn wer riskiert es, auf die Straße zu gehen, wenn Trump einen bal-
digen „Deal“ mit der Regierung
verspricht? 4. Es kommt zu einer Verhandlungslösung. 
Alle vier Szenarien wirken unwahrscheinlich – doch zu einem davon wird es kommen, oder zu einer Kombination.
 

Bibliografische Angaben

Internationale Politik, Mai/Juni 2026, S. 8

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Prof. Dr. Bert Hoffmann ist Lead Research Fellow mit Schwerpunkt auf Lateinamerika am GIGA