Titelthema

27. Okt. 2025

Der freundliche Drache

Soft Power ist längst offizieller Bestandteil der chinesischen Politik. Mit seinen kalkulierten Charmeoffensiven gewinnt Peking vor allem in Ländern des Globalen Südens an Einfluss. 

Eleanor Albert
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Bild: Drachentanz beim Chinesischen Neujahrsfest Umzug in Johannesburg
Erfolg mit Folklore: Während sich Chinas Soft-Power-Investitionen noch nicht überall in gewünschtem Maße auszahlen, ist das Bild in Afrika (hier: Johannesburg) positiv.
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Bei einem Treffen hochrangiger Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im Herbst 2024 kündigte Staats- und Parteichef Xi Jinping an, das Land in den nächsten zehn Jahren zu einer „kulturellen Supermacht“ machen zu wollen. Hinter dieser Erklärung steckt ein entschlossenes Bekenntnis zur Soft Power – allerdings auf Pekings ganz eigene Art. 

Westliche Wissenschaftler gehen in der Regel davon aus, dass Soft Power außerhalb der Kontrolle von Zentralregierungen liegt. Die politische Führung in Peking sieht das allerdings anders. Sie interpretiert Soft Power als eine staatlich gelenkte Kraft. Parteiorganisationen und Regierungsunternehmen werden ausdrücklich damit beauftragt, die Soft Power des Landes zu fördern. Geht es nach der KPCh, dann sollen sie ihr dabei helfen, ein starkes und positives Narrativ über das Land in die Welt zu tragen.  


Ein pragmatisches Staatsprojekt 

Den ersten wissenschaftlichen Artikel über chinesische Soft Power verfasste Wang Huning bereits 1993. Seitdem ist Wang in den Reihen der KPCh aufgestiegen, hat unter drei Parteivorsitzenden gedient und bekleidet mehrere Spitzenpositionen im Ständigen Ausschuss des Politbüros. Mit Blick auf die ideologischen Konzepte der Partei und Chinas Rolle in der Welt gilt er noch immer als eine der treibenden Kräfte. 

Den Einzug in den politischen Wortschatz Chinas schaffte das Konzept erstmals Ende der 2000er Jahre, genauer gesagt auf dem 17. Parteitag der KPCh. Der damalige chinesische Präsident Hu Jintao forderte die Partei auf, „die kulturelle Kreativität der gesamten Nation zu fördern und die Kultur als Teil der Soft Power unseres Landes zu stärken“. Im Jahr 2014 erklärte Hus Nachfolger Xi Jinping: „Wir sollten Chinas Soft Power stärken, eine positive chinesische Erzählung schaffen und Chinas Botschaft besser an die Welt vermitteln.“ Solche Erklärungen stehen im Einklang mit der Überzeugung Pekings, dass Kultur – sowohl politische als auch historische – und Kommunikation entscheidende Komponenten sind, um das Ansehen des Landes zu stärken. Seitdem waren die Investitionen in Soft Power bemerkenswert stabil. Nicht nur Hu, sondern auch Xi sorgten dafür, dass alle Parteiorgane und die gesamte Regierungsbürokratie sich an dem Projekt Soft Power beteiligten. 

Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es in China allerdings nicht. Auf der einen Seite steht Wangs Fokus auf kulturelles Kapital – der Förderung der „Kernwerte des Sozialismus“ und des Konfuzianismus –, auf der anderen Seite die Annahme, dass Soft Power vor allem durch Agenda-Setting, Staatspolitik und die Schaffung internationaler Institutionen ausgeweitet werden kann. Eine dritte Interpretation betont derweil die Macht von Normen, glaubwürdiger Politik, sozialem Zusammenhalt und einer resilienten Bevölkerung.  

Es geht auch um die Kon­trolle der Diaspora und der öffentlichen Meinung in der chinesischen Bevölkerung  

Wenn es darum geht, potenzielle Soft-Power-Instrumente zu identifizieren, ist die chinesische Elite pragmatisch: Obwohl in China häufig die Kultur im Vordergrund steht, spielen für sie auch die wirtschaftliche Entwicklung, der technologische Fortschritt und die Kompetenz der Regierung eine wichtige Rolle. Wie der Politikwissenschaftler Li Mingjiang treffend beobachtet hat, sieht China Soft ­Power als Mittel zum Erreichen mehrerer Ziele: als Indikator für seinen Status in der Welt, als Instrument zur Selbstverteidigung und als Faktor im internationalen Wettbewerb. 

Doch Chinas Soft-Power-­Kampagnen zielen auf mehr ab als nur die ­Beeinflussung externer Akteure. Es geht immer auch um die Kontrolle der Diaspora und der öffentlichen Meinung in der chinesischen Bevölkerung. Experten weisen darauf hin, dass diese Interpretation vor allem darauf zurückgeht, dass Respekt und Legitima­tion aus dem Ausland untrennbar mit der innenpolitischen Legitimität der chinesischen Führung verbunden sind. 

Mithilfe einer ganzen Reihe von Initiativen wird – so wie für den chinesischen Regierungsstil üblich – getestet, was funktioniert und was nicht, um später entsprechende Anpassungen vorzunehmen. So veranstalten etwa politische Beratungs- und Medienorganisationen Konferenzen zu Soft Power. Forschungseinrichtungen, darunter Spitzenuniversitäten und parteinahe Thinktanks, erstellen Berichte über den aktuellen Stand der Soft Power des Landes. Außerdem werden Studien von eigens dafür eingerichteten Zentren durchgeführt; das Nationale Soft-­Power-Forschungszentrum, das der China Fo­reign Affairs University angegliedert ist, wurde 2013 eröffnet und konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Verbindung von vier Säulen der Soft Power. Darunter fasst man traditionelle chinesische Kultur, Außenpolitik, internationale Strategie und zwischenmenschlichen Austausch. 


Die Marke China

Anfangs formulierte Peking vor allem Slogans, die China als harmonisches Mitglied der internationalen Gemeinschaft darstellen sollten, um den „Bedrohungsszenarien“ im Ausland entgegenzuwirken. Es folgten hochkarätige Investitionen in Chinas internationale Medienpräsenz, um die notwendigen Kanäle zur Verbreitung dieser Narrative zu schaffen. Peking hat dafür insbesondere den Ausbau seiner Medien in den Bereichen Print, Fernsehen und digitale Plattformen vorangetrieben. Zu Beginn seiner Amtszeit startete Xi Jinping eine Initiative, um „Chinas Geschichte gut zu erzählen“. Im Jahr 2024 bekräftigte er dann nochmals die Bedeutung dieser Strategie und forderte die KPCh auf, „die Umstrukturierung der internationalen Kommunikationslandschaft voranzutreiben, Innovationen bei der Durchführung der Online-(Außen)Propaganda zu entwickeln und eine mehrkanalige und dreidimensionale Außenkommunikationslandschaft aufzubauen“, um „Chinas Positionen proaktiver zu vertreten, die chinesische Kultur zu verbreiten und das Image Chinas in die Welt zu tragen“. 

Mittlerweile hat China erhebliche Mittel in sein Soft-Power-Instrumentarium investiert, insbesondere in Diplomatie, kulturelle Produkte, Sprachzentren, Bildungsaustausch, internationale Kommunikation, Institutionenaufbau sowie Hilfs- und Wirtschaftsentwicklungsinitiativen. 

Immer wieder hebt Chinas Führung das kulturelle Kapital des Landes hervor: die traditionelle chinesische Kultur, die eng mit Konfuzianismus, Daoismus, ­Buddhismus und zeitgenössischeren marxistischen Werten zusammenhängt. Peking zieht außerdem gerne kulturelle Referenzen heran, von der Chinesischen Mauer, der Peking-Oper, Pandas und Kampfkünsten bis hin zu modernen kulturellen und technologischen Durchbrüchen und Produkten – so wie beispielsweise die Elektrofahrzeugmarke BYD, die Eiscreme- und Teegetränkekette Mixue, die digitale Plattform TikTok, das KI-Unternehmen DeepSeek und populäre Computerspiele wie „Black Myth: Wukong“ und „Genshin Impact“. 

Darüber hinaus nutzt China auch seine wirtschaftlichen Partnerschaften und Bildungs- und Ausbildungskapazitäten, um seine Soft-Power-Strategie zu ergänzen. Dies zeigt sich deutlich in den drei ­jüngsten diplomatischen Initiativen Pekings: der Global Development Initiative, der Global Security Initiative und der Global Civilization Initiative. Die Bandbreite der Bereiche, in denen China sich zu vermarkten versucht, um seinen Ruf zu verbessern und sein internationales Image zu pflegen, ist beeindruckend. Doch zahlt sich dieses Unterfangen auch aus?


Erfolg vor allem im Globalen Süden 

Die Wirkung von Soft-Power-Investitionen lässt sich nicht nur in China schwer bestimmen. Oft hängt es davon ab, wie Erfolg definiert wird – und wer ihn definiert. Dennoch bieten bestimmte Indizes und Meinungsumfragen Orientierung. Im Global Soft Power Index 2025, entwickelt vom britischen Beratungsunternehmen Brand Finance, belegt China den zweiten Platz – die bisher höchste Platzierung. 

Das gute Abschneiden wird von Brand Finance vor allem auf die Infrastrukturprojekte der Belt and Road Initiative, den Fokus auf nachhaltige Entwicklung, die Stärke chinesischer Marken und die Wiederöffnung des Landes für Besucher nach der Corona-Pandemie zurückgeführt. 

Internationale Umfragen sind ein weiterer Indikator dafür, wie erfolgreich Soft-Power-Maßnahmen sind. In der 2025 durchgeführten Beliebtheitsumfrage Global Attitude des Pew Research Center hat sich die öffentliche Wahrnehmung ­Chinas zuletzt erstmals seit 2020 verbessert. Zudem ist auch das Vertrauen in Xi und in die weltpolitische Orientierung Chinas gestiegen – und immer mehr Menschen sehen die Volksrepublik als die weltweit führende Wirtschaftsmacht.

Dennoch zeigen die Ergebnisse ein gemischtes Bild. Länder, in denen die positiven Meinungen überwogen, sind vor allem in Subsahara-Afrika und Lateinamerika zu finden. Auch in Indonesien ist das ­China-Bild positiv. Doch eine knappe Mehrheit von 54 Prozent aller Befragten in der 25 Länder umfassenden Umfrage haben weiterhin ein negatives Bild von China – und nur 36 Prozent vertreten eine positive Meinung über das Land. Das positivste Bild haben derweil Erwachsene unter 35 Jahren. Eine Mehrheit dieser Gruppe sieht Chinas Unterhaltungsindus­trie, technologische Errungenschaften und Bildungsbereich positiv. Pekings Investitionen in Soft Power scheinen sich demnach auf lange Sicht auszuzahlen. 

Auch andere Umfragen deuten darauf hin, dass Peking – insbesondere in gewissen Regionen – Fortschritte erzielt. So zeigt eine aktuelle Studie von Afrobarometer, die 39 afrikanische Länder umfasst, dass China dort unter den internationalen Akteuren den besten Ruf genießt. 60 Prozent der Befragten gaben an, dass China einen positiven Einfluss habe – über die Europäische Union sagten das nur 38 Prozent. 

Eine wichtige und sehr spezielle Rolle spielen die Konfuzius-Institute und die sogenannten Konfuzius-Klassenzimmer, deren Programmangebot von Sprach-, Koch- und Kalligrafiekursen bis hin zu Veranstaltungen an chinesischen Feiertagen reicht. Diese Zentren sehen sich selbst als vergleichbar mit dem ­Goethe-Institut in Deutschland, der Alliance Française in Frankreich, dem British Council im Vereinigten Königreich und dem Insti­tuto Cervantes in Spanien. Das erste Konfuzius-­Institut wurde 2004 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul eröffnet; heute gibt es Vertretungen in über 150 Ländern.  


Konfuzius-Institute als ein Hebel

Die Entwicklung der Konfuzius-Institute veranschaulicht in gewisser Weise auch die unklaren Ergebnisse von Chinas Soft-Power-Strategie. Während die Institute weiterhin stark auf dem Vormarsch sind und ihr Netzwerk Jahr für Jahr ausbauen, sind sie oft äußerst umstritten. In den USA wurden aus Angst vor Spionage und Überwachung mehrere hundert Zentren geschlossen; und auch in anderen westlichen Staaten wurde politischer Druck ausgeübt, wurden Vorschriften erlassen, Partnerschaften eingeschränkt und Finanzmittel zurückgehalten. Im Globalen Süden hingegen sind die Institute weiterhin aktiv und eröffnen neue Zweigstellen, zuletzt in Honduras und Peru. Dort ist der vermeintliche Erfolg der Konfuzius-Institute allerdings mitunter weniger mit Kultur oder Sprache verbunden als mit der Tatsache, dass die Einrichtungen oft als Vehikel für chinesische Bildungsstipendien oder für eine Anstellung bei einem chinesischen Unternehmen dienen.

Die chinesische Regierung veranlasste 2020 eine Verwaltungsreform, in deren Zuge die Zentrale der Konfuzius-Institute in Peking (HANBAN) aufgelöst und die sogenannte Chinese International Education Foundation (CIEF) gegründet wurde. Diese Bemühungen werden weithin als ein Schritt zur finanziellen und politischen Dezentralisierung gesehen. Die Konfuzius-Institute können nun aus fünf verschiedenen Finanzierungsquellen schöpfen: der CIEF, einem chinesischen Partner, einem lokalen Partner, dem Center for Language Education and Coopera­tion und den eigenen Einnahmen. Die Idee dahinter scheint vor allem zu sein, die Institute stärker abzugrenzen, um dem Vorwurf der politischen Einflussnahme entgegenzuwirken. Es bleibt abzuwarten, ob diese Strategie funktioniert.

China schickt nicht nur viele Studierende ins Ausland, sondern ist auch selbst ein beliebtes Ziel für ausländische Studierende, vor allem aus anderen asiatischen Staaten und aus Afrika

Eine weitere Dimension der chinesischen Soft Power ist das Hochschulsystem. Unter den 50 besten Universitäten der Welt finden sich gegenwärtig vier chinesische Einrichtungen: die Tsinghua-Universität, die Peking-Universität, die Fudan-Universität und die Zhejiang-Universität. China schickt nicht nur viele Studierende ins Ausland, sondern ist auch selbst ein beliebtes Ziel für ausländische Studierende. Die Zahl der internationalen Studierenden in China erreichte 2020 mit mehr als 225 000 einen Höchststand. Mittlerweile sind es etwas weniger, aber weiterhin mehr als 200 000. Die meisten von ihnen kommen aus anderen asiatischen Staaten und aus Afrika. Die chinesischen Stipendienprogramme sind dafür genauso mitverantwortlich wie niedrige Lebenshaltungskosten und erschwingliche Studiengebühren.

Die Wissenschaftsdiplomatie hat sich in diesem Zusammenhang als fruchtbares Unterfangen erwiesen. Statt Studierende und Fachkräfte ins Ausland zu entsenden, bemüht sich China nun vermehrt darum, Fachkräfte aus dem Ausland „einzuladen“. Dutzende Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen haben bereits Vereinbarungen zur wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit mit China unterzeichnet. Meist sind darin auch Abmachungen zum Thema Ausbildung und zum Aufbau von wissenschaftlichem und technologischem Know-how enthalten. China geht es dabei nicht nur um sein Image, sondern auch um die Ausbildung von ausländischen Fachkräften, die später den Zugang zu neuen Märkten erleichtern könnten. Darüber hinaus bietet das immer größere Netzwerk internationaler Hochschulpartnerschaften chinesischen Staatsangehörigen neue Möglichkeiten und steigert die Attraktivität des chinesischen Bildungssektors im Ausland. 

Nicht ganz verhindern lässt sich derweil, dass das Ausland weiterhin Qualitätsbedenken hegt, was chinesische Bildungsinitiativen angeht – sei es aufgrund anderer pädagogischer Standards, fehlender Unterrichtsdynamik oder einer inhärenten Skepsis gegenüber nichtchinesischen Ideen. 


Widersprüche und Perspektiven

Die untersuchten Aspekte deuten darauf hin, dass China mit seinen Investitionen in Soft Power gemischte Ergebnisse erzielt. Die größte materielle Hürde ist die Weiterentwicklung der chinesischen Wirtschaft. Ein Großteil der Soft-Power-Investitionen wurde getätigt, als Chinas Volkswirtschaft boomte. Heute wecken strukturelle Ungleichgewichte, Staatsverschuldung, geringer Konsum und inländische Überkapazitäten jedoch erste Zweifel, ob diese Finanzspritzen nachhaltig und der chinesischen Bevölkerung vermittelbar sind.

Chinas Umgang mit der Corona-Pandemie und die Schärfe der damaligen Lockdown-Maßnahmen haben dem Image des Landes zweifellos geschadet. Die Wiederöffnung des Landes verläuft langsam, aber stetig. Um Besucher anzulocken, hat Peking die Einreisebestimmungen angepasst: In diesem Jahr haben Bürger aus mehr als 70 Ländern Zugang zu einer 30-tägigen visumsfreien Einreise, zehn weiteren Ländern wurde ein zehntägiger visumsfreier Aufenthalt gewährt. Diese Maßnahmen zeigen, dass die chinesische Regierung erkannt hat, dass die Isolation dem Landesimage geschadet hat.

Mitunter werden Chinas Ambitionen mit Blick auf die Soft Power jedoch auch von eigenen Verhaltensmustern und Überzeugungen eingeschränkt. So werden viele Maßnahmen womöglich dadurch begrenzt, dass sie staatlich gelenkt sind. Schließlich weitet sich Soft Power dann am wirksamsten aus, wenn sie organisch entsteht. In der politischen Kultur Chinas dreht sich jedoch alles um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Beziehung zwischen Partei und Staat. Das kann dazu führen, dass ausländische Zielgruppen Chinas Soft-Power-Initiativen ablehnen, weil sie ihnen zu inszeniert oder zu sehr mit der KPCh verbunden scheinen. 

Ähnlich negativ könnte sich die kognitive Dissonanz der chinesischen Regierung in Bezug auf das Ausland auswirken. Einerseits will sich China der Welt weiter öffnen, andererseits wird der Raum für ausländische Ideen immer kleiner. Der Grund: Die Partei fürchtet Machtverlust und Instabilität und setzt deshalb meist auf Zensur oder die Anwendung und ­Verbreitung bestimmter Narrative.

Ein letzter Faktor sind die Beziehungen zu den USA. Unter Donald Trump hat sich Washington auf einen transaktionalen Ansatz verlegt und die wertebasierte Di­plomatie aufgegeben. Diese Haltung allein schafft zwar noch kein Vakuum, aber da die USA scheinbar kein Interesse mehr an der eigenen Soft Power haben, öffnet sich für Peking in vielen Regionen der Welt ein Fenster, um mehr Einfluss auszuüben.

China will stets sein Gesicht wahren. Allein schon deshalb wird es seine Soft-Power-Strategie wahrscheinlich nicht aufgeben. Nach fast zwei Jahrzehnten gemischter Ergebnisse könnte es jedoch sein, dass Peking seinen Ansatz anpasst: hin zu gezielteren Kampagnen, um Menschen im Globalen Süden für sich zu gewinnen.


Aus dem Englischen von Kai Schnier 

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Bibliografische Angaben

Internationale Politik 6, November/Dezember 2025, S.38-43

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Eleanor M. Albert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Initiative for U.S.-China Dialogue on Global Issues an der Georgetown University und Doktorandin an der George Washington University.

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