01. Februar 2004

Alte, neue Ressentiments

Habermas, die deutschen Intellektuellen und der Antiamerikanismus

Der Irak-Krieg hat in Deutschland und Europa alte wie neue Ressentiments gegen Amerika geweckt.
Gerd Langguth, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn, unterzieht den Antiamerikanismus
vieler deutscher Intellektueller, an ihrer Spitze Jürgen Habermas, einer herben Kritik.

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Nobelpreisträger Günter Grass war sich vor Beginn des Irak-Kriegs über die wahren Absichten der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sicher: „Doch jedermann kann wissen oder ahnen, dass es ums Öl geht.

Oder genauer: Es geht wiederum ums Öl.“1 In einer Umfrage vom Februar 2003 vertraten 76% der Befragten die Meinung, die USA würden bei ihren Interventionen in den Krisenherde der Welt nur ihre eigenen Interessen verfolgen.2 Auf die Frage, von welchem Land die größte Gefahr für den Weltfrieden ausgehen würde, nannten 53% die USA; nur 28% verwiesen auf Irak, 9% auf Nordkorea. In einer Studie vom Juli 2003 vertraten nur 27% der Ostdeutschen und 42% der Westdeutschen die Ansicht, dass sie die Amerikaner mögen würden, während es keine zwei Jahre zuvor noch 40 bzw. 54% waren.3

Jürgen Habermas konstatierte nach dem militärischen Sieg der USA über das Regime des irakischen Diktators Saddam Hussein: „Machen wir uns nichts vor: die normative Autorität Amerikas liegt in Trümmern.“4 Was aber aufhorchen lässt, waren seine unter dem Rubrum des „Anti-Bushismus“ daherkommenden dezidiert antiamerikanischen Ressentiments, die er – unterstützt von dem Franzosen Jacques Derrida – unter dem Titel „Unsere Erneuerung“5 veröffentlichte. Der Habermas’sche Versuch der Begründung einer europäischen Identität ist, wie noch zu sehen sein wird, in erster Linie aus einem tiefverwurzelten Antiamerikanismus heraus begründet. Viele Mittel- und Osteuropäer sind anderer Meinung. So fragt der ungarische Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész: „Wie konnte es kommen, dass der irakische Diktator, dieser späte Schüler Hitlers und Stalins, im Verlauf von pazifistischen Massenerhebungen zu einer fast annehmbareren Figur für Europa wurde als der verfassungsgemäß alle vier Jahre neu wählbare bzw. ablösbare Präsident der USA?“6

Fielen die Reaktionen auf die Intervention in Afghanistan noch vergleichsweise gemäßigt aus, erzeugte der Irak-Konflikt massenartige Empörungen. „Sachbücher“ von Verschwörungstheoretikern über die vermeintlich „wahren Hintergründe“ der Anschläge vom 11. September belegen in den Bestsellerlisten Spitzenplätze.7 Beinahe jeder Dritte der Unter-Dreißigjährigen in der Bundesrepublik vertritt die Meinung, die amerikanische Regierung könnte möglicherweise die Terrorakte selbst in Auftrag gegeben haben.8 Steht nicht hinter vielen Äußerungen in intellektuellen wie politischen Kreisen – auch wenn sich diese vordergründig auf die Regierung von Präsident George W. Bush beziehen – ein latenter oder sogar offener Antiamerikanismus?

„Antiamerikanismus“ muss von einer differenzierenden Amerika-Kritik abgegrenzt werden. Unter Antiamerikanismus wird hier eine prinzipielle Ablehnung all dessen, was jeweils als synonym mit „Amerikanismus“ angesehen wird, verstanden. Er kann aus politischen, kulturellen und psychologischen Motiven gespeist sein und baut auf Vorurteilen und Stereotypen auf, die nicht mehr kritisch hinterfragt werden. Des Weiteren geht er von einer selektiven Wahrnehmung aus. Dabei wird die Methode des Herausgreifens eines einzelnen Aspekts und dessen Verallgemeinerung in verzerrender Absicht angewandt.

Schließlich baut Antiamerikanismus bewusst oder unbewusst ein Feindbild auf, das zur Begründung spezifischer, häufig auch aktueller politischer Zwecke dient. Die Grenzen zwischen „Antiamerikanismus“ und verantwortungsbewusster Amerika-kritik sind fließend. Antiamerikanismus liegt allerdings dann vor, wenn einzelne, kritisch betrachtete Handlungen als Pars pro toto gesehen, die politische Kultur der USA generell als Beweis für einen allgemein dekadenten Zustand der amerikanischen Gesellschaft, Kultur und Politik herangezogen und gleichzeitig die eigenen Standpunkte auf einen Sockel moralischer oder politischer Überlegenheit gestellt werden. Es gibt auch einen Antiamerikanismus von Demokraten, die an bestehende Vorurteile anknüpfen. Denn: Extremisten haben ein Feindbild, aber nicht jeder, der ein Feindbild hat, ist ein Extremist.

Antiamerikanismus gestern und heute

Antiamerikanische Einstellungen können in Europa auf eine lange Tradition zurückblicken – aber auch bewundernde Stimmen. Der Franzose Alexis de Tocqueville wies im 19. Jahrhundert in seinem Werk „Über die Demokratie in Amerika“ begeistert auf die demokratischen Errungenschaften in den USA hin.9 Und viele der europäischen Auswanderer, die voller Verachtung auf die absolutistischen Systeme des Alten Kontinents blickten, sahen in der Neuen Welt ihre Chance für eine bessere religiöse und politische Ordnung. Das Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten bekam jedoch schon zur selben Zeit in den Augen vieler Deutscher neue Attribute: Kulturlosigkeit, Oberflächlichkeit, Materialismus, skrupelloser Individualismus, ungehemmte Profitgier und religiöser Fanatismus. Stereotypen sahen in den Amerikanern Hinterwäldler, Sklavenbesitzer, Neureiche, Cowboys und korrupte Politiker.10

Auch Heinrich Heine war zeitweilig von starken antiamerikanischen Sentenzen beseelt.11 Die zwanziger Jahre der Weimarer Republik zeigten ebenfalls ein ambivalentes Amerika-Bild. Während ein Großteil der Bevölkerung die amerikanische Film- und Musikkultur bewunderte, diffamierte die extreme Rechte (hierunter natürlich Hitler und Goebbels) die USA mit ihren Grundrechten eines demokratischen Verfassungsstaats und vor dem Hintergrund des Versailler Vertrags und des Young-Plans als „Judenstaat“ und kreierte den Begriff des „Dollarimperialismus“.12 Für die extreme Linke waren die USA ein Hauptverhinderer der global angestrebten Diktatur des Proletariats. Auch von sozialistischer und sozialdemokratischer Seite wurden die USA als Prototyp des liberalen Kapitalismus und als eine Gefährdung der Ziele der Arbeiterbewegung angesehen; dem Bildungsbürgertum war der als urbanisierter Massenmensch charakterisierte Amerikaner suspekt. Manche vertraten in geradezu romantischer Weise das Ideal des humanistischen Individualismus, obgleich in Deutschland weiterhin der Glaube an den Obrigkeitsstaat gepflegt wurde.

Die Erfahrungen des „Dritten Reiches“ und des „totalen Krieges“ sowie das Heraufziehen des Kalten Krieges führten indes in Westdeutschland zu einer ausgesprochen proamerikanischen Haltung. Die USA wurden für weite Teile der Bevölkerung zunächst zu einem „freundliche[n] Feind“13 – und in der Folge dann zu einer Art „Ersatzvaterland“. Nur in Ostdeutschland entfalteten die Formeln vom dekadenten und imperialistischen Westen und dessen verdammenswerter Führungsmacht weiterhin unter sowjetischem Druck eine breitere Wirkung.14 Doch in der Bundesrepublik traten ebenfalls immer wieder kritische Stimmen zum transatlantischen Verhältnis auf, die zumeist – aber nicht nur – aus dem eher links anzusiedelnden Spektrum stammten. So waren aus den Reihen der Gruppe 47, auf deren Tagungen sich unter anderen Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Hans Werner Richter und Martin Walser wiederfanden, nicht selten ambivalente bis hin zur vollkommenen Ablehnung reichende Stimmen über die amerikanische Besatzung, die Kollektivschuldthese, eine bedingungslose Westintegration und – später – den Vietnam-Krieg15 zu vernehmen.16 Letzterer sollte als ein Katalysator der Studentenrevolte und als Schnittstelle zwischen den Literaten der Gruppe 47 und den Protestierenden von 1968 dienen.

Während sich Enzensberger angesichts des Zustands der USA an die deutsche Situation der dreißiger Jahre erinnert sah17 und deshalb mit einigem Getöse seine Stelle als Gastdozent an der Wesleyan University in Connecticut aufgab, um nach Kuba überzusiedeln,18 skandierten Tausende auf den Straßen der Republik „USA-SA- SS“19 und verteufelten den vermeintlichen amerikanischen Imperialismus. Der politisch gelegentlich irrlichternde (siehe seine DKP-Phase) und jetzt den Irak-Krieg verdammende Schriftsteller Martin Walser war zeitweilig sehr viel amerikafreundlicher.20

Typisch für manche Intellektuelle ist ihr häufig schwankendes Amerika-Bild. Die USA wurden im Zeichen der Studentenrevolte zum Objekt kultureller Gesellschaftskritik schlechthin. Weitere Risse sollten sich schließlich noch in den achtziger Jahren in der Nachrüstungsdebatte21 und der Diskussion um das mittelamerikanische Nicaragua22 zeigen. Insgesamt waren jedoch in der Bundesrepublik bis zum Fall der Mauer eher positive Einstellungen gegenüber den USA als „Schutzmacht“ verbreitet.23 Die Alternativen des real existierenden Sozialismus oder der Neutralität waren für die Mehrheit keine wirklich wünschenswerten Optionen.

Der heutzutage herrschende transatlantische Dissens in der Frage der derzeit größten globalen Herausforderung, dem internationalen Terrorismus,24 und in den komplexen Fragen einer unilateralen und zugleich militärischen Option der Bekämpfung des Terrorismus25 und/oder einer Eindämmungsstrategie im multilateralen Rahmen26 wurde bereits kurz nach dem 11. September deutlich:Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert erklärte, George W. Bush sei zwar kein Mörder und Terrorist, seine Denkstrukturen wären aber die gleichen wie bei Osama Bin Laden, um zugleich in einer Art Generalabrechnung dem Westen vorzuwerfen, die „tiefere Ursache für die Terroranschläge noch nicht verstanden zu haben.“27

Peter Sloterdijk, der sich durch seine Wortgewaltigkeit nicht selten am Rand der Nichtaussagekraft bewegt, erklärte, dass „sich die westliche Welt (seit dem 11. September 2001) in ein großes Labor autoplastischer Suggestion verwandelt (hat), in dem das Modellieren mit pathetischem Material zu einer Massenbeschäftigung geworden ist.“28 Botho Strauß sah gar im Hinblick auf den Kampf gegen den internationalen Terrorismus einen „Kampf der Bösen gegen die Bösen“.29 In einem unter anderem von Günter Grass und Walter Jens hinsichtlich des Afghanistan-Kriegs unterschriebenen Appell hieß es: „Wo die ökonomischen Erfolgskriterien des globalisierten Kapitalismus zu den Leitwerten der Gesellschaft werden, droht ein Totalitarismus neuer Art.“30 Adressaten dieser Kritiken waren in erster Linie die USA. Mit „What We’re Fighting For: A Letter from America“31 lieferten 58 amerikanische Intellektuelle, darunter Francis Fukuyama und Samuel P. Huntington, im Februar 2002 die Begründung für einen „gerechten Krieg“ gegen den Terror. Danach sei der Einsatz von militärischer Gewalt legitim, wenn nichtgewaltsame Mittel versagen würden und es um die Verteidigung der „universalen Prinzipien der Menschenrechte und menschlichen Würde“ ginge. Eine Zustimmung der Vereinten Nationen sei dabei nicht unbedingt notwendig.

In einer Replik auf dieses Manifest bekundeten 90 deutsche Wissenschaftler, Künstler und Publizisten – darunter Hans-Peter Dürr, Walter Jens, Friedrich Schorlemmer und Günter Wallraff: „Es gibt keine universal gültigen Werte, die es erlauben, einen Massenmord mit einem weiteren Massenmord [gemeint ist die Intervention in Afghanistan; d. Verf.] zu rechtfertigen.“32 Darüber hinaus würden die USA „nicht in erster Linie humanitäre Ziele verfolgen, den Terrorismus bekämpfen oder der Verbreitung von Massenvernichtungsmitteln vorbeugen wollen, sondern sich vielmehr von geostrategischen Motiven leiten lassen.“ Ralph Giordano entgegnete, dass es in der deutschen Antwort „kein Stereotyp (gibt), das in diesem ausgewalzten Katalog des pathologischen Antiamerikanismus vergessen worden wäre“.33 Es kam zu weiteren Repliken.34

Nicht die zumindest missverständliche Wortschöpfung des „deutschen Weges“35 wurde von den deutschen Großintellektuellen kritisiert, auch nicht, dass der französische Staatspräsident Jacques Chirac „als europäischer Herkules die antiamerikanische Keule über ganz Europa schwang“36 – und an seiner Seite der deutsche Kanzler.37 Vielmehr empörten sie sich über die Unterscheidung des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld vom Januar 2003 zwischen „altem“ und „neuem“ Europa und den „Brief der Acht“. Sloterdijk erblickte in Frankreich und Deutschland „die avancierte Fraktion des Westens, die sich (...) zu einem postheroischen Kulturstil (...) bekehrt hat.“38 Durs Grünbein bezeichnete Rumsfeld als „schlechte[n] Machiavellist[en]“.39 Jürgen Habermas sah eine „Neue Welt Europa“,40 die sich gegen „realpolitischen Zynismus“, gegen „konservative Kulturkritik“ und gegen „anthropologischen Pessimismus“ wende. Die deutsch-französische Koalition der Unwilligen war demnach zum eigentlichen Hüter westlicher Werte geworden.

„Kerneuropa“

Wieso stellt schließlich das anfangs erwähnte Habermas-Manifest41 den Höhepunkt antiamerikanischer Manifestation dar?

Erstens: In geradezu pathetischer Art und Weise benutzt er Schlagwörter wie „Geburt einer europäischen Öffentlichkeit“ oder „Wiedergeburt Europas“. Die europäischen Völker, jahrhundertelang in gegenseitigen, bewaffneten Auseinandersetzungen verstrickt, seien heutzutage gar in der Lage, eine „Weltinnenpolitik“ zu begründen, schließlich biete sich die Europäische Union schon heute „als eine Form des ,Regierens jenseits des Nationalstaats’ an“. Doch die von Habermas gewünschte Weltinnenpolitik benötigt offensichtlich ein Feindbild. Denn: Aussage und Diktion des viel beachteten Philosophen nähren den Verdacht, dass er eine sich vertiefende Europäische Union auf ein prinzipiell höheres Niveau stellt als die USA. Insoweit ist ihm die Tendenz zu einer Art europäischem Nationalismus – trotz aller Huldigung einer „postnationalen Konstellation“ – nicht abzusprechen.

Zweitens: Diese Erkenntnis verdichtet sich, indem Habermas die von ihm erstrebte Schaffung einer europäischen Identität als eine negative Identität definiert: Die Demonstrationen vom 15. Februar 2003, bei denen Hunderttausende gegen die von den USA anvisierte gewaltsame Lösung des Irak-Konflikts protestierten, erhebt er in den Status eines möglichen „Signal[s] für die Geburt einer europäischen Öffentlichkeit“. Gleichzeitig hofft er, dass sich aus einem „beunruhigendem Empfinden der Ratlosigkeit“ eine „attraktive, ja ansteckende ,Vision’ für ein künftiges Europa“ entwickelt. Aber: Auch in Asien, Australien und Amerika selbst sind Tausende von Kriegsgegnern auf die Straße gegangen. Diese Demonstrationen waren also nicht genuin europäisch, sondern ein globales Phänomen und damit keinesfalls der Beginn einer europäischen Öffentlichkeit.

Drittens: Eine teils schon vorhandene, teils noch zu schaffende „europäische Identität“ unterscheide sich in wichtigen Aspekten klar von den USA. Beispielsweise seien „Individualismus, Rationalismus und Aktivismus“ gemeinsame transatlantische Werte. Europa jedoch könne auf ein größeres „Vertrauen in die Organisationsleistung und Steuerungskapazitäten des Staates“, auf eine Skepsis „gegenüber der Leistungsfähigkeit des Marktes“, auf die „weltanschauliche Neutralität der Staatsgewalt“ oder – in Bezug auf die internationalen Beziehungen besonders wichtig – auf die Überzeugung einer notwendigen „Domestizierung staatlicher Gewaltausübung auch auf globaler Ebene“ verweisen. Dieses Bild suggeriert ein harmonisiertes Politik- und Sozialmodell in Europa. In Wirklichkeit sind die sozialen wie ökonomischen Traditionen in Europa äußerst divergent, insbesondere die unterschiedlichen Formen des Staatsinterventionismus. Das angeblich so einheitliche europäische Sozialmodell ist momentan an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit angelangt.

Viertens: Europa soll „sein Gewicht auf internationaler Ebene und im Rahmen der UN in die Waagschale werfen, um den hegemonialen Unilateralismus der Vereinigten Staaten“, der das Völkerrecht völlig außer Acht lasse, auszubalancieren. Habermas weiß aber, dass dies aufgrund der innereuropäischen Querelen im Vorfeld des Irak-Konflikts keine einfache Aufgabe ist. Er plädiert deshalb für die Bildung eines „avantgardistische[n] Kerneuropa[s]“ mit Frankreich und Deutschland als Lokomotive. Auf diese Weise könne eine wirkungsvolle Außen- und Sicherheitspolitik entstehen, der sich getreu der Idee des „Europa[s] der verschiedenen Geschwindigkeiten“ die momentan noch dissidenten Staaten, insbesondere die Mittel- und Osteuropäer, anschließen sollten. Er wendet die in anderem Zusammenhang formulierten Kerneuropa-Thesen antiamerikanisch. Übrigens bezeichnete er Letztere als „Eingeladene“ – welch eine herablassende Formulierung gegenüber den Neumitgliedern, wenn man bedenkt, dass doch erst seit kurzem ihr Beitritt zur Europäischen Union feststeht!

Fünftens: Die Legitimierung militärischer Interventionen durch die Vereinten Nationen entspricht den Forderungen der offiziellen deutschen Politik. Habermas hätte aber etwas dazu sagen sollen, warum die deutsche Bundesregierung die Entsendung von Waffeninspektoren unterstützte, doch bereits vor deren Ergebnissen wusste, wie sie im Sicherheitsrat abstimmen würde42 – auch angesichts der Tatsache, dass von deutscher Seite im Kosovo-Konflikt ebenfalls nicht auf eine Entscheidung des Sicherheitsrats zurückgegriffen worden war. Habermas sprach einst in diesem Zusammenhang von einem „Bewusstsein der Unvermeidlichkeit eines vorübergehenden Paternalismus“ und von „Nothilfe“43 der NATO und betrachtete den „Polizeieinsatz“ als einen „bloßen Vorgriff auf einen künftigen kosmopolitischen Zustand“.

Der Antiamerikanismus der Intellektuellen

Die Resonanz in den Feuilletons der deutschen Zeitungen auf die Überlegungen von Habermas fiel weitgehend negativ aus.43 Über 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs muss man feststellen, dass in Deutschland der Antiamerikanismus in seinen verschiedenen Spielarten keineswegs ausgestorben ist. Um es zu wiederholen: Amerikakritische Einstellungen sind nicht identisch mit Antiamerikanismus. Aber viele der zitierten Äußerungen lassen dennoch auf eine starke Neigung schließen, eigenen Vorurteilen ungehemmten Lauf zu lassen.

Viele der jüngsten Äußerungen weisen frappierende Ähnlichkeiten mit den antiamerikanischen Stereotypen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf: Interventionen in einem Land mit reichhaltigem Erdölvorkommen werden undifferenziert als Beweis für ungehemmten Kapitalismus interpretiert; ein Präsident – so Habermas –, der seine täglichen Amtsgeschäfte mit einem Gebet beginnt, wird als amerikatypisches Beispiel für religiösen Fundamentalismus benannt (ähnlich auch Walser45), ein vermeintlich skrupelloser Materialismus46 wird genauso als Zeichen von amerikanischer Kulturlosigkeit gegeißelt wie die von den meisten Europäern kritisierten aktuellen außenpolitischen Alleingänge der USA als Handlungen eines schießwütigen Cowboys gebrandmarkt werden.47 Von einer vermeintlich avantgardistischen und kulturell überlegenen Position aus werden von vielen deutschen Intellektuellen nur die negativen Abweichungen von einer idealistischen europäischen Matrize aufgezeigt. Ohne Zweifel erleichtert die Regierung Bush mit ihrem gelegentlich schroffen Unilateralismus und der Beschwörung eines manichäischen, ja beinahe apokalyptische Züge annehmenden Weltbilds48 nicht gerade die transatlantische Kooperation. Auch ist unübersehbar, dass es zwischen der EU und den USA in Fragen der Außenhandelspolitik, des Exports von Rüstungsgütern, des Internationalen Strafgerichtshofs und des Kyoto-Protokolls Differenzen gibt.

Überwiegen aber nicht die gemeinsamen Ziele dies- und jenseits des Atlantiks, vor allem in Bezug auf die internationale Sicherheitsarchitektur und die Menschenrechtspolitik? Stimmen nicht beide Seiten darin überein, dass der Kampf gegen den Terrorismus und die Verhinderung der Proliferation von Massenvernichtungswaffen auf der Prioritätenliste der globalen Herausforderungen ganz oben stehen? Sogar in der Irak-Frage sollte es unstrittig sein, dass das Regime Saddam Husseins mit einer für das westliche Demokratieverständnis unannehmbaren Brutalität nach innen herrschte und nach außen eine Gefahr des internationalen Friedens darstellte. Selbst ein einstiger Akteur der 68er-Bewegung, Peter Schneider, konnte deshalb diejenigen nicht verstehen, für die „das größte, das ,eigentliche’ Verbrechen in der Region die amerikanische Invasion und nicht etwa das Regime des Massenmörders Saddam gewesen“49 sei. Viele Stimmen der deutschen Intellektuellen gehen an der Realität vorbei: „Der Angegriffene wird zum Angreifer, der Provozierte zum Provokateur, die offene Gesellschaft zum verschlossenen Hort finsterer Verschwörungen, die Demokratie zur Diktatur, der zuverlässigste Hort der Menschenrechte zum Wohnsitz des Menschenfressers.“50

Mit der (nicht allzu neuen) Idee eines „Kerneuropa“ soll sich das von Habermas entworfene Europa als eigenständige Macht nicht mit, sondern gegen die USA profilieren. Die intellektuelle Wiederentdeckung Europas ist zu begrüßen – aber die Habermas’sche Idee eines Kerneuropa führte wegen seiner eindeutig antiamerikanischen Stoßrichtung in absehbarer Zeit nicht zur Einigung der europäischen Staaten, sondern zu einem weiteren Auseinanderdriften. Die mittel- und osteuropäischen Staaten, die noch eine lebendige Erinnerung an den real existierenden Sozialismus haben, werden sich so schnell sicherlich nicht dem Schutz der einzig verbliebenen Supermacht entziehen.51 Ebenso wenig wird Großbritannien in naher Zukunft Abschied von der „special relationship“ nehmen.

Schließlich erscheint es fragwürdig, ob ein Kerneuropa wirklich schon so weit ist, dass es die Fähigkeit und den Willen zu außenpolitischen Mehrheitsbeschlüssen hat. Die deutsch-französische Kooperation im Irak-Konflikt darf nicht darüber hinwegtäuschen: Was in Paris und Berlin betrieben wurde, war zum Großteil keine von gemeinsamen, grundsätzlichen völkerrechtlichen und moralischen Zweifeln ergriffene Politik, vielmehr berechnetes Kalkül.52 Schröder wollte die deutsche Bundestagswahl gewinnen und Chirac, ganz in der gaullistischen Tradition, die europäische Außenpolitik ein Stück weit von den USA abkoppeln und selber eine seit je erstrebte französische Führungsrolle einnehmen. Bei Interessendifferenzen findet ein solches Bündnis ein schnelles Ende.

Wer die Reaktionen auf die Besuche der beiden Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin in Deutschland vergleicht, wird eine stark gewandelte Symbolik der „Berliner Republik“ erkennen: Während 2002 der Besuch eines amerikanischen Präsidenten nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und massiven Demonstrationen stattfinden kann und das Berliner Regierungsviertel wie eine Geisterstadt erscheint, ruft der Empfang eines russischen Staatschefs durchweg nur freundschaftliche Resonanzen hervor, obwohl die inneren Verhältnisse in Russland immer noch alles andere als zufrieden stellend sind. Es gibt zwar eine Kontinuität der Institutionen, die Neigungen und Werte der Bevölkerung, im Speziellen: vieler intellektueller und politischer Köpfe, haben sich aber gewandelt53 – oder es entspricht heute eher einem „Zeitgeist“, sich offen antiamerikanisch zu äußern. Es muss daher ein neuer, nüchterner Diskurs auf beiden Seiten des Atlantiks stattfinden, an dessen Ende eine den neuen internationalen Gegebenheiten angepasste transatlantische Partnerschaft entsteht, die sich zwischen den Polen einer anarchischen Hobbes’schen Welt und Immanuel Kants „Ewigem Frieden“ arrangiert.54 Und es stellt sich die Frage nach der Effektivität jener brückenbauenden Organisationen, die im transatlantischen Verhältnis agieren.

Geistesgeschichtlich, kulturell und politisch ist „Amerika“ eine besondere Herausforderung an die Europäer, weil diese Supermacht eine Kränkung des europäischen Selbstbewusstseins darstellt. Bewusst oder unbewusst gehen in Deutschland viele im intellektuellen Diskurs nach wie vor von einem stark eurozentristischen Weltbild aus. Doch Amerika ist stärker als Europa; Amerika ist derzeit für die Europäer der größte Konkurrent – politisch, wirtschaftlich und kulturell.

Und warum hat der Antiamerikanismus in Deutschland seine besondere Bedeutung? Es waren die USA, die durch ihren Kriegseintritt im Ersten und Zweiten Weltkrieg den eigentlichen Identitätsschub für die Deutschen herbeizwangen und maßgeblich dazu beitrugen, in der Bundesrepublik eine erfolgreiche demokratische Tradition zu verankern. Alles in allem sagt das deutsche Amerika-Bild mehr über die Deutschen selbst als über Amerika aus.

Anmerkungen

1  Günter Grass, Es geht wiederum ums Öl, in: Die Welt, 17.1.2003.

2  NFO-Infratest, Gespaltenes Verhältnis. Wie die Deutschen über Amerika denken, in: Der Spiegel, 17.2.2003, S. 23.

3  Vgl. Elisabeth Noelle, Die Entfremdung. Deutschland und Amerika entfernen sich voneinander, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 23.7.2003.

4  Jürgen Habermas, Was bedeutet der Denkmalsturz?, in: FAZ, 17.4.2003.

5  Jacques Derrida/Jürgen Habermas, Unsere Erneuerung. Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas, in: FAZ, 31.5.2003.

6  Imre Kertész, Wenn die Freudenfeuer verglimmen (Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3.10.2003 in Magdeburg), in: Neue Zürcher Zeitung (NZZ) 4./5.10.2003.

7  Vgl. Panoptikum des Absurden, in: Der Spiegel, 8.9.2003, S. 58 ff.; vgl. Jörg Lau, Ein Wahn stützt den anderen, in: Die Zeit, 11.9.2003.

8  Vgl. Jochen Bittner, Blackbox Weißes Haus, in: Die Zeit, 24.7.2003 (Forsa-Umfrage).

9  Alexis de Tocqueville, Über die Demokratie in Amerika, Stuttgart 1994.

10 Vgl. Louis Begley, Das Washington-Imperium, in: FAZ,20.2.2003.

11 Heinrich Heine, der einst Amerika idealisierte („Dieses ist Amerika, dieses ist die Neue Welt, nicht die heutige, schon europäisierend abgewelkt…“), schrieb später: „Oder soll ich nach Amerika, nach diesem ungeheuren Freiheitsgefängnis, wo die unsichtbaren Ketten mich noch schmerzlicher drücken würden, als zu Hause die sichtbaren, und wo der widerwärtigste aller Tyrannen, der Pöbel, seine rohe Herrschaft ausübt!“ Zit. nach: Jost Hermand, Auf andere Art so große Hoffnung. Heine und die USA, in: Sigrid Bauschinger/Horst Denkler / Wilfried Malsch (Hrsg.), Amerika in der deutschen Literatur. Neue Welt – Nordamerika – USA, Stuttgart 1975, S. 87.

12 Zit. nach Begley, a.a.O. (Anm. 10).

13Hermann Glaser, Deutsche Kultur. Ein historischer Überblick von 1945 bis zur Gegenwart, 3. Aufl., Bonn 2003, S. 35.

14Vgl. Frank Trommler, Aufstieg und Fall des Amerikanismus in Deutschland, in: ders., (Hrsg.), Amerika und die Deutschen. Bestandsaufnahme einer 300jährigen Geschichte, Opladen 1986, S. 674.

15In einer in dem Magazin konkret veröffentlichten Erklärung bezeichneten Schriftsteller der Gruppe 47 das Engagement der USA in Indochina als „Völkermord“; Erklärung über den Krieg in Vietnam, in: Reinhard Lettau (Hrsg.), Die Gruppe 47. Bericht. Kritik. Polemik, Neuwied und Berlin 1967, S. 459 ff.

16Als Beispiel aus der Anfangszeit der literarischen Versammlung bieten sich hier die Ansichten Alfred Anderschs, ebenfalls Mitglied der „Gruppe 47“, an; vgl. Rhys W. Williams, Deutsche Literatur in der Entscheidung. Alfred Andersch und die Anfänge der Gruppe 47, in: Justus Fetscher / Eberhard Lämmert / Jürgen Schutte (Hrsg.), Die Gruppe 47 in der Geschichte der Bundesrepublik, Würzburg 1991, S. 23 ff.

17Vgl. Gerd Koenen, Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution. 1967–1977, Frankfurt am Main 2002, S. 84.

18 In der Zeit erklärte er zu diesem spektakulären Schritt des Weiteren: „Ich halte die Klasse, welche in den Vereinigten Staaten von Amerika an der Herrschaft ist, und die Regierung, welche die Geschäfte dieser Klasse führt, für gemeingefährlich. (...) Ihr Ziel ist die politische, ökonomische und militärische Weltherrschaft.“; zit. nach: Klaus Peter, Supermacht USA. Hans Magnus Enzensberger über Amerika, Politik und Verbrechen, in: Bauschinger/Denkler/Malsch (Hrsg.), a.a.O. (Anm. 11) S. 375.

19Zit. nach: Wolfgang Kraushaar, 1968 als Mythos, Chiffre und Zäsur, Hamburg 2000,S. 54.

20Nachdem er 1983 vier Monate als Gastdozent an der University of California in Berkeley tätig war, schrieb er mit dem zwei Jahre später veröffentlichten Roman „Brandung“ eine „verdeckte Liebeserklärung“ an die USA; Wilfried Barner (u. a.), Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart, München 1994, S. 421.

21Vgl. Ludger Volmer, Die Grünen und die Außenpolitik – ein schwieriges Verhältnis. Eine Ideen-, Programm- und Ereignisgeschichte grüner Außenpolitik, Münster 1998, S. 116 ff.

22 Siehe hierzu ausführlicher Langguth, Wer regiert Nicaragua? Geschichte, Ideologie und Machtstrukturen des Sandinismus, Stuttgart 1989.

23 Vgl. Noelle, a. a. O. (Anm. 3).

24Vgl. Michael Hirsh, Bush and the World, in: Foreign Affairs, September/Oktober 2002, S. 18 f.

25Zur Grundausrichtung und zu den Tendenzen innerhalb der Regierung von George W. Bush vgl. beispielsweise: Andrew B. Denison, Unilateral oder multilateral? Motive der amerikanischen Irakpolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B24–25/2003, S. 17–24; Hirsh, a.a.O., S. 22 ff.; sowie auch Joachim Krause, Multilaterale Ordnung oder Hegemonie? Zur transatlantischen Debatte über die weltpolitische Neuordnung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B31–32/2003, S. 6–14.

26 Vgl. Quentin Peel, Skepsis der Alten Welt. Ein europäischer Blick auf die amerikanische Außenpolitik, in: Internationale Politik, 4/2002, S. 15.

27Zit. nach: Der 11. September und die „Erhabenheit der Katastrophe“, in: Die Welt, 8.10.2001.

28Zit. nach: Herr der Blasen, in: Der Spiegel, 21.12.2001, S. 156.

29Zit. nach: Jan Ross, Arbeit am neuen Weltbild, in: Die Zeit, 31.10.2001.

30Zit. nach: Friede dem Volk. Deutsche Künstler kritisieren die Afghanistan-Politik, in: Süddeutsche Zeitung, 14.11.2001.

31 What We’re Fighting For: A Letter from America, <www.americanvalues.prg/html/wwff.html> (20.9.2003). Die hier verwendeten Zitate stammen aus einer im Tagesspiegel veröffentlichten, gekürzten Form. Die Nächstenliebe verlangt Gewaltanwendung. In einem gemeinsamen Aufruf begründen führende amerikanische Intellektuelle den „gerechten Krieg“ gegen Terror, in: Der Tagesspiegel, 12.2.2002.

32Eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens sieht anders aus, in: Frankfurter Rundschau, 2.5.2002.

33Ralph Giordano, Mörder sind Mörder – und sonst gar nichts. Kritik am US-Militäreinsatz geht in die falsche Richtung, in: Kölner Stadt-Anzeiger, 7.5.2003.

34Is the Use of Force Ever Morally Justified?, <www.americanvalues.org/html/is_the_use_of_force_ever_moral. html> (20.9.2003); Gefährliche Willkür. Kritik deutscher Intellektueller am „gerechten“ Krieg der USA, in: Süddeutsche Zeitung, 25.9.2002.

35Vgl. auch das Interview mit SPD-Generalsekretär Franz Müntefering; „Du musst das hochziehen“, in: Der Spiegel, 24.3.2003, S. 54.

36Christian Hacke, Deutschland, Europa und der Irakkonflikt, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B24–25/2003, S. 12.

37 Gleichwohl sah sich der Bundeskanzler veranlasst, sich von den Äußerungen seiner früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin zu distanzieren, die im Schwäbischen Tageblatt mit den Worten zitiert wurde: „Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht“; zit. nach: „Du musst das hochziehen“, a.a.O., S. 56.

38 Peter Sloterdijk, Postheroische Politik, in: FAZ, 24.1.2003.

39Durs Grünbein, Die dritte Kraft, in: FAZ, 24.1.2003.

40Jürgen Habermas, Neue Welt Europa, in: FAZ, 24.1.2003.

41Siehe hierzu ebenfalls Langguth, Wem gehört die Idee eines „Kerneuropa“? Habermas’ Europa-Thesen im Spiegelbild der Realitäten, in: NZZ, 12.8.2003.

42Vgl. Ijoma Mangold, Vornehmes Beleidigtsein. Deutsche Intellektuelle und die Golfkriege – heute und damals, in: Süddeutsche Zeitung, 11.2.2003.

43Jürgen Habermas, Bestialität und Humanität. Ein Krieg an der Grenze zwischen Recht und Moral, in: Die Zeit, 29.4.1999 („Wenn es gar nicht anders geht, müssen demokratische Nachbarn zur völkerrechtlich legitimierten Nothilfe eilen dürfen“).

44 So zum Beispiel: Ulrich Speck, Exemplarisch. Alteuropa schlägt zurück, in: Frankfurter Rundschau, 3.6.2003; Joachim Güntner, Wie neu ist das „alte Europa“? Mehr Kritik als Beifall für die Initiative von Jürgen Habermas, in: Neue Zürcher Zeitung, 4.6.2003; Mariam Lau, Der Wackeldackel, in: Die Welt, 7.6.2003; Paul Kennedy, Taten statt Worte. „Kern“-Europa braucht keine Philosophie, in: Süddeutsche Zeitung, 23.6.2003; Ralf Dahrendorf/Timothy Garton Ash, Die Erneuerung Europas. Antwort auf Habermas, in: Süddeutsche Zeitung, 5./6.7.2003.

45Walser bezeichnete George W. Bush als „Kreuzzugsprediger (...), der auch noch der Kreuzzugsfeldherr ist“; vgl. Walser, Auch Europa ist schuldig, in: Die Welt, 21.3.2003.

46Hans-Dieter Gelfert zeigt in seiner Studie „Typisch amerikanisch“, dass dieses beliebte europäische Stereotyp oft schlichtweg überzogen ist; vgl. Gelfert, Typisch amerikanisch. Wie die Amerikaner wurden, was sie sind, München 2002, S. 63 ff.

47So versah im März 2003 ein Titelblatt des Spiegel ein Bild eines amerikanischen Soldaten im Einsatz mit der Überschrift „Operation Rambo“; Der Spiegel, 1.3.2003, S. 1.

48Vgl. George Monbiot, America is a religion, in:The Guardian, 29.7.2003.

49Peter Schneider, Zeit der Rechthaber, in: Der Spiegel, 23.6. 2003, S. 158 f.

50Alan Posener, Das steinerne Herz, in: Die Welt, 25.9.2001.

51Vgl. Péter Esterházy, Wir Störenfriede. Wie groß ist der europäische Zwerg?, in: Süddeutsche Zeitung, 11.6.2003.

52Vgl. Matthias Dembinski/Wolfgang Wagner, Europäische Kollateralschäden. Zur Zukunft der europäischen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik nach dem Irak-Krieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B31–32/2003, S.32 ff.

53 Vgl. Andrei S. Markovits / Simon Reich, Das deutsche Dilemma. Die Berliner Republik zwischen Macht und Machtverzicht, Berlin 1998, S. 30.

54 Vgl. Robert Kagan, Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, Bonn 2003, S. 7.

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Bibliografische Angaben

Internationale Politik 2, Februar 2004, S. 67‑77

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