01. Januar 2007

Adiós, Comandante

Havanna im Herbst: Still und leise haben sich die Kubaner an Fidels Abwesenheit gewöhnt

Manche Hoffnungen und noch mehr Ängste verbanden die Kubaner mit der Zeit, in der Fidel Castro ihre Insel nicht mehr regieren wird. Der Augenblick ist da, doch nichts ist passiert. Das Leben geht weiter, die Menschen üben sich in Geduld – und fragen sich, ob die neue Ära tatsächlich ein Übergang ist oder doch nur die Fortschreibung des Alten.

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Witze mit Raúl Castro? Natürlich gibt es sie, jede Menge sogar, auch wenn sie nicht allerneuesten Datums sind. Den hier zum Beispiel: Fidel Castro sitzt an seinem Schreibtisch, vor sich die Pläne für eine Brücke von Havanna nach Miami. „Faszinierend“, sagt er zu seinem Bruder Raúl, „dieses Meisterwerk der Ingenieurkunst müssen wir unbedingt bauen. Aber was machen wir, wenn dann alle abhauen? Zum Schluss bleiben nur wir zwei hier sitzen.“ Fragt Raúl zurück: „Du und wer noch?“

Und Witze über  Raúl? Witze, in denen er nicht nur als Stichwortgeber für den Älteren fungiert? Die ihn selbst aufs Korn nehmen? Mehr als vier Monate regiert er die Insel nun schon, wenigstens in dieser Zeit müsste den sonst so spöttischen Kubanern doch etwas über ihn selbst eingefallen sein. Doch wen man auch fragt in Havanna: Fehlanzeige. Nicht eine Sottise über den Verteidigungsminister und ewigen zweiten Mann, der nun de facto die Nummer eins geworden ist, nicht eine einzige. Den Kubanern, so scheint es, hat es die Sprache verschlagen.

An Witzen über den abwesenden Fidel herrscht natürlich weiterhin kein Mangel. Die Kubaner erzählen sie einander in den eigenen vier Wänden oder auch im Büro, wenn sie unter sich sind; der Ober im Devisen-Restaurant mit Blick auf den Golf von Mexiko lässt auch den ausländischen Gast mitlachen, wenn kein einheimischer Kunde zuhört, der mit seiner blütenweißen Guayabera zu sehr nach Funktionär aussieht. „Haben Sie den schon gehört?“, fragt er: „Fidel ist tot, und die Parteiführung defiliert langsam an seiner aufgebahrten Leiche vorbei. Nur Pérez Roque bleibt vor dem Sarg stehen und hält den Verkehr auf. ‚Felipe‘, flüstert ihm Ricardo Alarcón zu, ‚er ist tot!‘ – ‚Ja‘, flüstert Pérez Roque zurück, ‚aber ich frage mich: Wie bringe ich ihm das bei?‘“

Nun sind Witze, die man erklären muss, keine Witze mehr, und wer nicht weiß, dass Alarcón der als Realist bekannte Parlamentspräsident, Felipe aber der Außenminister ist, der vom Volksmund wegen seiner bedingungslosen Bewunderung für Castro schon als dessen „Fax“ gehänselt wurde, der versteht kein Wort. Doch die Kubaner kennen ihre Pappenheimer, sie wissen sehr genau, wen sie mögen aus ihrer Führungsriege und wen nicht.

Raúl? „Der gehörte für mich lange in die zweite Kategorie“, sagt Carmen, eine Buchhalterin. „Bis nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die ‚Sonderperiode‘ ausbrach, die große Krise. Da war es Raúl, der Fidel überredete, die Bauernmärkte wieder aufzumachen. Die Armee versorgte die Märkte mit Lebensmitteln, die nur halb so viel kosteten wie die auf dem Schwarzmarkt, und der Hunger ließ nach. Das habe ich ihm nicht vergessen.“

Saft aus zerschnittenen Rumflaschen

Carmen wohnt in Centro Habana, dem alten Wohn- und Geschäftsviertel Havannas, das sich gleich hinter dem Kapitol und dem Prado-Boulevard an die koloniale Altstadt anschließt. Eine bedrückende Gegend, nirgends in der Stadt ist der Verfall so sichtbar wie hier. In fast jedem Straßenzug klafft mindestens eine Baulücke. An manchen Stellen sind nicht einmal die Trümmer der Häuser weggeräumt worden, die dem letzten, dem vor- oder dem vorvorletzten Tropengewitter nicht standgehalten haben. Läden im Erdgeschoss erwecken den Anschein, die verwitterten Rollläden seien schon seit Jahren nicht mehr hochgezogen worden, ehemalige Werkstätten stehen leer. Am Eingang sitzen kräftige, an schwere Arbeit gewohnte Männer, deren ganze Tätigkeit jetzt darin besteht, im Inneren des Gebäudes geparkte Autos zu bewachen. Tagaus, tagein.

Und doch sind Veränderungen zu erkennen. Eine Nachbarin von Carmen verkauft seit zwei Jahren aus dem Fenster ihrer Parterrewohnung heraus selbstgepressten Obstsaft für zwei und Brötchen mit Schweinefleisch für fünf Pesos. Den Saft serviert sie in Gläsern mit ungewöhnlich dickem Rand, die sich bei näherem Hinsehen als in der Mitte durchgeschnittene Rumflaschen entpuppen. Einige Häuser weiter hat sich ein Bekannter, ein gelernter technischer Zeichner, auf die Herstellung von Pizza verlegt, nachdem man in seinem Betrieb monatelang keine Verwendung mehr für ihn hatte. „Arbeit auf eigene Rechnung heißt das offiziell. Du zahlst enorm viel Steuern und hast ständig Ärger mit irgendwelchen Kontrollen, damit du dich ja nicht bereicherst. Aber etwas bleibt zum Leben übrig“, sagt Carmen.

Frischen Putz oder ein wenig Farbe haben hier in Centro Habana in den letzten 15 Jahren nur die Gebäude abbekommen, in denen neuerdings Lebensmittel, Hygieneartikel, Schuhe oder auch elektrische Geräte für harte Währung verkauft werden. Die Bodegas, in denen die Kubaner ihre rationierten Lebensmittel erwerben, müssen weiter ohne neuen Anstrich auskommen. Doch auch sie sehen merklich anders aus als in den schlimmen Krisenzeiten Mitte der neunziger Jahre: In den Regalen liegt plötzlich wieder Ware, nicht viel, aber immerhin. In einer Bodega nicht weit von der Uferpromenade Malecón haben die Angestellten mit ihrer schönsten Handschrift kleine Pappkärtchen beschriftet und den Artikeln zugeordnet. „Kaffee: 1 Paket pro Person – 5,00 Pesos. Öl: ein Viertelliter – 0,70 Pesos. Reis: 5 Pfund zu 0,90 Pesos pro Pfund. Zucker: 3 Pfund zu 0,15 Pesos pro Pfund.“ Selbst Seife, jahrelang nur für Dollar erhältlich, ist zumindest in Havanna nun wieder so reichlich vorhanden, dass in einer der oberen Ablagen ein ganzes Häufchen davon auf Kunden mit der passenden Bezugskarte wartet: ein Stück im Monat pro Person, 25 Centavos.

„Ja, die Versorgung ist besser geworden in den letzten anderthalb oder zwei Jahren“, erzählt Carmen. „Die Rationen von Reis, Eiern, schwarzen Bohnen sind deutlich angehoben worden.“ Anstelle von Fisch – den die Kubaner nie mochten, was freilich auch an der Qualität lag – gebe es immer häufiger Hühnchen auf Zuteilung. Auf den Agromärkten sei selbst Schweinefleisch erhältlich. „Aber 35 Pesos für das Pfund“ – anderthalb Euro umgerechnet – „sind hier eine Menge Geld, wenn du nur 422 Pesos im Monat verdienst wie ich und keine Verwandten in Miami hast, die dir ab und zu ein paar Dollar schicken.“

Was erwartet sie von der neuen Etappe, die nun beginnt oder schon begonnen hat? Wie hat sie jenen Tag Anfang August erlebt, an dem anstelle von Fidel Castro plötzlich dessen Privatsekretär im Fernsehen auftrat und bekanntgab, der „Comandante en Jefe“ sei wegen einer Darmblutung operiert worden, er werde mehrere Wochen lang pausieren müssen und habe seine Vollmachten daher entsprechend der Verfassung an Raúl Castro und weitere hochrangige Genossen abgetreten? „Ich habe einen riesigen Schreck bekommen“, sagt sie. „Ich bin jetzt 50 geworden, und er hat uns regiert, so lange ich mich erinnern kann. Den Gedanken, dass er irgendwann nicht mehr da sein wird, habe ich immer von mir weggeschoben.“ Ob er sich wohl wieder erholt? „Er sah nicht gut aus in dem letzten Video, das sie im Fernsehen gezeigt haben. Ja, er läuft jetzt wieder alleine. Aber zur Militärparade am 2. Dezember ist er nicht gekommen. Dabei hatte er doch selber seine Geburtstagsfeiern von August auf diesen Tag verlegt.”

Leere Plätze am Malecón

Dass einfach überhaupt nichts passierte, als dieser eine Mann plötzlich ausfiel, von dem sie doch glaubten, kein Rad drehe sich auf Kuba ohne seine Erlaubnis, hat viele seiner Landsleute überrascht. „Ich fuhr am nächsten Morgen mit dem Bus zur Arbeit zur Informatik-Hochschule in Lourdes, dort, wo die Sowjetunion früher ihre Abhörstation hatte“, berichtet die Webdesignerin Teresa, eine ehemalige Schulkameradin von Carmens Tochter. „Durch das Fenster sah ich die Kinder zur Schule gehen, die Leute standen nach Brot an, alles war wie immer, und ich dachte: Wie kann es sein, dass das Le-ben einfach weitergeht? Jetzt kann ich über mich selbst lachen. Aber so viel Normalität war eine Überraschung.“

Rubén Daubar verwaltet in der Straße Neptuno ein kleines Tango-Museum mit angeschlossener Tanzschule, das sein Vater einst aufgebaut hatte. Er widerspricht Teresas Schilderungen. „Nein, es war nicht wie immer“, sagt er. „Die Leute waren bedrückt, auch die, die immer die Klappe aufreißen und über alles meckern.“ Er erzählt, dass unten am Malecón, wo abends immer die Pärchen sitzen, an diesen Tagen alles leer war. Dass die Radios nur halb aufgedreht wurden. „Das fiel schon auf, denn Sie wissen ja, wie laut wir Kubaner sonst immer unsere Musik hören.“

In Havanna sind weitere kleine Veränderungen zu entdecken. Die Zahl jener attraktiven und ausnehmend gut gekleideten jungen Frauen, die in der Nähe der Hotels Touristen ansprechen, ist drastisch zurückgegangen, was freilich auch daran liegen mag, dass die Regierung mehr Polizisten auf die Straße geschickt hat. Die „Komitees zur Verteidigung der Revolution“ in jedem Straßenzug sind nachts wieder besetzt, auch wenn mancher Wachhabende sein müdes Haupt auf einen alten Schreibtisch bettet und schnarcht. In mehreren Vierteln haben die Behörden private, also illegal betriebene, Satellitenschüsseln eingezogen und drastische Geldstrafen verhängt.

Von der Polizei aber heißt es ansonsten, sie habe Anweisungen bekommen, sich etwas nachsichtiger zu zeigen und unnötigen Streit mit den Bürgern zu vermeiden. Trotzdem setzten die „Damen in weiß“, Ehefrauen von inhaftierten Regimegegnern, ihre demonstrativen sonntäglichen Kirchgänge mehrere Wochen lang aus. „Es herrscht eine allgemeine Waffenruhe“, sagt ein europäischer Diplomat in Havanna, der bekennt, er hätte sich genauso gut auch eine Welle präventiver Verhaftungen vorstellen können. Die Überraschung darüber, was alles  nicht  geschehen ist nach dem Ausfall Castros, beschränkt sich nicht auf die Einheimischen.

Die ersten Tage im August habe sie sich gefühlt „wie im Auge eines Hurrikans“, beschreibt die Webdesignerin Teresa ihre damalige Gefühlslage. „Irgendwo da draußen tobten gewaltige Stürme, dachte ich, und jeden Augenblick würden sie über uns hereinbrechen und alles umreißen. Nur ganz langsam habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass es da gar keinen Hurrikan gibt.“ Sie hat nachgedacht. „Ich erinnere mich noch an Fidels Erklärung, dass er die Leitung der Kampagnen im Bildungs-, im Gesundheits- und im Energiesektor jetzt an eine ganze Gruppe von Politbüromitgliedern abgibt. Mir ist erst bei dieser Gelegenheit klar geworden, womit er sich alles persönlich beschäftigt hat, statt die Arbeit zu delegieren“, sagt sie. „Selbst wenn er wiederkommen sollte – dieses Arbeitspensum wird er nie wieder bewältigen.“

Die offiziell verkündete Verteilung der Verantwortlichkeiten auf eine ganze Reihe von Spitzenpolitikern hat noch einen ganz anderen Effekt, meint Teresa. Die Kubaner seien daran gewöhnt gewesen, dass alles, aber auch alles in ihrem Land an einer Stelle, in einer Hand zusammenläuft. „Wir haben geglaubt, der Laden könne nur so in Gang gehalten werden. Immer waren es die Personen, die alles entschieden.“ Jetzt aber stellten die Kubaner plötzlich fest, dass es gar nicht nötig und vielleicht auch gar nicht gut sei, dass sich ein Fidel oder eben auch ein Raúl um alles kümmert. „Wir merken, dass es in Kuba funktionierende Institutionen gibt, die ihr Geschäft verstehen und die man einfach arbeiten lassen muss. Ohne die ständigen Kampagnen und ohne dass jedes geflickte Loch in der Straße als Sieg in der ‚Schlacht der Ideen‘ bejubelt wird.“ Der Übergang zur Nach-Fidel-Ära habe längst begonnen, „und das ist auch gut so.“

Gebete für den Kranken

Zu denen, die von dieser vermeintlichen neuen Ära nichts verspüren können, gehört der Dissident Osvaldo Payá. „Was wir erleben, ist keine Transition, sondern eine Sukzession – kein Übergang zu etwas anderem, sondern eine Nachfolgeregelung für jemanden, der dann das Gleiche tut wie Fidel Castro“, sagt er. Von der nachrückenden jüngeren Politiker-Generation erwartet er herzlich wenig: „Sie sind die Erben eines totalitären Systems“, sagt er. „Wenn es unter ihnen Gemäßigte geben sollte, dann verstecken sie es tief in ihrem Herzen.“ Payá hat im Schaukelstuhl im Patio seines Hauses im Stadtviertel Cerro Platz genommen. Ein hässliches rostbraunes Gitter überwölbt den gesamten Hof, doch Assoziationen an ein Gefängnis entstehen höchstens beim ausländischen Besucher. Wer die neunziger Jahre in Kuba miterlebt hat, die Welle von Wohnungseinbrüchen in dem bis dahin von Kriminalität weitgehend verschont gebliebenen Land, der weiß, wofür die Eisenverstrebungen gut sind.

Hoffnung auf Besserung, sagt Payá, gebe es erst, „wenn alle Kubaner erwachen in einem Prozess der Versöhnung und des Wandels“. Nach einem praktikablen politischen Aktionsplan klingt das nicht, doch das Seine hat der 54-Jährige allemal getan: Er war der Initiator des „Projekts Varela“, einer streng nach den Buchstaben der kubanischen Verfassung formulierten Petition für größere politische und wirtschaftliche Freiheiten auf der Insel und für eine Amnestierung der politischen Gefangenen. „25 000 Kubaner haben unterschrieben, jeder Einzelne wurde anschließend von der Staatssicherheit besucht und bedroht“, berichtet er. „Diese 25 000 könnte man als die wirkliche Avantgarde Kubas bezeichnen. Sie repräsentieren die Interessen und Wünsche derer, die aus Angst und Verzweiflung schweigen.“

Payá ist Katholik, seine Kraft bezieht er aus seinem Glauben. Auf Hilfe der Amtskirche – der einzigen staatsfernen Institution mit landesweiten Strukturen auf der Insel – kann er nur sehr begrenzt rechnen. Kardinal Jaime Ortega, Erzbischof von Havanna, hat in allen Kirchen für den kranken Präsidenten Gebete sprechen lassen. Ihre Wünsche für Veränderungen im Lande artikuliert die Kirche selbst, zu allen potenziell radikalen Dissidentengrüppchen wahrt sie sorgsam Abstand. In Vida Cristiana, dem Wochenblatt der Erzdiözese, reflektiert dessen Direktor Alberto García über die Frage Jesu aus dem Markus-Evangelium: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich sei?“, und wird sehr schnell direkt: „Jeder Messianismus, der sich vornimmt, ‚die Tortilla umzudrehen‘, ohne das Rezept zu verändern, bleibt stecken im Revanchismus“, schreibt er. „Es geht nicht darum, dass die bisherigen Gewinner jetzt verlieren und dass die Verlierer gewinnen. Wir -brauchen Spielregeln, nach denen alle gewinnen.“

Mit dem letzten Satz des Jesuitenpaters kann sich auch die durchaus atheistische Carmen anfreunden  – ihr Schwiegersohn hat im Frühjahr zwei Monate lang in Venezuela im Bildungswesen gearbeitet, und er hat außer ein wenig hartem Geld auch einige Anregungen mitgebracht. „Der Sozialismus, von dem Hugo Chávez spricht, hat viel Platz für Privateigentum. Vielleicht kann unsere Führung sich an dieser Stelle etwas von unserem neuen Verbündeten abgucken“, sagt Carmen. „Fidel wollte davon nie etwas hören, was Raúl wirklich denkt, wissen wir noch nicht. Wir müssen abwarten.“

Dass ein grundlegender Kurswechsel vorläufig nicht zu erwarten ist, darin sind sich Carmen, Teresa und die meisten ihrer Landsleute einig, und westliche Beobachter auf der Insel pflichten ihnen bei. Die Regierung agiert nach außen hin geschlossen, und sie hat das Land in jeder Beziehung unter Kontrolle. Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich: Das Nationaleinkommen erreichte 2005 erstmals wieder das Niveau von 1989 – dem letzten Jahr der „fetten Kühe“, wie die Kubaner die Zeit nennen, als noch die Sowjetunion und ihre Verbündeten die Insel mit allem Lebensnotwendigen versorgten –, und es wächst kräftig weiter. Der wiedergewählte venezolanische Präsident Chávez garantiert die Öl- und damit zugleich die Stromversorgung, China liefert Kühlschränke, Busse, Lokomotiven. Havanna gilt auch im Westen wieder als kreditwürdig. „Das Schlimmste ist vorbei“, urteilt Carmen.

Was seit 15 Jahren nicht mehr zutraf, heute gilt es wieder: Alles geht irgendwie seinen gewohnten Gang. Im Fernsehen fehlen zwar die regelmäßigen Auftritte Fidel Castros am Runden Tisch, doch die Telenovela kommt regelmäßig, und das ist für die meisten Kubaner allemal wichtiger. Der Comandante kommt in ihren Gesprächen nur dann noch vor, wenn gerade wieder ein Video von ihm in Pyjama oder Trainingsanzug herausgekommen ist. Oder eben ein neuer oder zumindest recycelter Witz. In einem von ihnen wird Pepito, der kubanische Zwillingsbruder des deutschen Klein-Fritzchen, gefragt, wo man Castro denn dereinst ein würdiges Grab bereiten solle. „Ganz egal, nur nicht in Jerusalem“, antwortet Pepito. „Sonst feiert er am dritten Tag Auferstehung!“

HINNERK BERLEKAMP, geb. 1963, ist seit 1990 außenpolitischer Redakteur bei der Berliner Zeitung. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit gehört Lateinamerika.

Bibliografische Angaben

Internationale Politik 1, Januar 2007, S. 97 - 105.

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