Online-Veröffentlichung

02. Juni 2026

Willkommen im MAGA-Land

US-Präsident Donald Trump ist ein Meister darin, Fußball, Eishockey oder Martial Arts für die eigenen Zwecke so lange zu instrumentalisieren, bis die Grenzen zwischen Sport und Politik verschwimmen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bietet ihm jetzt die Gelegenheit, seine Visionen in die Weltöffentlichkeit zu tragen.

Constantin Eckner
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Bild: FIFA-Präsident Infantino verleiht Tum den FIFA Friedens Preis
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Am 20. Januar 2025, dem ersten Tag von Donald Trumps zweiter Amtszeit, unterzeichnete der US-Präsident eine ganze Reihe von Executive Orders. Ein großer Moment für Trump und die Republikaner, wollte man doch so schnell wie möglich eine klare Abgrenzung zur Amtszeit von Joe Biden signalisieren. Den Tisch zum Unterzeichnen der Executive Orders platzierte Trump demonstrativ in der Capital One Arena, dem Zuhause des Eishockeyteams Washington Capitals und des Basketballteams Washington Wizards.
 

Testosteron trifft Konservatismus

Trump pflegt ein spezielles Verhältnis zum professionellen Sport in den Vereinigten Staaten. Bei wichtigen NASCAR-Rennen (Motorsport) oder Events der führenden Mixed-Martial-Arts-Liga „Ultimate Fighting Championship“ (UFC) ist er regelmäßig zugegen. Besonders die UFC hat es dem Präsidenten angetan; ihr Chef-Promoter Dana White hatte im Wahlkampf 2024 öffentlich für Trump geworben. 

Die Organisation kämpfte viele Jahre um Akzeptanz im Mainstream, als die Mixed Martial Arts in Teilen des Landes, speziell in New York, noch verboten waren. Mittlerweile macht sich in Amerika eine „Bro“-Kultur breit – Testosteron gepaart mit sozialem Konservatismus. Ein perfekter Ort für Trump, der besonders gern in der ersten Reihe bei Kämpfen sitzt, wenn er in Washington oder medial unter Beschuss gerät. Es ist eine Art Zuflucht bei Freunden, auf deren Jubel sich der 79-Jährige verlassen kann. 

Trumps Lieblingskämpfer ist Derrick Lewis, ein alternder Schwergewichtler mit begrenzten Fähigkeiten und eingeschränkter Mobilität, der jedoch eine derart hohe Schlagkraft hat, dass ihm oft bereits ein einziger Wirkungstreffer genügt, um seinen Gegner zu Fall zu bringen. Parallelen zum Wahlkämpfer Trump lassen sich erkennen.
 

Das FBI in der Umkleide

Auftritte von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs bei großen sportlichen Events sind nichts Außergewöhnliches. In Erinnerung bleiben Szenen wie der etwas ungelenke Jubel Angela Merkels bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland. Die meisten europäischen Spitzenpolitiker beschränken sich dabei auf solche Veranstaltungen, die eine besonders große soziale oder gesellschaftliche Bedeutung haben. All das ist nicht anrüchig, sondern Teil des politischen Geschäfts.

Donald Trump dagegen wildert mit seiner Verbindung zum Sport bereits in Territorien, die eher an so manchen Autokraten der Neuzeit erinnern. Er gibt nicht nur den Grußonkel, sondern nutzt die Plattform für seine Zwecke. Wenn Teams wie die US-Eishockey-Männernationalmannschaft oder der Fußballclub Inter Miami einen wichtigen Titel erringen, werden sie ins Weiße Haus eingeladen. Sie müssen dabei nicht nur einen Burger mit dem Präsidenten verzehren, sondern stehen auch als unfreiwillige Komparsen hinter Trump, wenn dieser eine simple Ansprache in eine politische Verlautbarung verwandelt. 

Ähnlich erging es kürzlich Fußballstar Lionel Messi und seinen Teamkollegen von Inter Miami, als Trump sie nach dem Gewinn des MLS Cup, der Meisterschaft der Major League Soccer, einlud und vor der Medienöffentlichkeit plötzlich eine Rede zu geopolitischen und militärischen Plänen wie einem möglichen Angriff auf Kuba hielt. Dass das Team von Miami stark lateinamerikanisch geprägt ist, machte die Angelegenheit umso skurriler.

Der Aufschrei war enorm, als Bilder in die Öffentlichkeit gelangten, wie FBI-Chef Kash Patel mit dem US-Eishockey-Team in der Kabine ausgelassen feierte

Und dabei waren Messi und Co. noch vergleichsweise gut davongekommen. Anders erging es der Eishockey-Nationalmannschaft. Der Aufschrei war enorm, als Bilder in die Öffentlichkeit gelangten, wie FBI-Chef Kash Patel mit dem Team nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Mailand in der Kabine ausgelassen feierte. Zur Ehrenrettung der Profisportler sei gesagt, dass es sicher nicht ganz so einfach ist, Donald Trump oder einem Angehörigen des Washingtoner Machtzirkels mitzuteilen, dass einem eine solche Situation unangenehm ist. Zudem ist auch mancher von ihnen bekennender Republikaner oder MAGA-Anhänger.
 

Visionen für Millionen

All diese Aktionen sind für Donald Trump zunächst einmal ein Mittel, um Wählerstimmen zu sammeln. Sich mit Helden vieler US-Amerikaner zu umgeben, kann dem Image eines Präsidenten nicht schaden. 

2026 ist für die USA aus politischer wie kultureller Sicht ein besonderes Jahr. Die Zwischenwahlen im Herbst könnten das Ende der Trump-Ära einläuten. Die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung von 1776 sind ein patriotischer Meilenstein. So findet Mitte Juni auf dem Südrasen des Weißen Hauses die sogenannte „White House Card“ der UFC statt (offiziell „UFC Freedom 250“), ein historisches Mixed-Martial-Arts-Großereignis und das erste professionelle Sportevent überhaupt, das direkt auf dem Gelände des Amtssitzes des US-Präsidenten ausgetragen wird. 

Und dann ist da eben noch die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Kanada und Mexiko sind Co-Ausrichter neben den Vereinigten Staaten, doch die meisten Stadien befinden sich in den USA. 
Investigativjournalist Karim Zidan, der zur Verbindung zwischen Trump und der UFC recherchiert, glaubt, dass der US-Präsident nicht einfach nur im Sinn hat, die Welt ins eigene Land einzuladen. „Man heißt sie in Donald Trumps MAGA-Amerika willkommen. Das ist ein großer Unterschied. Er möchte, dass die WM zeigt, dass Donald Trumps Vision für die Vereinigten Staaten die richtige Vision war und dass sich das Land in die richtige Richtung bewegt.“
 

Meister des sportpolitischen Spiels

Sollte die WM ein Erfolg für die Außendarstellung der USA werden, dann wäre es ein Beweis dafür, wie gut Trump das sportpolitische Spiel beherrscht. Manche Regierungschefs vor ihm haben den Sport entweder für innenpolitische Zwecke oder für die Außenpolitik genutzt. Das doppelte Spiel treiben nur wenige.

Eine der ersten politischen Figuren im europäischen Sport der Neuzeit war Silvio Berlusconi, der als umtriebiger Unternehmer und Präsident des italienischen Meisters AC Milan mit der neugegründeten Forza Italia 1994 erstmals in Regierungsverantwortung kam. Wenige Monate vor seiner Wahl hatte er einen gewissen Viktor Orbán auf dem Trainingsgelände der AC Milan zu Gast. Orbán war von Berlusconi als Persönlichkeit beeindruckt, und so entschied er sich nach seiner erneuten Wahl zum Ministerpräsidenten 2010 dazu, den ungarischen Fußballsport zu vereinnahmen. Zuletzt wurden alle großen Fußballklubs entweder von Fidesz-Figuren kontrolliert oder verfügten zumindest über enge Verknüpfungen zu Fidesz-nahen Unternehmen. Auch der türkische Präsident und frühere Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat jahrelang die großen Istanbuler Fußballteams gefördert, um sich als Mann des Volkes zu inszenieren.
 

Die FIFA und der Friedensfürst

Eine Weltmeisterschaft auszurichten, blieb diesen Politikern verwehrt. Trump hingegen hat nun abseits von UFC, NASCAR oder NFL die Chance, auf der Bühne des Sports seine Botschaften nach außen zu tragen. Fußball-Weltmeisterschaften sind seit jeher nicht nur eine Einnahmequelle für die örtliche Hotellerie- und Gastronomiebranche, sondern auch ein Werbevehikel. Die TV- und Sponsorengelder streicht der Weltverband FIFA zu 100 Prozent ein – der Umsatz soll dieses Jahr bei 11 Milliarden US-Dollar liegen.

Auch in der Vergangenheit gab es fragwürdige Weltmeisterschaften: Man erinnere sich an das Turnier 1978 im von einer Militärjunta regierten Argentinien oder an die jüngsten Turniere in Russland und Katar. Was Trump wie schon Wladimir Putin und auch den Führern des Emirats zugutekommt, ist die Bereitschaft der FIFA und speziell ihres Präsidenten Gianni Infantino, den jeweiligen Gastgebern immer wieder in jeder erdenklichen Weise entgegenzukommen. Eigene Prinzipien kann der 56-jährige Schweizer dabei nicht verraten – er hat sie schlicht nicht.

Als sich Donald Trump im vergangenen Jahr als Friedenspräsident zeigen wollte, aber den Friedensnobelpreis nicht erhielt, schuf die FIFA schnell einen eigenen Friedenspreis – und verlieh ihn Trump. Kein Wunder, dass dieser Friedenspreis innerhalb der weltweiten Fußballgemeinschaft für Kontroversen sorgte. Erst kürzlich forderte der Fußballverband Norwegens, angeführt von der Infantino-Gegnerin Lise Klaveness, dass der Preis verschwinden solle, weil der Weltverband damit gegen sein eigenes Gebot politischer Neutralität verstoße.

Zugleich könnte die FIFA aufgrund der aktuellen Einreisebeschränkungen der Vereinigten Staaten gegen das eigene Motto „Football unites the world“ verstoßen, denn einige der 48 teilnehmenden Nationen wurden in jüngerer Vergangenheit mit Beschränkungen belegt. Haiti, der Iran, die Elfenbeinküste und der Senegal stehen sogar auf der „Travel Ban“-Liste. Andere befinden sich auf der Visa-Pause-Liste, darunter Ägypten, Ghana und Jordanien. Wie eine Regelung für die US-Einreise von Fans der jeweiligen Nationalteams aussehen wird, ist noch unklar. 

Für Trump könnte es zum Problem werden, wenn Symbolpolitik auf reale Regularien trifft. Natürlich möchte er die USA als fortschrittlichstes Land der Welt präsentieren. Doch die Einreisebeschränkungen und der anhaltende Konflikt mit dem Iran könnten bis zum Turnierstart für negative Schlagzeilen sorgen. Auch die nicht nachlassenden Debatten um den öffentlichen Nahverkehr in den Austragungsorten oder die Finanzierung der notwendigen Sicherheitsarchitektur zeichnen nicht unbedingt das Bild eines Landes, in dem alles rund läuft und die MAGA-Ära Früchte trägt.

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Bibliografische Angaben

Internationale Politik, Online-Veröffentlichung, 02. Juni 2026

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Constantin Eckner ist Sportjournalist und arbeitet als freier Kommentator und Moderator u.a. für RTL, ZDF, DAZN und SPORT1. Er ist außerdem Autor für den Deutschlandfunk und The Times. 

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