Soll Deutschland in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik eine Führungsrolle einnehmen?
Zur Sache: Bundeskanzler Friedrich Merz hat schon vor Regierungsübernahme den Anspruch formuliert, dass Deutschland in der europäischen Politik eine Führungsrolle übernehmen solle. Deutschland solle sich von „einer schlafenden zu einer führenden Mittelmacht“ entwickeln, sagte Merz in einer außenpolitischen Grundsatzrede im Januar 2025.
Eine klare Mehrheit von 60 Prozent der befragten Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ist grundsätzlich der Meinung, dass Deutschland in der Außen- und Sicherheitspolitik eine Führungsrolle in Europa übernehmen sollte. 38 Prozent sprechen sich gegen eine solche Führungsrolle Deutschlands aus und nur 2 Prozent haben in dieser Frage keine Meinung – für außenpolitische Umfragen ein vergleichsweise geringer Wert.
Bemerkenswert ist die große Kohärenz des Meinungsbilds. Im Osten Deutschlands liegt der Anteil derjenigen, die meinen, Deutschland solle eine Führungsrolle einnehmen, mit 56 Prozent etwas unter dem Durchschnitt, im Westen leicht darüber (61 Prozent); Männer neigen etwas stärker zu der Meinung (66 Prozent) als Frauen (55 Prozent). Mit Blick auf die Alterskohorten ist die jüngste Gruppe (18- bis 29-Jährige) mit 65 Prozent überdurchschnittlich stark der Meinung, dass Deutschland eine führende Rolle spielen sollte. Bei den 30- bis 44-Jährigen und den Über-60-Jährigen liegt der Anteil etwas unter dem Durchschnitt (mit 55 beziehungsweise 57 Prozent), bei der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen entspricht er dem Durchschnittswert.
Mit Blick auf die parteipolitische Orientierung der Befragten fällt auf, dass allein die Wählerinnen und Wähler der AfD mehrheitlich der Meinung sind, dass Deutschland keine Führungsrolle in der Außen- und Sicherheitspolitik in Europa spielen sollte: 59 Prozent sind gegen eine solche Rolle, nur 40 Prozent dafür. Unter den Anhängern von CDU/CSU, SPD und Grünen liegt der Anteil derjenigen, die sie befürworten, mit 71, 70 und 67 Prozent über dem Durchschnitt.
Datenbasis: 1001 Befragte in Deutschland. Statistische Fehlertoleranz +/– 3 Prozentpunkte. Erhebungszeitraum 11. bis 12. Juni 2026. Quelle: Forsa
Internationale Politik 4, Mai/Juni 2026, S.5