IP Special

29. Dez. 2025

Krieg in einer postfaktischen Welt

Neben der physischen Front gab es in Gaza eine zweite, den Kampf um die Wahrheit. Eine Analyse der Strukturen und Wirkung von Propaganda – und wie man ihr begegnet.

Roman Beliavski
Guilherme Correia da Silva
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Bild: Eine Luftaufnahme zeigt die Trümmer eines Krankenhauses im Gazastreifen nach einer Explosion
Am 18. Oktober 2023 gab es eine verheerende Explosion im Al-Ahli-Krankenhaus. In Windeseile wurde Israel verantwortlich gemacht. Das stellte sich rasch als unwahr heraus – hängen blieb es aber trotzdem.
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Filmt weiter. Wir brauchen Videos!“ Während der Angriffe am 7. Oktober 2023 trugen Kämpfer der Hamas Smartphones und Bodycams bei sich, um die Morde an Israelis zu dokumentieren, Entführungen und Brandstiftungen. Ihr ausdrücklicher Befehl lautete zu filmen, sagt der Cyberterrorismus-Experte Gabriel Weimann. Wenn es um Medien geht, sei die Hamas eine der erfahrensten und raffiniertesten Terrororganisationen der Welt.

Seit ihrer Gründung unter Scheich Yassin macht sich die Hamas den Medien­apparat zunutze. Ende der 1990er Jahre passte sich ihre Führung auch an den Cyberspace an und nutzt ihn seither als Propaganda- und psychologische Waffe.

So wurden auch die Angriffe am 7. Oktober sorgfältig geplant. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Hamas allein schätzungsweise 1500 Kräfte, die sich auf Propaganda konzentrierten. In der Nacht zuvor aktivierten Hamas-Kämpfer laut Angaben der IDF Dutzende israelischer SIM-Karten – für eine stärkere Internetverbindung.

Während Terroristen über 1200 Menschen töteten und mehr als 200 ­entführten, wurden Videos von den Angriffen in Echtzeit an die Kommandozentralen in Gaza zurückgesendet. „Filmt weiter, schickt uns mehr Filme.“ Das Filmmaterial wurde schnell bearbeitet und auf Telegram und anderen Social-Media-Plattformen veröffentlicht – Plattformen, die, wie Weimann bemerkt, „niemand reguliert“.

Durch dieses ungeschützte Tor war es möglich, Israel mit ungefilterten Bildern zu erschüttern und schnell die palästinensische Öffentlichkeit und ein breiteres internationales Publikum zu erreichen. Die Videos präsentierten die Hamas als eine Kraft, die in der Lage ist, Israel anzugreifen; dabei instrumentalisierte die Gruppe jahrhundertealte Auseinandersetzungen über Territorium und Selbstverwaltung. Das markierte lediglich die erste Phase der Propagandakampagne der Hamas.

Die zweite Phase, so Weimann, umfasste die Verwendung von Geiselvideos als strategisches „Kapital“ in den Verhandlungen mit Israel, wobei eine Taktik wiederholt wurde, die 2011 für die Freilassung von mehr als tausend palästinensischen Gefangenen im Austausch gegen den ­israelischen Soldaten Gilad Shalit angewendet worden war.

Den Vorwurf des Völkermords gab es noch am  7. Oktober 2023 – an die Adresse Israels 

Was folgte, beschreibt Weimann als ein „Theater des Terrors“, das zugleich eine Botschaft von „Herrschaft“ und „Humanitarismus“ vermitteln sollte. Anfang 2025 wurden Geiseln in Gaza vorgeführt und mit Urkunden und anderen „Souvenirs“ ihrer Gefangenschaft präsentiert. Am 20. Fe­bruar inszenierte die Hamas in Khan Yunis die Ausstellung von vier schwarzen Särgen, in denen sich laut Angaben der Gruppe die Überreste von vier Geiseln befanden, darunter Shiri Bibas und ihre beiden kleinen Söhne. Hamas-Mitglieder, erkennbar an ihren charakteristischen grünen Stirnbändern, hielten mit automatischen Waffen Wache, während im Hintergrund Musik erklang und Kinder zuschauten. Monate später organisierte die Hamas vor der Freilassung der letzten lebenden Geiseln Videotelefonate. In einem dieser Gespräche befahl ein vermummter Terrorist: „In den Nachrichten verwenden!“

Nach den Attacken vom 7. Oktober griff der Kampf um Deutungshoheit weiter aus. Die Bloggerin Ella Kenan berichtet, dass in den sozialen Medien falsche Behauptungen binnen weniger Minuten kursierten, Israel habe Gaza gestürmt; bald darauf folgten Vorwürfe des Völkermords. „Die Darstellung, Israel begehe Völkermord, entstand bereits, als die Israelis noch um ihr Leben kämpften“, erzählt sie. „Zwei meiner Freunde wurden für tot erklärt. Krankenhäuser suchten nach ­Blutspenden, ich ging hin. Währenddessen formten andere bereits die Erzählung.“ Kenan beschloss, sich dagegen zu wehren und in den sozialen Medien eine andere Geschichte zu erzählen. Am Tag nach dem 7. Oktober kam Kenan auf den Slogan „Hamas ist ISIS“. Ihr Ziel, so erzählt sie uns, war es, einem westlichen Publikum durch die vertraute Darstellung einer anderen Terrororganisation die Dimension der fundamentalen Bedrohung zu vermitteln, der Israel ausgesetzt ist. Innerhalb weniger Tage verbreitete sich der Satz viral.

Es gab eine Debatte über die Richtigkeit des Vergleichs; ob er nun präzise war oder nicht, „wichtig ist, dass die Leute darüber reden“, sagt Kenan. Der Vergleich wurde von politischen Führern weltweit aufgegriffen, darunter auch US-Präsident Joe Biden. Noch bedeutsamer sei, so Kenan, dass dieser Satz die Hamas dazu bewogen habe, ihre Drohung zurückzuzunehmen, die Hinrichtungen von Geiseln live zu übertragen, so wie es einst ISIS getan hatte. Zugleich hat die Hamas einige der Geiseln freigelassen. „Sie haben sie an die Grenze gebracht, um zu zeigen, wie human sie seien“, sagt Kenan – die Hamas berief sich auf „humanitäre Gründe“, um am 20. Oktober 2023 zwei Frauen freizulassen, und fügte hinzu, dass sie damit beweisen wolle, dass Präsident Biden Unrecht habe.


Wider die Wissensvergiftung

Im Rahmen ihrer Gegenpropaganda-Bemühungen gründete Kenan eine Organisation zur Bekämpfung dessen, was sie als „Wissensvergiftung“ bezeichnet, indem sie Desinformation aufdeckt und das, was sie als Manipulation von Informationen im Cyberspace ansieht, einschließlich Wikipedia. „Das Besondere an dieser Zeit“, sagt sie, „ist, dass es weniger Ankerpunkte der Wahrheit gibt, also vereinbarte Fakten, auf denen eine Diskussion aufbauen kann.“ Kenan sieht diese Kriegsfront, den Kampf um die Wahrheit, als eine Herausforderung für demokratische Gesellschaften weltweit, nicht nur für Israel. „Als Juden sind wir in der Regel die ersten Opfer, der Kanarienvogel in der Kohlengrube, aber wir werden nicht die letzten sein.“ 


Extreme Polarisierung

Der Krieg in Gaza hat die Welt wie kaum ein anderer polarisiert. Influencer, Politiker und NGOs lieferten sich emotionale Auseinandersetzungen darüber, was rechtmäßig oder unrechtmäßig, gerecht oder ungerecht, liberal oder illiberal sei. In den Medien, auf den Straßen, an den Universitäten wurden Barrikaden errichtet, die die Spaltung zwischen einem proisraelischen und einem propalästinensischen Lager zementierten. In sozialen Netzwerken, sagt der Kommunikationswissenschaftler Marcus Bösch, haben alle Seiten „fast alles genutzt, von KI-Tools bis hin zu Trends und Memes“. Verschiedene Informationsströme ergossen sich in die Flut der öffentlichen Debatte. Propaganda, falsche Angaben und Desinformation vermischten sich mit der Wahrheit und verwischten die Grenze zwischen Fakten und Fiktion. So funktioniert der Informationskrieg in einer postfaktischen Welt.

Angesichts einer solchen Unübersichtlichkeit waren viele unsicher, was sie überhaupt glauben sollten. Laut Bösch hatten die Konfliktparteien auch „wenig Interesse daran, objektivierbare Fakten zu kommunizieren“; ihr Ziel bestand vielmehr darin, von der eigenen Erzählung zu überzeugen.

Die Forschung sagt, der Gazakrieg habe die  Post-Wahrheits-Ära end-
gültig besiegelt  

Seit dem ersten Tag des Krieges gab es hetzerische Äußerungen von Mitgliedern des Kabinetts von Premierminister Netanjahu: Es wurde die „vollständige Zerstörung“ des Gazastreifens gefordert oder dazu aufgerufen, „nur Sprengstoff“ und „kein einziges Gramm“ Hilfsgüter zu schicken. Solche Äußerungen überlagerten die Bilder von Zerstörung und Leid, die die Fernseh- und Handybildschirme füllten, und befeuerten die internationale Verurteilung. „Es entstand der Eindruck, dass das Land von rücksichtslosen Politikern regiert wird, die keine Verantwortung übernehmen und nur ein paar Klicks in den sozialen Medien suchen, um ihre Basis zufrieden zu stellen“, sagt Peter Lerner, ehemaliger Sprecher der israelischen Streitkräfte für ausländische Medien. Das habe zwar keinen Einfluss auf die tatsächliche Politik, aber es habe Israels internationales Ansehen geschädigt, fügt er hinzu. Die Tatsache, dass verschiedene Stellen für die Krisenkommunikation des Landes zuständig sind, habe die Angelegenheit nur noch komplizierter gemacht: „Das größte Problem, mit dem Israel am 7. Oktober konfrontiert war, war nicht ein Mangel an Kommunikationsfachleuten, sondern die Fragmentierung und das Fehlen einer einheitlichen Botschaft.“

Persönlich habe er in diesem Krieg vor einer anderen Herausforderung gestanden: „Als ich 2014 im Namen der IDF kommunizierte, hatte ich nie das Gefühl, dass die Medien meine Aussagen grundlegend anzweifelten. Aber dieses Mal war das anders.“ Er erinnert sich auch an die erste Frage, die Journalisten dem Chef­sprecher Daniel Hagari nach der Explosion im Al-Ahli-Krankenhaus im Oktober 2023 stellten: „Warum sollten wir Ihnen glauben?“

Frühe Berichte behaupteten, eine israelische Rakete habe die Explosion verursacht und über 500 Menschen getötet. Mehrere Medien verbreiteten die Geschichte schnell. Die IDF wiesen die Anschuldigung später zurück und erklärten, die Rakete sei vom Islamischen Dschihad abgefeuert worden. Nur – deutlich weniger Menschen hätten diese Entwicklungen noch verfolgt, beobachtete Pascal Siggelkow vom ARD-Faktenfinder. Er führt diesen Fall als Warnung vor den Gefahren eines zu schnellen Nachrichtenzyklus an. Die Jagd nach Schnelligkeit kann der journalistischen Sorgfalt im Wege stehen.

„Es ist wichtig, manchmal klar zu sagen, dass wir es einfach nicht wissen“, betont Siggelkow. Er sagt, dass es im Gaza­krieg schwierig gewesen sei, Informationen unabhängig zu überprüfen, unter anderem, weil nur wenige Medienvertreter nach Gaza gelassen wurden. Auch glaubwürdige Quellen wurden rar: Selbst bekannte Organisationen, darunter UN-Gremien, wurden der Voreingenommenheit bezichtigt. 

Siggelkow verweist auf ein weiteres Beispiel: die Meldungen Anfang 2025 über die Tötung von 15 Helfern in Gaza. Die IDF erklärten zunächst, die Personen seien ­wegen einer verdächtigen Annäherung ihres Sanitätskonvois erschossen worden. Videoaufnahmen widersprachen dagegen der Version der IDF. Die IDF räumten später „professionelle Fehler“ bei diesem Vorfall ein, bestritten jedoch jegliche Tötungsabsichten und warfen einigen Opfern mög­liche Verbindungen zur Hamas vor. 

Inmitten des Informationschaos startete die Hamas die letzte international ausgerichtete Phase ihrer Propagandakampagne: „Fotografen und Mitarbeiter der Hamas haben Bilder von der Zerstörung in Gaza gemacht. Einige sind verzerrt, andere falsch“, sagt Weimann. Allerdings sei Propaganda am wirksamsten, wenn sie einen Funken Wahrheit enthält, fügt er hinzu. Die Verwüstung und die sich verschlechternde humanitäre Lage in Gaza waren offensichtlich: „Palästinenser wurden Opfer, manchmal auf brutale Weise. Es gibt viele unschuldige Opfer.“

„Manchmal ist es wichtig zu sagen, dass man nicht genau weiß, welche Information denn nun stimmt“

Daraufhin veränderte Deutschland seinen Kurs gegenüber Israel. Im Mai 2025 sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass die militärischen Aktionen Israels unbegreiflich seien. Im August stellte Deutschland aufgrund der geplanten Verstärkung der Militäroperation neue Exporte von Militärgütern ein, die in Gaza eingesetzt werden könnten. Die CDU warnte in einem Positionspapier, eine Eskalation könne die sozialen Spannungen in Europa verschärfen, was im Rahmen der deutschen Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel vermieden werden müsse.

Lea Reisner, Sprecherin der Linkspartei für internationale Beziehungen, forderte einen vollständigen Stopp der Lieferungen: „Die Bundesregierung hat keine Garantie, dass die Waffen in Israel nicht für Verbrechen gegen das Völkerrecht oder Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden.“ Reisner nimmt aktiv an propalästinensischen Demonstrationen in Deutschland teil und hat in den sozialen Medien und im Bundestag den Begriff „Völkermord“ verwendet, um Israels Vorgehen im Gazastreifen zu beschreiben. „Ich verwende dieses Wort, meine Partei nicht“, erklärt sie im Gespräch. „Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung, aber die Zahl der getöteten Zivilisten ist absolut nicht zu rechtfertigen.“ Die Linke scheint bei Waffenexporten nach Israel keinen erkennbaren Unterschied zwischen Offensiv- und Defensivausrüstung zu machen. 

Für den CDU-Politiker Roderich Kiesewetter war die Aussetzung neuer Waffenlieferungen an Israel ein schwerwiegender Fehler. Er sieht die Solidarität zu Israel als Grundpfeiler der Christdemokratie und wirft Bundeskanzler Merz vor, das Erbe von Konrad Adenauer und Angela Merkel aufs Spiel zu setzen. 


Moral und Strategie

Über die Solidarität mit Israel nach dem 7. Oktober hinaus sei die Zusammenarbeit sowohl eine historische moralische Verpflichtung als auch eine Frage von strategischer Bedeutung: „Wenn wir weiterhin Partner haben wollen, die uns bei der Unterstützung unserer Nachrichtendienste helfen, und wenn wir in der Cyberabwehr und anderen modernen Technologien auf der Höhe der Zeit bleiben wollen, wären wir mit dem Klammerbeutel gepudert, emotionalen Stimmungen nachzugeben.“

Kiesewetter sagt im Gespräch, er sei in der Vergangenheit innerhalb seiner eigenen Partei als „Kriegstreiber“ bezeichnet worden, auch als er sich während der Wahlen in Ostdeutschland für eine stärkere militärische Unterstützung der Ukraine einsetzte. Er glaubt, es gebe eine verbreitete „Angst“ davor, eine klarere Haltung zu beziehen. 

Dennoch betont der CDU-Politiker die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Israel, insbesondere da eine „Koalition“ autokratischer Staaten konventionelle und kognitive Kriegsführung betreibe, um die regelbasierte Ordnung zu untergraben. Dabei verweist er auf die internationalen Bemühungen, das Land als demokratischen Rechtsstaat zu diskreditieren. Freundschaft mit Israel bedeute jedoch auch, sich mit den Verbrechen extremistischer Siedler im Westjordanland aus­einanderzusetzen, fügt Kiesewetter hinzu.


Drei Erkenntnisse

Der israelische Oppositionsführer Yair ­Lapid warnte im Oktober 2025, die Kritiker auf den Straßen und an den Universitäten seien getäuscht worden: „Propaganda­experten, finanziert mit Terrorgeldern, haben euch manipuliert.“ Es gebe keinen Völkermord; die Hamas verschleiere ihren Terror mit liberaler Rhetorik. Sie war gut vorbereitet auf den Informationskrieg und erkannte dabei die systemischen Schwächen ihres Gegners.

Betonen Regierungen die Sprache des Rechts zu sehr, erreichen sie die öffentliche Meinung nicht; Gefühle dürfen nicht zu wenig ­angesprochen werden

Der Kommunikationsexperte Weimann plädiert dafür, daraus Lehren zu ziehen. Eine klare politische Vision und ein komplexes Arsenal an offensiven und defensiven Maßnahmen würden unerlässlich sein, um Propaganda in künftigen Konflikten zu bekämpfen. Weimann findet, dass Staaten in technologische Lösungen gegen die Verbreitung von Hassbotschaften und in Instrumente zur Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit investieren sollten. Die Bürger, fügt Weimann hinzu, müssten durch Vorwarnungen und Aufklärung gegen Manipulation „geimpft“ werden.

Auf politischer Ebene, so der ehemalige IDF-Sprecher Peter Lerner, bestehe die größte Herausforderung in einer Krise jedoch darin, sie überhaupt zu erkennen: „Man braucht Instrumente, um zu beurteilen, wo man bei der Vermittlung seiner Botschaft versagt und um seinen Kurs neu ausrichten zu können“, sagt Lerner. Er warnt davor, Gefühle zu wenig und eine Sprache des Rechts zu sehr zu betonen; letztere erreiche die öffentliche Meinung nicht.


Vorbild Ukraine?

Propaganda ist „eine schlechte Idee“, da es sich um einen einseitigen Prozess handelt, der „die Möglichkeit eines Dia­logs ausschließt“, sagt der Historiker und Kommunikationsexperte Nicholas J. Cull. Er fordert eine Veränderung in der Art und Weise, wie Staaten, darunter auch Israel, mit ihrem internationalen Image umgehen. Taten – nicht nur Worte – seien der Schlüssel zur langfristigen Reputationssicherheit eines Landes, indem man auf ausländische Kritik höre und grundlegende politische Veränderungen vornehme. Schon vor diesem Krieg habe Israel im Ausland einen angeschlagenen Ruf gehabt, bemerkt Cull. „Die Menschen betrachten das Land als einen Ort des Konflikts, und in gewisser Weise ist das unfair. Aber genau das muss Israel überwinden.“ 

Der Historiker verweist auf die Ukraine als Beispiel dafür, wie ein Land mit einem gepflegten Ruf eine Krise überstehen könne, indem es die Hilfe seiner Verbündeten mobilisiert, anstatt sie zu vertreiben. Dies zeige, dass der Ruf nicht mehr eine Nebenrolle für die Sicherheit spielt: Er bedeutet Sicherheit, insbesondere in einer post­faktischen Welt.


Übertragen aus dem Englischen von M. Bialecki    

Bibliografische Angaben

Internationale Politik Special 2, Januar 2026, S. 18-23

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Themen und Regionen

Roman Beliavski studiert im Master Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten Osteuropa und Nahost.

Guilherme Correia da Silva ist Journalist und Redakteur. Derzeit ist er bei der Deutschen Welle stellv. Leiter der Abteilung „Portugiesisch für Afrika“.