IP Special

29. Dez. 2025

Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge

Desinformation im Krieg zwischen der Hamas und Israel hat global den Diskurs vergiftet. Zentraler Hebel: Social Media und traditionelle Nachrichten.

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Bild: Hilfsgüter werden mit Fallschirmen über dem Gazastreifen abgeworfen
Was zeigt ein Bild, was kann man glauben? Auf dem Foto sind am 7. August 2025 abgeworfene Hilfslieferungen bei Rafah zu sehen – verfälschend interpretiert werden könnte es aber auch ganz anders.
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Der Krieg zwischen der Hamas und Israel im Gazastreifen war auch ein Krieg der Bilder, Narrative und Zahlen. Vor dem globalen Gericht der öffentlichen Meinung suchen die Anhänger beider Seiten nach moralischer Legitimität. Dies zeigt sich besonders deutlich in den sozialen Medien, wo die Grenze zwischen Fehlinformationen und Desinformation zunehmend verschwimmt – manchmal sogar absichtlich verwischt wird: Ersteres findet nämlich nicht vorsätzlich statt, während es bei Letzterem um eine absichtliche Manipulation durch die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten geht. Ideologische Voreingenommenheit motiviert viele dazu, unbestätigte oder fiktive Behauptungen zu verbreiten, um ihre politischen Ziele voranzutreiben. Ungenaue Berichterstattung wird von Kanälen und Accounts mit politischer Agenda absichtlich verstärkt. Und oft lauern antisemitisch gefärbte Verschwörungsnarrative direkt unter der Oberfläche.

Die Gefahren sind immens: Gefälschte Fotos und falsche Statistiken können eine Welle der Empörung im Internet auslösen, die die Nutzer sozialer Medien emotionalisiert und radikalisiert, sodass sie in einem hitzigen Konflikt kompromisslose Posi­tionen einnehmen. Gleichzeitig werden Behauptungen über Desinformation von beiden Seiten genutzt, um die sehr realen Fakten vor Ort in Gaza zu diskreditieren. „Das eigentliche Ziel der Verbreitung von Desinformation ist es, Sie an einen Punkt zu bringen, an dem Sie nichts mehr glauben oder vertrauen“, erklärt Tal Hagin, ein unabhängiger Desinformationsforscher, der zuvor mit der israelischen Faktenprüfungs-Plattform FakeReporter zusammengearbeitet hat, in einem Interview. „Das Ziel ist, dass Sie glauben, es gäbe keine Wahrheit oder objektive Realitäten.“ Im Krieg zwischen der Hamas und Israel war dies mehr und mehr der Fall.

Traditionelle Nachrichten und soziale Medien spielen dabei eine Schlüsselrolle. „Es gibt eine Überflutung an Informationen, die durch das gesamte Medienöko­system fließen und ihren Ursprung in den sozialen Medien haben“, sagt Peter Lerner, ein pensionierter Oberstleutnant, der während der ersten anderthalb Jahre des Krieges als Sprecher der israelischen Streitkräfte für ausländische Medien tätig war, in einem Interview. „Und dann versuchen die Menschen verzweifelt herauszufinden, was tatsächlich passiert ist, ob etwas real ist oder nicht.“ Soziale Medien seien notorisch ungeduldig, sagt Lerner. „Früher sprachen wir von der goldenen Stunde, um auf eine Behauptung oder einen sich entwickelnden Vorfall zu reagieren. Jetzt haben wir nur noch Minuten Zeit, um relevant zu sein.“

Die folgende Analyse untersucht ausgewählte Fälle von Fehlinformationen und Desinformation im Krieg zwischen der Hamas und Israel. Sie zeigt die feine Grenze zwischen schlampiger Berichterstattung und vorsätzlicher Manipulation in einem sich schnell entwickelnden Kriegsgebiet, zu dem Israel internationalen Journalisten den Zugang verwehrt hat, und in dem die Hamas nach wie vor erhebliche Kontrolle über den Informationsfluss hat.


False Flags

Verschwörungserzählungen grassierten seit dem ersten Tag des Krieges. Der 7. Oktober 2023 selbst, an dem die palästinensische Terrororganisation einen Angriff führte, bei dem etwa 1200 Menschen in Israel, überwiegend Zivilisten, getötet und weitere 250 nach Gaza entführt wurden, wird von einer wachsenden Zahl von „Truthers“ auf Social-Media-Plattformen wie Telegram, TikTok und Reddit als „­False Flag“-Operation abgetan. Anhänger dieser Verschwörungstheorie behaupten, dass Israel hinter dem Massaker stecke, um einen Völkermord in Gaza zu ­verüben. Diese Behauptungen finden zwar bei antisemitischen, den Holocaust leugnenden Rechtsextremen Anklang, werden aber ­zunehmend auch von Personen verbreitet, die sich selbst als politisch links ­einordnen.

Ein Beispiel dafür ist Roger Waters. Einen Monat nach dem Angriff spekulierte das ehemalige Mitglied von Pink Floyd in einem Interview, dass der von der Hamas angeführte Angriff eine „False-Flag-Operation“ sein könnte, und verglich ihn mit dem 11. September 2001, indem er sagte, es sei unmöglich zu wissen, was „tatsächlich passiert“ sei. In einem weiteren Interview im Juli 2024 behauptete Waters fälschlicherweise, die israelische Regierung habe den Angriff absichtlich zugelassen.

Waters ist keineswegs allein. Die linksradikale Desinformationswebsite The Grayzone veröffentlichte drei Wochen nach dem Angriff einen Artikel, in dem der Autor behauptete, Israel sei für viele, wenn nicht sogar für die meisten israelischen Opfer am 7. Oktober verantwortlich. Ähn­liche Behauptungen wurden am ersten Jahrestag des Angriffs vom anti­israelischen Blog Electronic Intifada in einem Artikel mit dem Titel „Wie Israel am 7. Oktober Hunderte seiner eigenen Bürger tötete“ veröffentlicht.

Ein Beispiel ist die Behauptung von Mohammed Hamad, einem Arzt aus Gaza, vom August 2025, dass Israel einen „biologischen Krieg“ mit krebserregenden Mykotoxinen führe, die angeblich in Bohnen und Hülsenfrüchten gefunden wurden, die im Rahmen humanitärer Hilfe geliefert wurden. Als „Beweis“ lud Hamad ein Foto von schimmligen Erdnusskernen hoch, das laut einer detaillierten Bildersuche 2008 in Mosambik aufgenommen wurde. Hamads Beitrag wurde fast 700 000 Mal auf X angesehen und vom Hamas-nahen Quds News Network aufgegriffen.

Ähnliche, unbestätigte Anschuldigungen aus dem Juni 2025, die vom Hamas-­geführten Regierungsmedienbüro in Gaza stammen, beschuldigten Israel, das Opioid Oxycodon in Mehlsäcke zu mischen, die in den Küstenstreifen gelangen, um „die palästinensische Gesellschaft von innen heraus zu zerstören“. Diese Behauptungen wurden von Anadolu und TRT verbreitet, zwei staatlichen türkischen Nachrichtenagenturen. „Ich bezweifle, dass die westlichen Medien darüber berichten werden!“, schrieb ein Nutzer auf Facebook. Ein anderer sagte in Anspielung auf Hitler: „Der Mann mit dem Schnurrbart hatte zu 100 Prozent Recht mit ihnen.“

Oft sehr drastische Bilder spielen eine wichtige Rolle dabei, die öffentliche Wahrnehmung des Krieges in Gaza zu prägen, und überschwemmen die Timelines der sozialen Medien. „Wir sind näher am Schlachtfeld als je zuvor“, erklärt Tal Hagin. „Bilder spielen heute eine sehr große Rolle bei der Verbreitung von Desinfor­mation, und sie können unsere Emotionen auf eine Weise ansprechen, wie es Worte nicht können – das erleichtert die Verbreitung von Desinformation.“

Echt oder KI-generiert: Der Kampf um die Echtheit von Bildern wird online ausgetragen

Viele erschütternde Bilder aus Gaza, die Leid, Hunger und Tod zeigen, sind authentisch. Einige jedoch nicht. KI-generierte Bilder werden häufig als echt präsentiert. Fotos aus anderen Konflikten oder Situationen werden fälschlicherweise Gaza zugeschrieben. Gleichzeitig werden echte Fotos als KI abgetan. Das Ergebnis ist ein online ausgetragener Kampf um die Echtheit von Bildern. „Wir leben in einem postfaktischen Zeitalter der KI und Deepfakes, und die Algorithmen der sozialen Medien untergraben die Wahrheit in jeder Hinsicht“, sagt Oren Persico, ein israelischer Journalist und Medienanalyst der Web­site The Seventh Eye. „Das Vertrauen in die Nachrichtenmedien ist stark gesunken“, sagt Persico in einem Interview, „und die Medienorganisationen sind zunehmend agendaorientiert geworden.“

Ein Beispiel für Fehlinformation ist ein Foto von Mariam Dawwas, einem stark abgemagerten neunjährigen Mädchen in Gaza, das nur zehn Kilogramm wiegt und im August 2025 vom AFP-Fotografen Omar al-Qattaa aufgenommen wurde. Laut der Fotodatenbank der AFP hatte das Mädchen „keine bekannte Krankheit“. Internationale Medien haben dieses Foto als Symbol für die Ernährungskrise in Gaza veröffentlicht. Der britische Blogger David Collier konnte jedoch die Krankenakte des Mädchens einsehen: Sie litt tatsächlich an einer bereits zuvor bestehenden, aber nicht bekanntgegebenen Verdauungsstörung namens „intestinale Malabsorption“, was ihre extreme Auszehrung erklärte. Gleichzeitig behauptete Grok – die in X integrierte KI – fälschlicherweise und wiederholt, dass ein Foto von Mariam Dawwas tatsächlich vor sieben Jahren im Jemen aufgenommen worden sei.

Dies ist keineswegs ein Einzelfall. Ein Foto des nur anderthalb Jahre alten Mohammed Zakaria al-Mutawaq wurde im Juli 2025 von zahlreichen internationalen Medien veröffentlicht. Die ZEIT veröffentlichte das Foto, das seinen skelettartigen Körper zeigt, mit der Überschrift „So sieht Hunger aus“, ohne zu erwähnen, dass er an mehreren Vorerkrankungen leidet, die seine Muskelentwicklung beeinträchtigen, darunter Zerebralparese. Zahlreiche Medien, darunter Die ZEIT und die New York Times, ergänzten ihre Berichterstattung später aufgrund der weit verbreiteten Kritik um diesen fehlenden Kontext. Die Boulevardzeitung Bild hingegen stellte in einem Artikel vom August 2025 mit dem Titel „Dieser Gaza-Fotograf inszeniert Hamas-Propaganda“ die Bilder aus Gaza weiter infrage. Bild behauptete, dass ein Foto, das den Fotografen Anas Zayed Fteiha beim Fotografieren von Menschen in Gaza zeigt, die mit Kochtöpfen an einer Lebensmittelverteilungsstelle warten, beweise, dass solche Szenen gefälscht seien – eine selektive Interpretation, die zwischen Fehl- und Desinformation changiert. Der Artikel wurde von staatlichen israelischen Social-Media-Konten aufgegriffen, wobei eines ihn als „Pallywood“ bezeichnete, das dazu diene, „die Weltöffentlichkeit zu manipulieren“. FakeReporter und der ­Spiegel widerlegten Bild und bewiesen, dass Fteiha tatsächlich Fotos in einer aktiven Feldküche aufgenommen hatte.


Vertrauen wird untergraben

Das Ergebnis ist ein dreifaches: Erstens wird durch das Weglassen wichtiger Kontextinformationen wie bereits bestehender Erkrankungen die sehr reale, weit verbreitete Ernährungskrise in Gaza unter den Nutzern sozialer Medien in Zweifel gezogen. Zweitens lenken hitzige Diskussionen über die genannten Krankheiten von der Tatsache ab, dass Hunger solche Krankheiten erheblich verschlimmert. Und drittens wird das Vertrauen in traditionelle Medien untergraben, da einige Nutzer sozialer Medien das Gefühl haben, sie könnten den Bildern aus Gaza nicht mehr glauben.

Einige Fotos, die in den sozialen Medien kursieren, stammen gar nicht aus Gaza. Im Februar 2024 veröffentlichte der offi­zielle X-Account des Staates Israel eine Aufschlüsselung der humanitären Hilfe, die angeblich in den Gazastreifen gelangte, nachdem es weit verbreitete Kritik gegeben hatte, dass nicht genug getan werde. Der inzwischen gelöschte Beitrag war mit einem Foto versehen, das angeblich ein Zeltlager mit Hilfsgütern in Gaza zeigte. Eine Bildersuche ergab, dass das Foto nicht aus Gaza stammt, sondern aus einem Video eines Flüchtlingslagers in Moldawien für Menschen, die 2022 vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. Persico spricht von einer israelischen „Kampagne“, die „unerlässlich ist, um den Glauben aufrechtzuerhalten, dass die israelische Armee keine Kriegsverbrechen in Gaza begeht, und um die öffentliche Unterstützung für den Krieg aufrechtzuerhalten“.


Leiden als Statistik

Zahlen aus Gaza können genauso emotionalisieren wie Bilder. Am 18. September 2025 teilte ein selbsternannter „Aktivist gegen digitale Desinformation“ aus Ma­drid mit über 180 000 Followern ein Video von Francesca Albanese auf X, in dem die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Menschenrechtslage in den palästinensischen Gebieten von möglicherweise 680 000 Todesfällen in Gaza sprach, darunter angeblich 380 000 Kinder unter fünf Jahren, und hinzufügte, dass „es schwierig sein würde, diese Zahl zu beweisen oder zu widerlegen“. Der Aktivist nutzte diese Behauptung als Beweis dafür, dass Israel einen „Völkermord“ begeht. 

Es ist unmöglich, dass diese Behauptung wahr ist. Die UNRWA schätzt, dass es in Gaza insgesamt nur 320 000 Kinder unter fünf Jahren gibt. Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium, das nicht zwischen Kombattanten und Zivilisten unterscheidet, beziffert die Gesamtzahl der Todesfälle seit Kriegsbeginn in allen Altersgruppen bis September 2025 auf 65 000, davon 18 400 unter 18 Jahren. Dieser Fall grenzt an Desinformation, da eine UN-Sonderberichterstatterin zuständig für Gaza all das wissen müsste. Albanese reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Falsche Daten, Mengen und Orte: Zahlen aus Gaza können genauso emotionalisieren wie Bilder

Im Mai 2025 machte ein hochrangiger humanitärer Vertreter der Vereinten Nationen im BBC Radio 4 eine noch dramatischere Aussage: 14 000 Babys in Gaza würden innerhalb der nächsten 48 Stunden sterben, wenn sie nicht sofort Hilfe erhielten. Dies wurde von den internationalen Medien ausführlich berichtet und in den sozialen Medien geteilt, bevor die BBC das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten um Klarstellung bat, das etwas anders formulierte, dass nämlich 14 000 „schwere Fälle von akuter Unterernährung“ im Laufe eines Jahres zu erwarten seien. Die anschließende Korrektur durch die BBC hatte kaum Auswirkungen. Der Chef-Auslandskorrespondent der Sunday Times schrieb auf X in einem Beitrag, der über 215 000 Mal angesehen wurde und auch Monate später noch nicht gelöscht oder geändert wurde: „Wie konnte die Welt das zulassen?“ Humza Yousaf, der ehemalige Erste Minister von Schottland, schrieb in einem Beitrag, der über 400 000 Mal angesehen wurde und ebenfalls nicht gelöscht wurde: „Handeln Sie ... Tun Sie etwas. Das Leben von 14 000 Babys hängt davon ab.“ Ein Nutzer schrieb: „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um Israel davon abzuhalten, solche Gräuel­taten zu begehen.“ Diese Behauptung ist bis heute auf der BBC-Website zu finden.

Dramatisierte Erzählungen, Angaben und Bilder  erzeugen bei den Nutzern ­sozialer Medien ein ­
Gefühl der Dringlichkeit,  das hoch emotionalisiert

Ein weiteres Beispiel: Im Juni 2025 schrieb der offizielle Account der palästinensischen Vertretung bei den Vereinten Nationen auf X: „Eine mit Harvard in Verbindung stehende Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Israel fast 400 000 Palästinenser in Gaza ‚verschwinden‘ ließ, die Hälfte davon Kinder“, und verlinkte dabei auf einen Artikel des libanesischen Online-Magazins The Cradle. Der Artikel wurde inzwischen gelöscht, aber der Beitrag der palästinensischen UN-Mission auf X, der mehr als 46 000 Mal aufgerufen wurde, nicht. Die Behauptung, die sich schnell viral verbreitete, basiert nicht auf einer Harvard-Studie, sondern auf einer Vorabveröffentlichung, die in Harvards Dataverse, einem Archiv, hochgeladen wurde und in der keine Erwähnung von etwa 400 000 Palästinensern zu finden ist, die angeblich verschwunden sind. Die palästinensische UN-Mission ließ eine Anfrage um Stellungnahme unbeantwortet.

Ein Angriff unter falscher Flagge am 7. Oktober, mit Opioiden versetztes Mehl, eine inszenierte Hungersnot und 14 000 Babys, die unmittelbar vom Tod bedroht sind – dramatisierte Erzählungen, Zahlen und Bilder erzeugen bei den Nutzern ­sozialer Medien ein Gefühl der Dringlichkeit, das sie sowohl hoch emotionalisiert als auch zu drastischen Handlungen animiert. Diese Fälle zeigen aber auch das Wechselspiel zwischen Fehlinformation, Desinformation und Verschwörungsmythos: Oft ist eine böswillige Absicht der Manipulation schwierig nachzuweisen, denn viele Social-Media-Nutzer halten aufgrund ideologischer Überzeugung die betreffenden Aussagen tatsächlich für richtig, während sie andere mit einer klaren Agenda bewusst verstärken.


Emotionale Radikalisierung

Tom Khaled Würdemann, Historiker am Zentrum für Jüdische Studien in Heidelberg und Spezialist für die palästinensische Nationalbewegung, sieht diese emotionalisierte Radikalisierung auf beiden Seiten des Konflikts, sagt jedoch, dass sie im propalästinensischen Lager sehr systematisch geworden ist, angeheizt durch Influencer und Medienaktivisten, die die Aufmerksamkeitsökonomie des Online-Aktivismus durch Fake News monetarisiert haben.

„Wenn man sich die Bilder und die schrecklichen Nachrichten aus Gaza ansieht, braucht es gar keine Desinforma­tion, um viele Menschen zu radikalisieren“, erklärt Würdemann. „Aber Desinformation verstärkt dieses Gefühl noch mehr, und angesichts eines als dämonisch empfundenen Feindes in Form Israels führt dies dazu, dass man sich kein friedliches Ende dieses Konflikts mehr vorstellen kann, denn Gerechtigkeit gegenüber Monstern wie den israelischen Juden muss bedeuten, dass sie verschwinden – was dem sehr ähnlich ist, wie viele auf der israelischen Rechten die Zerstörung Gazas nicht nur als notwendig, sondern als moralisch gut ansehen.“


Übertragen aus dem Englischen von M. Bialecki

Bibliografische Angaben

Internationale Politik Special 2, Januar 2026, S. 12-17

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Nicholas Potter ist Journalist und Redakteur bei der Berliner Tageszeitung taz.