IP Special

29. Dez. 2025

Investieren statt resignieren

Wer stellt Klimafinanzierung bereit, wo kommt sie an, was bewirkt sie, welche Reformen braucht es? Beispiele aus drei Weltregionen. 

Maria Netto
Janice Lim
Komna Djabare
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Bild: Eine Konferenz während der COP 30 in Brasilien 2025
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Lateinamerika und Karibik

Südostasien

Afrika

 

Lateinamerika und Karibik

Vom peripheren Empfänger zum globalen Impulsgeber

Um den natürlichen Reichtum der Region in finanzielle Resilienz umzuwandeln, braucht es vor allem systemische Reformen. 

Von Maria Netto

Lateinamerika und die Karibik stehen an einem Scheideweg in der globalen Klimafinanzierung. Die Region macht nur etwa 6 Prozent der weltweiten Klimafinanzierungsströme aus, verfügt jedoch über einige der wertvollsten natürlichen Ressourcen der Erde: die Hälfte der verbleibenden tropischen Wälder, ein Fünftel des globalen Potenzials an erneuerbaren Energien und riesige Reserven an wichtigen Mineralien und Ackerland. Dieses Ungleichgewicht unterstreicht sowohl die dringende Notwendigkeit als auch die einmalige Chance, den natürlichen Reichtum der Region in finanzielle Widerstands­fähigkeit umzuwandeln.


Eine wachsende Kluft

Die globalen Klimafinanzierungsströme beliefen sich im Jahr 2023 auf etwa 1,9 Billionen US-Dollar. Fachleute schätzen den jährlichen Bedarf bis 2030 jedoch auf über sechs Billionen Dollar. In Lateinamerika und der Karibik werden derzeit 100 Milliarden Dollar pro Jahr mobilisiert – bei einem geschätzten Investitionsbedarf von über 300 Milliarden Dollar.

Rund 90 Prozent der Mittel fließen in Maßnahmen zur Emissionsminderung, während Projekte zur Anpassung an den Klimawandel sowie naturbasierte Lösungen stark unterfinanziert bleiben. Öffent­liche Haushalte und Entwicklungsbanken stellen weiterhin den Großteil der Mittel. Der Privatsektor spielt bislang nur eine begrenzte Rolle – gebremst durch hohe Finanzierungskosten, Währungsschwankungen und unzureichende Mechanismen zur Risikominderung.


Systemische Herausforderungen

Der Kreis der Finanzminister für die COP 30 betont, dass die Finanzarchitektur Lateinamerikas und der Karibik reformiert werden muss, um die grüne Transformation voranzutreiben. Derzeit ist die sogenannte konzessionäre Finanzierung – also zinsgünstige Kredite, Zuschüsse oder Darlehen mit längeren Laufzeiten – stark fragmentiert, der Zugang zu internationalen Klimafonds bleibt schwierig und ungleich verteilt, und langfristige Kredite in lokaler Währung sind rar. 

Hinzu kommen hohe Realzinsen, die die Kapitalkosten auf ein Niveau treiben, das 2 bis 4 Prozent über dem der OECD-Länder liegt. Gleichzeitig fehlen in vielen Ländern die Kapazitäten, um Projekte so vorzubereiten, dass sie für Investoren attraktiv sind.


Dynamik und Marktinnovation

Trotz dieser Hindernisse nehmen markt- und innovationsorientierte Ansätze an Fahrt auf. Die Region hat sich zu einem weltweit führenden Anbieter von nachhaltigen Anleihen entwickelt; sie emittiert etwa ein Viertel aller grünen und nachhaltigkeitsgebundenen Anleihen der Schwellenländer. Chiles staatliche grüne Anleihen, Kolumbiens Biodiversitätsanleihen und Brasiliens Amazonas-Anleihen lenken Milliardenbeträge in erneuerbare Energien, kohlenstoff­arme Mobilität und die Wiederaufforstung von Wäldern.

Auch Blended Finance – also Misch­finanzierungen aus öffentlichen und privaten Mitteln – gewinnt an Bedeutung. Ein Beispiel ist die brasilianische Regierungsinitiative EcoInvest: Sie nutzt philanthropisches First-Loss-Kapital – Gelder, die im Verlustfall zuerst eingesetzt werden –, um inländische Investoren anzuziehen. Die Initiative ReInvest+ der IDB Invest, dem Privatsektorarm der Interamerikanischen Entwicklungsbank, bündelt grüne Kredite und verbrieft sie zu Anlageprodukten mit hoher Bonität. Darüber hinaus tragen bedingte Instrumente zur Stärkung der finanziellen Widerstandsfähigkeit bei. Beispiele sind die Cat-DDO der Weltbank (Catastrophe Deferred Drawdown Option), eine Art Notfallkreditlinie für Naturkatas­trophen, und der CCRIF-Versicherungspool (Caribbean Catastrophe Risk Insurance Facility), über den karibische Staaten sich gemeinsam gegen Katastrophenrisiken absichern können.

Private Fonds engagieren sich verstärkt im Bereich Anpassung: Der Acumen Resilient Agriculture Fund investiert in Agrar­unternehmen, die klimafreundliche und widerstandsfähige Anbaumethoden fördern – etwa durch den Einsatz wassersparender Technologien. Der Fonds Impact Earth integriert wissenschaftlich fundierte Resilienzmetriken in seine Investitionsentscheidungen. Außerdem entstehen neue Bioökonomiefonds, die Renditen direkt an den Zustand und die Leistungsfähigkeit von Ökosystemen ­koppeln – etwa an die Qualität von Böden, Wasser oder Biodiversität.


Von Innovationen zu Reformen

Damit diese verschiedenen Initiativen in größerem Maßstab wirksam werden können, braucht es eine systemische Angleichung. Finanzaufsichtsbehörden in Brasilien, Chile und Mexiko sind bereits dabei, Taxonomien für nachhaltige Finanzierungen und Regeln zur Offenlegung von Klimarisiken einzuführen. Dennoch mangelt es in vielen Ländern noch an Interoperabilität und an einheitlichen Standards für die Berichterstattung über nachhaltige Finanzströme. Eine zentrale Rolle kommt den nationalen Entwicklungsbanken zu: Sie können Laufzeiten verlängern, Risiken in lokaler Währung steuern und Blended-
Finance-Instrumente verankern, die zu-
­sätzliche private Gelder – etwa aus Pensions- und Versicherungsvermögen –  mobilisieren.

Die vom Kreis der Finanzminister gebilligte Baku-Belém-Roadmap bietet einen pragmatischen Rahmen. Dieser Fahrplan knüpft an die Ergebnisse der COP 29 in Baku an und soll dazu beitragen, bis 2035 jährlich 1,3 Billionen Dollar an Klima­finanzierung für den Globalen Süden zu mobilisieren. Unter anderem wird gefordert, Entwicklungsbanken „größer, besser und mutiger“ zu machen. Außerdem sollen staatliche Garantien genutzt werden, um private Investoren besser gegen Verlustrisiken abzusichern.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die systematische Integration von Klimazielen in die Fiskal- und Geldpolitik, sodass Klimarisiken künftig bei der Haushaltsplanung und in der Steuerpolitik berücksichtigt werden. Für Lateinamerika und die Karibik bedeutet das, dass die begrenzten ­öffentlichen ­Ressourcen gezielt eingesetzt werden müssen, um langfristige inländische und internationale Investitionen anzukurbeln.


Integration von Anpassung und Natur

Anpassung und naturbasierte Lösungen bleiben die schwächsten Glieder. Die jährlichen Finanzströme für Resilienz in Lateinamerika und der Karibik liegen unter zehn Milliarden Dollar, obwohl die Klimaschäden bereits 40 Milliarden Dollar pro Jahr übersteigen. Um diese Schieflage zu korrigieren, ist es wichtig, Resilienz als positiven Wert und nicht als Kostenfaktor zu bewerten. Ein Ansatz besteht darin, Kennzahlen zur Klimaanpassung in Anleiherahmen, Kreditbedingungen und Unternehmensangaben zu integrieren. Innovative Finanzinstrumente wie Biodiversitätsanleihen, Resilienzfonds und ergebnisorientierte Zahlungen übersetzen Erfolge im Umweltschutz in finanzielle Erträge.

Aktuelle Studien zeichnen ein klares Bild: Investitionen in Anpassungsmaßnahmen bringen eine dreifache Divi­dende – vermiedene Verluste, Produktivitätsgewinne und soziale Vorteile. Damit diese Vorteile voll zur Geltung kommen und Investitionen in großem Maßstab möglich sind, müssen sie konsequent in den Regeln der öffentlichen Finanzpolitik und in den Mandaten von Investoren verankert werden.


Fünf sofortige Schritte

Die Umsetzung der Vision von Baku-Belém in Lateinamerika und der Karibik erfordert fünf sofortige Schritte. 

Erstens gilt es, Klimaschutz und -anpassung in Steuer- und Regulierungssysteme zu integrieren, indem Steueranreize und Aufsichtsregeln auf grüne Investitionen abgestimmt werden. 

Zweitens müssen Kapazitäten für die Vorbereitung und technische Unterstützung von Projekten ausgebaut werden. Dazu braucht es Beratungs- und Förderstellen, die Projekte von der Idee bis zur Umsetzung begleiten. Nur so können nationale Klimaziele in konkrete, investierbare Vorhaben übersetzt werden. 

Drittens sollte eine regionale Plattform für Garantien und Blended Finance eingerichtet werden. Durch gemeinsame ­Risikoteilung und Mischfinanzierungsinstrumente können institutionelle Investoren leichter für Projekte gewonnen werden. 

Ein vierter wichtiger Schritt ist der Aufbau offener Datensysteme für Klimarisiken und Leistungskennzahlen, um Preistransparenz zu ermöglichen. 

Fünftens müssen Kennzahlen zur Anpassung fest in staatliche Haushalte, Kredite von Entwicklungsbanken und Unternehmensfinanzierung integriert werden. 


Hin zu widerstandsfähigem Wohlstand

Um die Klimafinanzierungslücke in Lateinamerika und der Karibik zu schließen, geht es weniger darum, mehr Geld zu mobilisieren, als vielmehr darum, die Art und Weise zu ändern, wie das Finanzsystem Risiken, Resilienz und Natur bewertet. Strategisches öffentliches Kapital muss private Kapitalströme risikofrei machen, inländische Ersparnisse müssen für Klimaverträge mobilisiert werden und Anpassungsmaßnahmen in allen Sektoren zum Standard werden.

Eine entschlossene Umsetzung dieser Reformen könnte die jährlichen Investitionen bis 2030 verfünffachen und Lateinamerika und die Karibik nicht als peripheren Empfänger von Geldern, sondern als globalen Impulsgeber für innovative, gerechte und klimafreundliche Finanzierungen positionieren.  •

 

Südostasien

Eine Boom-Region mit grüner Finanzierungslücke

Wachstumsmärkte wie Indonesien, Vietnam und die Philippinen locken Investoren an – doch bei der Klimafinanzierung gibt es Nachholbedarf.  

Von Janice Lim

Gemeinhin gilt, dass Kapital dorthin fließen sollte, wo die besten Wachstumschancen bestehen. Dies scheint jedoch nicht auf Südostasien zuzutreffen – eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt, die vor wirtschaftlicher Dynamik nur so strotzt. Laut Prognosen könnte die grüne Transformation bis 2030 jährliche Einnahmen von bis zu 300 Milliarden US-Dollar generieren. Das Problem: Noch immer fließt in Südostasien zu wenig Geld in Klimafinanzierung.

Zwar steigen die privaten grünen Investitionen stetig an und erreichten laut einem Bericht, an dem der staatliche Investor Temasek aus Singapur beteiligt war, im Jahr 2024 acht Milliarden Dollar. Doch im Vergleich zu den 210 Milliarden Dollar – rund 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Region –, die laut Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank bis 2030 jährlich benötigt werden, um die Wirtschaft klimaresistent zu machen, ist diese Summe nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Herausforderung wird durch den steigenden Energiebedarf noch verschärft. Ohne die notwendigen Investitionen zur Beschleunigung der Energiewende würden die größten Volkswirtschaften Südostasiens wahrscheinlich weiterhin auf fossile Brennstoffe setzen, um ihr Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Damit wäre der Weg in eine kohlenstoffarme und klimaresiliente Zukunft vorerst verbaut. Dies würde dazu führen, dass Klimafolgen wie Hitzewellen und starke Überschwemmungen die Menschen in der Region noch härter treffen. Zudem würden die Kosten für Anpassungsmaßnahmen in die Höhe schießen, für die schon jetzt weit weniger Mittel zur Verfügung stehen als für Pro­jekte zur Emissionsminderung. 


Hürden für private Geldgeber

Es ist kein Geheimnis, dass die öffentliche Hand allein die Klimafinanzierungslücke in Südostasien nicht schließen kann. Die Verhandlungen auf der COP 29 in Baku haben unmissverständlich gezeigt, dass die Industrieländer bei der Erfüllung ihrer finanziellen Verpflichtungen eingeschränkt sind. Das neue Klimafinanzierungsziel von 300 Milliarden Dollar pro Jahr – eine Steigerung gegenüber dem bisherigen Mindestbetrag von 100 Milliarden Dollar – blieb damit deutlich unter den Erwartungen vieler Entwicklungsländer.  

Nun gilt es, dem privaten Sektor Anreize zu bieten, um diese Lücke zu schließen. Private Geldgeber haben jedoch wiederholt darauf hingewiesen, dass die Renditen aus Investitionen in Schwellenmärkten wie Südostasien möglicherweise nicht ausreichen, um die höheren Risiken – ob reale oder wahrgenommene – zu kompensieren. Sie fordern daher von der Politik ­einen rechtlichen Rahmen, der mehr Sicherheit bietet und die Umstellung auf saubere Energie stärker unterstützt. Um mehr privates Kapital zu mobilisieren, wären Maßnahmen wie die Einführung eines aussagekräftigen CO2-Preises, der Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe oder die Förderung von bankfähigen Projekten notwendig. 


Pionierarbeit und Positivbeispiele 

Mischfinanzierung (Blended Finance) ist zwar kein neues Konzept, gewinnt jedoch auch in Südostasien als wichtiges Mittel zur Mobilisierung von privatem Kapital immer mehr an Bedeutung. Dabei handelt es sich um einen Finanzierungsansatz, bei dem Investoren mit höherer Risikobereitschaft – wie multilaterale Entwicklungsbanken, Entwicklungsfinanzierungsinstitute, Philanthropen und Regierungen – konzessionäres oder katalytisches Kapital bereitstellen, um so mehr kommerzielle Investoren anzuziehen. 

Die 2020 gegründete Investmentgesellschaft Southeast Asia Clean Energy Capital gilt vielen als Pionierin auf diesem Gebiet. Anfang 2025 gab sie bekannt, dass ihr zweiter Fonds ein Volumen von 175 Millionen US-Dollar erreicht hat. Neu eingestiegen sind weitere philanthropische Geber wie die Global Energy Alliance for People and Planet. Auch multilaterale Entwicklungsbanken wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) beteiligten sich an dem Fonds, der wie sein Vorgänger darauf abzielt, Kapital für den Ausbau erneuerbarer Energien, Energieeffizienz und Elektro­mobilität in der Region einzusetzen.   

Die Regierung Singapurs hat 2023 eine Blended-Finance-Initiative namens Financing Asia’s Transition Partnership (Fast-P) mit dem Ziel ins Leben gerufen, fünf Milliarden US-Dollar für Klimaschutzmaßnahmen in der Region zu mobilisieren. Im Zuge dessen wurden drei Fonds aufgesetzt, von denen bereits einer ausreichend Kapitalzusagen erhalten hat, um seine Tätigkeit aufzunehmen. Auf dem Klimagipfel in Belém kündigte Singapur an, über diesen Fonds 110 Millionen US-Dollar für drei nachhaltige Infrastrukturinvestitionen in Süd- und Südostasien bereitzustellen. Diese werden mehrere Projekte abdecken und sollen insgesamt eine Million Tonnen Emissionen pro Jahr einsparen.  

Mischfinanzierung sollte auch dazu genutzt werden, das Stilllegungsdatum des Kohlekraftwerks Cirebon 1 in Indonesien durch den Energiewendemechanismus der ADB auf das Jahr 2035 vorzuverlegen – sieben Jahre früher als ursprünglich geplant. Doch diese Pläne wurden inzwischen wieder verworfen. Die geplante Transaktion war Teil der Just Energy Transition Partnership (JETP) – einer Zusage von Industrieländern über 20 Milliarden US-Dollar, um die Energiewende der größten Volkswirtschaft Südostasiens zu unterstützen. Die indonesische Regierung begründete ihre Entscheidung mit der langen Restlaufzeit von Cirebon 1 und kündigte an, nach anderen Kohlekraftwerken zu suchen, die stillgelegt werden könnten. Ob ihr dies gelingen wird, bleibt abzuwarten: Die Region ist nach wie vor stark von dieser Art der Energiegewinnung abhängig und auch viele andere Kohlekraftwerke sind noch nicht lange in Betrieb.

Um die Rentabilität und den Umfang des Kohleausstiegs zu verbessern, testet Südostasien derzeit sogenannte „Transi­tion Credits“ – eine neue Anlageklasse, die die Reduzierung oder Vermeidung künftiger Emissionen aus vorzeitig stillgelegten Kohlekraftwerken monetarisiert und diese durch erneuerbare Energien ersetzt. Die Einnahmen aus dem Verkauf dieser ­Zertifikate sollen dann verwendet werden, um den Eigentümern von Kohlekraftwerken die Einkommensverluste zu kompensieren, die ihnen durch die vor­zeitige Stilllegung entstehen. 

Diese neue Klasse von Emissionszertifikaten wird derzeit in einem Kohlekraftwerk auf den Philippinen getestet. Während der Kraftwerksbetreiber Acen die Stilllegung des Kraftwerks bereits 15 Jahre früher auf 2040 vorverlegt hatte, wird nun geprüft, ob sie mit Hilfe von Transition Credits um weitere zehn Jahre auf 2030 vorverlegt werden kann. 

Der wichtige CO2-Standardgeber Verra hat bereits eine Methodik für Transition Credits vorgelegt. Auf der COP 30 in Belém befürworteten zudem Singapur, die Phi­l­ippinen sowie mehrere Investoren und Geschäftsbanken den Einsatz solcher Zertifikate. Ob die Nachfrage nach Transition Credits seitens staatlicher und unternehmerischer Käufer jedoch groß genug sein wird, um Kohlekraftwerke im großen Stil stillzulegen, bleibt offen. 


Nachbessern bei Anpassung und Natur 

Während der Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern weiterhin im Mittelpunkt politischer Strategien und finanzieller Entscheidungen steht, wächst die Erkenntnis, dass auch in den Bereichen naturbasierte Lösungen und Klimaanpassung mehr getan werden muss. Bisher wird die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen in Südostasien überwiegend durch öffentliche und multilaterale Mittel getragen. Die Beteiligung des privaten Sektors bleibt hingegen gering, da entsprechende Projekte häufig als öffentliche Güter ohne direkte Einnahmequellen angesehen werden. 

So haben beispielsweise die Weltbank und die ADB Indonesien jeweils 500 Millionen Dollar bereitgestellt, um die Reaktionsfähigkeit des Landes nach Natur­katastrophen und Klimarisiken zu verbessern. Vietnam erhielt zwischen 2016 und 2024 von der Weltbank ein Darlehen in Höhe von 250 Millionen Dollar für den Bau eines Hochwasserschutzsystems in den großen städtischen Zentren entlang des Mekong-Deltas.

Naturschutzmaßnahmen werden unterdessen in hohem Maße durch freiwillige CO2-Märkte finanziert. Indonesien, Vietnam, Laos, Kambodscha und Myanmar führen im Rahmen des internationalen Wald- und Klimaschutzprogramms REDD+ der UN Projekte zur Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung durch. 

Jüngste Skandale um die Integrität der Emissionszertifikate haben jedoch einmal mehr vor Augen geführt, wie wichtig strenge Standards und hohe Transparenz sind. Mit der Fertigstellung der globalen Regeln für den Kohlenstoffhandel gemäß Artikel 6 des Pariser Abkommens wächst die Hoffnung, dass damit bestehende Zweifel an der Glaubwürdigkeit ausgeräumt werden und die Nachfrage nach naturbasierten Emissionszertifikaten aus der Region wieder steigt. Parallel dazu bündeln die Verbände der Kohlenstoffmarktbranche in Südostasien ihre Kräfte, um einen einheitlichen CO2-Markt zu schaffen, der die Liquidität verbessern könnte. 

Das Bild in Südostasien ist somit gemischt: Zwar laufen bereits zahlreiche Initiativen, um die Finanzierung für die Bewältigung der Klimakrise auszuweiten. Dennoch ist der ungedeckte Bedarf weiterhin enorm. Es muss mehr getan werden, um sicherzustellen, dass Kapital dorthin fließt, wo es am dringendsten benötigt wird. Andernfalls müssen die Menschen in Südostasien – deren Pro-Kopf-Emissionen zwar steigen, aber immer noch unter dem globalen Durchschnitt liegen – die Hauptlast einer Krise tragen, zu deren Entstehung sie kaum beigetragen haben.  •

 

Afrika

Lebensader eines Kontinents

Nirgends auf der Welt klaffen Finanzierungsbedarf und verfügbare Mittel weiter auseinander. Welche Wege gibt es, diese Lücke zu schließen?  

Von Komna Djabare

Für viele afrikanische Länder ist Klimafinanzierung nicht nur ein politisches Instrument, sondern eine Lebensader. Sie trägt zur Sicherung von Lebensgrund­lagen bei und ermöglicht eine kohlenstoff­arme, klimaresiliente Entwicklung. Doch trotz wiederholter globaler Zusagen bleibt der Zugang zu Klimafinanzierung sehr ungleich verteilt. Gerade die am stärksten gefährdeten Länder stehen häufig vor erheblichen strukturellen, institutionellen und administrativen Hürden, wenn es darum geht, verfügbare Mittel zu mobilisieren und effektiv einzusetzen.

In den Jahren 2021 und 2022 flossen schätzungsweise 44 Milliarden US-Dollar an Klimafinanzierung nach Afrika, was weit unter dem geschätzten jährlichen Bedarf liegt, der erforderlich wäre, um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele des Kontinents zu erreichen. Diese Diskrepanz ist nicht nur auf begrenzte institutionelle oder technische Kapazitäten zurückzuführen, sondern auch auf ein schwaches Engagement des Privatsektors und unzureichende Rahmenbedingungen. Im Jahr 2023 stammten etwa 77 Prozent der Klimafinanzierung für den Kontinent aus internationalen öffentlichen Quellen, darunter multilaterale Entwicklungsbanken und bilaterale Geber. Diese Abhängigkeit geht über Finanzzuflüsse hinaus. Viele Länder auf dem Kontinent sind weiterhin stark auf internationale technische Hilfe angewiesen – nicht nur, um Ressourcen zu mobilisieren, sondern auch, um institutionelle Rahmenbedingungen zu entwickeln, nationale Anpassungspläne (NAP) zu erstellen und Prioritäten für Klima­investitionen festzulegen.

Gerade in Afrika sind Klimaschutz und Entwicklung untrennbar miteinander verbunden, da die meisten Klimaini­tiativen von Natur aus darauf abzielen, die Lebensgrundlagen, die Produktivität und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung zu verbessern. Da afrikanische Länder überwiegend auf externe Finanzmittel und Fachwissen angewiesen sind, laufen sie Gefahr, ein Modell fortzuführen, das der traditionellen Entwicklungshilfe ähnelt, bei dem Fortschritt von den Agenden der Geber und nicht von national fest­gelegten Prioritäten abhängt.


Anpassung bleibt unterfinanziert

Anpassung bleibt die wichtigste klimapolitische Priorität für afrikanische Länder – von klimaresilienter und nachhaltiger Landwirtschaft über Ernährungssicherheit und Infrastrukturentwicklung bis hin zu Frühwarnsystemen, Katastrophenvorsorge, Wiederherstellung von Ökosystemen und naturbasierten Lösungen.

Diese Prioritätensetzung spiegelt sich allerdings nach wie vor nicht in den Finanzströmen wider. Zwar ist die Anpassungsfinanzierung für den Kontinent von 6,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf 14,8 Milliarden Dollar 2023 ­gestiegen. Doch allein für Subsahara-Afrika wird der Bedarf auf 46 bis 53 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt, um die Anpassungsziele für 2030 zu erreichen. Hochgerechnet könnte bis 2035 der gesamte Finanzierungsbedarf des Kontinents für Anpassungsmaßnahmen 845 Milliarden bis 1,7 Billionen US-Dollar erreichen.

Ein Grund für dieses anhaltende Defizit ist der langsame Fortschritt bei der Ausarbeitung und Umsetzung nationaler Anpassungspläne (NAP), was sich auch auf mangelnde Datenverfügbarkeit zurückführen lässt. Bis Oktober 2025 haben über die Hälfte der afrikanischen Länder ihre NAP noch nicht fertiggestellt oder eingereicht. Dabei sind diese Pläne wichtige strategische Instrumente, um Anpassungsbedarfe zu identifizieren und zu priorisieren, die sektorübergreifende Koordination zu stärken und den Zugang zu internationalen Geldern zu erleichtern. 

Im Gegensatz dazu gibt es bei den nationalen Klimabeiträgen (NDCs), die sich traditionell eher auf die Emissionsminderung konzentrieren, bedeutende Fortschritte. Alle afrikanischen Länder haben NDCs der ersten und zweiten Generation vorgelegt, und mehrere bereiten ihre Beiträge der dritten Generation vor oder finalisieren diese. Während die NDCs von einer größeren technischen Unterstützung, politischer Sichtbarkeit und dem Engagement der Geber profitiert haben, haben sich die nationalen Anpassungspläne langsamer entwickelt und sind nach wie vor unterfinanziert. Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in der allgemeinen politischen Debatte wider, in der die Anpassung weiterhin weniger Sichtbarkeit, eine schwächere institutionelle Verankerung und vergleichsweise geringere Finanzzuweisungen erhält. Stattdessen liegt der Fokus auf groß angelegten Minderungs­initiativen, die oft als rentabler angesehen werden oder schnellere und sichtbarere Erträge bringen. Infolgedessen werden Projekte, die direkt auf die lokale Widerstandsfähigkeit, die Lebensgrundlagen und die Stabilität der Ökosysteme abzielen, tendenziell unterfinanziert. 

Über die allgemeine Unzulänglichkeit hinaus sind die internationalen Finanzströme für die Anpassung durch niedrige Auszahlungsquoten gekennzeichnet. Laut dem Adaptation Gap Report des UN-Umweltprogramms wurden nur 66 Prozent der zugesagten Anpassungsmittel ausgezahlt, verglichen mit 98 Prozent bei der allgemeinen Entwicklungsfinanzierung. 


Innovative Institutionen

Um in einer komplexen Finanzierungslandschaft den Überblick zu behalten, wurden in einigen afrikanischen Ländern sogenannte Climate Finance Units (CFUs) eingerichtet. Diese Einheiten sorgen dafür, dass Klimaprioritäten in die nationale Haushalts- und makroökonomische Planung integriert werden. Länder wie Ruanda, Uganda, Mosambik und Kenia zeigen, wie CFUs politische Kohärenz fördern, die sektorübergreifende Zusammenarbeit verbessern und Finanzströme mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung in Einklang bringen können. In Uganda koordiniert diese Einheit beispielsweise nationale und internationale Finanzströme und erprobt innovative Instrumente wie grüne Anleihen. In Kenia trägt die CFU durch die Einrichtung sogenannter County Climate Change Funds zur Dezentralisierung von Ressourcen bei. 

Wie entschlossene institutionelle Führung bei der Mobilisierung öffentlicher und privater Klimafinanzierung aussehen kann, zeigen Beispiele aus Benin, Marokko und dem Senegal. Marokko hat durch die Verabschiedung seiner Investitionscharta strategische ­Anreize für die Beteiligung des Privatsektors an der ­Finanzierung ­klimaverträglicher Entwicklung geschaffen und damit sichergestellt, dass Investitionen sowohl Wirtschaftswachstum als auch messbare Klimavorteile bringen. Benin und Senegal haben unterdessen Strategien entwickelt, um Zugang zu internationalen Finanzierungsmechanismen wie dem Green Climate Fund und dem Adaptation Fund zu erhalten. Gleichzeitig wurden in diesen Ländern die Rahmenbedingungen für die Dezentralisierung und Lokalisierung von Klimafinanzierung verbessert. 


Vom Abnehmer zum Gestalter

Für Afrika liegt der Weg in die Zukunft in einem schrittweisen Übergang von extern gesteuerten Systemen zu eigenständigen, sich selbst verstärkenden Finanzierungsstrukturen. Dies erfordert den Aufbau inländischer Kapitalmärkte, die Einrichtung nationaler Klimafonds und die Entwicklung politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen, die in der Lage sind, Investitionen des Privatsektors anzuziehen und deren Risiken zu mindern.

Afrikanische Länder müssen ihre Governance-Systeme stärken, um sicherzustellen, dass die Finanzierung den nationalen Prioritäten entspricht und nicht den Agenden der Geber. Klimafinanzierung sollte sich an nationalen Strategien orientieren, um Eigenverantwortung und langfristige Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Der Aufbau von Kapazitäten nationaler Institutionen, Ministerien, Behörden und spezieller Einheiten ist entscheidend für die Konzeption bankfähiger Projekte, die Koordinierung von Finanzströmen und die Verbesserung der Transparenz. 

Ebenso wichtig sind starke Überwachungs-, Bewertungs- und Berichtssysteme, um die Rechenschaftspflicht und das Vertrauen der Interessengruppen zu stärken. Die regionale Zusammenarbeit unter der Führung von Institutionen wie der Afrikanischen Union, der Afrikanischen Entwicklungsbank und regionalen Wirtschaftsgemeinschaften sollte vertieft werden, um Ressourcen einfacher zu bündeln, den Wissensaustausch zu fördern und den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern.

Es muss dem Kontinent gelingen, seine Empfängermentalität abzulegen und ­stattdessen eine Führungsrolle in der globalen Klimafinanzierung zu übernehmen. Sein enormes Naturkapital, sein Innovationspotenzial und seine politischen Ambitionen machen Afrika zu einem natürlichen Gestalter neuer Finanzmechanismen. Öffentliche Mittel allein können die Lücke nicht schließen. Die Mobilisierung privater Investitionen durch Mischfinanzierungen, Risikoteilungsinstrumente und klare politische Rahmenbedingungen ist unerlässlich. Wenn die Märkte für grüne Anleihen ausgebaut und öffentlich-private Partnerschaften vertieft werden, entsteht die notwendige Hebelwirkung, die erforderlich ist, um Klimaschutz zu beschleunigen und spürbare Verbesserungen für die Menschen zu erzielen.

Neue globale Instrumente wie der Fonds für die Bewältigung von Verlusten und Schäden sowie die von der brasilianischen Regierung initiierte Tropical Forest Forever Facility (TFFF) eröffnen Afrika große Chancen. Doch ohne frühzeitige und gezielte Vorbereitung besteht die Gefahr, dass sich alte Muster wiederholen und Afrika nur sehr geringen Zugang zu den vorhandenen Mitteln hat. Vorausschauendes Handeln, Koordination und institutionelle Bereitschaft werden darüber entscheiden, ob der Kontinent diese neuen finanziellen Möglichkeiten nutzen kann oder weiterhin am Rande der globalen Klimafinanzierungsströme bleibt.  •


Übertragen aus dem Englischen von T. Hofmann

 

Bibliografische Angaben

Internationale Politik Special 01, Januar 2026, S. 20-29

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Maria Netto ist Executive Director des Instituto Clima e Sociedade, einer philanthropischen Organisation mit Sitz in Brasilien.

Janice Lim ist Reporterin für Singapurs führende Finanzzeitung The Business Times.  Sie berichtet über Entwicklungen in der nachhaltigen Finanzwirtschaft in Südostasien.

Dr. Komna Djabare ist Analyst für Klimafinanzierung und -politik bei Climate Analytics und Direktor des Climate Analytics Africa Office mit Sitz in Lomé, Togo.