Drei Fragen an...

01. September 2021

Drei Fragen an ... Antje Leendertse

Deutschlands neue Botschafterin bei den Vereinten Nationen: Was hat sie in der Nachfolge von Christoph Heusgen vor?

Bild
Bild:Porträt Antje Leendertse
Lizenz
Alle Rechte vorbehalten

1. Sie sind die erste Frau, die Deutschland bei den UN in New York vertritt. Was bedeutet das für Sie persönlich?

Auf meine neuen Aufgaben als Ständige Vertreterin Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York freue ich mich sehr. Sie merken: So hätte auch der dreiundzwanzigste Mann auf diesem Posten antworten können. Und wenn andere daraus den Schluss ziehen, dass wir in der deutschen Diplomatie bezüglich der Rolle von Frauen inzwischen weitergekommen sind, umso besser.


2. Welche Schwerpunkte möchten Sie in Ihrer Arbeit in den kommenden vier Jahren setzen?

Deutschland hat im UN-Sicherheitsrat Flagge gezeigt: Wir haben bei der Konfliktlösung Verantwortung übernommen, denken Sie an Libyen, Sudan oder Mali. Bei der Agenda Frauen, Frieden, Sicherheit oder der Konfliktprävention, bei Menschenrechten, Rüstungskon­trolle sowie Klima & Sicherheit konnten wir Fortschritte erzielen. Jetzt wird es darum gehen, darauf aufzubauen und dies in allen UN-Gremien weiterzuverfolgen. Ich möchte mich zudem für Reformen einsetzen, auch für die Reform des Sicherheitsrats selbst. Unsere nächste Kandidatur für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat 2027/ 2028 wird für uns ein wichtiger Schwerpunkt sein.


3. Für Ihren Vorgänger Christoph Heusgen spiegelt der UN-Sicher­heitsrat „Realitäten der 1960er Jahre“. Welche Reformschritte sind notwendig?

Der Sicherheitsrat bleibt das entscheidende UN-Exekutiv­organ. Dennoch: Sein Legitimitätsverlust, auch eine Folge seiner Zusammensetzung, die die Welt vor der Dekolonialisierung widerspiegelt, ist nicht zu übersehen. Deshalb ist es wichtig, seine Arbeitsweise, seine Struktur und seine Aufstellung an die Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen. Wie kann es sein, dass ein so großer, wichtiger Kontinent wie Afrika dort nicht ständig vertreten ist? Aus welchem Grund bleibt der Rat in drängenden Fragen so oft sprachlos? An diesen Reformthemen werden wir gemeinsam mit unseren Partnern weiterarbeiten.

 

Bibliografische Angaben

Internationale Politik 5, September/Oktober 2021, S. 8

Themen und Regionen

Teilen