Perspektiven

23. Febr. 2026

Diktat des Algorithmus

Journalismus, der ausgewogen berichtet, riskiert Nichtbeachtung, während moralische Positionierung Aufmerksamkeit erhält: Beobachtungen nach dem Krieg im Gazastreifen.

Oliver Mayer-Rueth
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Bild: Displays mehrerer Handys, die das Geschehen im Hintergrund filmen
Soziale Medien spielen eine enorme Rolle dabei, wie der Nahost-Konflikt vermittelt und wahrgenommen wird. Das Bild zeigt eine Szene aus Gaza vom Januar 2026.
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Die Nahost-Berichterstattung hat einen Paradigmenwechsel vollzogen. Juden in Deutschland, Nahost-Beobachter und Antisemitismusforscher werfen Teilen der Presse und des Rundfunks eine ungefilterte Übernahme des Hamas-Narrativs vor. Welche Rolle spielen dabei soziale Medien? 

Als am 7. Oktober 2023 Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen den israelischen Schutzzaun durchbrechen, um jüdische Kinder, Frauen und Männer brutal zu quälen, zu ermorden und zu entführen, tragen sie nicht nur Sturmgewehre und Handgranaten bei sich. An ihren Jacken sind Kameras befestigt, die das Grauen aufzeichnen, damit die ganze Welt zeitnah das blutrünstige Spektakel auf Smartphones miterleben kann. Eine dunkle Inszenierung eines Massenmords, festgehalten, um einerseits zu schockieren und abzuschrecken und andererseits, um Gefühle der Überlegenheit zu wecken. Die Islamisten massakrieren mehr als 1200 Menschen, verschleppen 241, filmen den Horror und bringen durch die Videoaufnahmen die Welt in Aufruhr.  

Die Qassam-Brigaden, der militärische Arm der Hamas, hatten den Angriff als Medienspektakel geplant, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu richten. Die am 7. Oktober von Islamisten gefilmten und dann in sozialen Medien mit hoher Geschwindigkeit viral gehenden Bilder sorgen vor allem im christlich-jüdisch geprägten Okzident für Entsetzen. In manchen muslimischen Milieus westlicher Länder, aber vor allem im muslimisch geprägten Nahen Osten hingegen wird der massenfache Mord als Sieg gegen den Zionismus gefeiert. So ungleich reagieren Gemeinschaften, wenn dieselben Bilder unterschiedliche Deutungsräume erreichen. 

Die Videos werden im Netz anfangs unkommentiert und ohne Einordnung publiziert, ein grundlegender Unterschied zur Berichterstattung über Kriege und Konflikte in der Vergangenheit. Ein journalistischer, redaktioneller und ­damit kritischer Filter existiert nicht. Die Propaganda einer Terrororganisation findet in wenigen Augenblicken weltweit ihr Ziel.     

Die Gräueltaten der Hamas spielen eine nachrangige Rolle; vielmehr wird Israels Vorgehen kritisiert

Die Hamas weiß aufgrund vergangener bewaffneter Konflikte, Israel wird auf die Gewalt robust reagieren. Die Islamisten haben die militärischen Konsequenzen offenbar bewusst einkalkuliert. Ob es Ziel der Hamas war, internationales Interesse auf das Leid der Palästinenser zu richten, um etwa eine Zwei-Staaten-Lösung zu forcieren, ist fraglich. Der Terrororganisation scheint es vielmehr schon immer um eine vollständige Vernichtung des Staates Israel und um die Vertreibung beziehungsweise Auslöschung der in der Levante lebenden Juden zu gehen. Dabei macht sie nichts anderes, als den politischen Willen der in den Palästinensergebieten lebenden Mehrheit umzusetzen. Laut einer im Frühjahr 2024 veröffentlichten Umfrage des „Palestinian Center for Policy and Survey Research“ sprechen sich nur 23 Prozent der befragten Palästinenser gegen das Hamas-Massaker vom 7. Oktober aus. 71 Prozent der Befragten sagen, die radikalislamische Terrororganisation habe richtig gehandelt. 

Dabei nimmt die Hamas laut einem Bericht des Wall Street Journal den Tod palästinensischer Zivilisten nicht nur in Kauf. Vielmehr habe Yahya Sinwar, der inzwischen von einer israelischen Drohne getötete Anführer der Qassam-Brigaden, einige Monate nach dem 7. Oktober im Kreise von Hamas-Funktionären gesagt, die steigenden Opferzahlen im Gazastreifen seien aufgrund der israelischen Angriffe von Vorteil für die Hamas. Das vielfach dokumentierte Deponieren von Waffen unter Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern zeigt, die Hamas provoziert regelrecht den Tod von Zivilisten, um Israel als mordlüsternen Aggressor zu stigmatisieren. Menschen sind Material, Mitleid wird zur Munition. 


Ungefilterte Propaganda

Dennoch wird im Laufe des Krieges in deutschen Zeitungen, in der Rundfunkberichterstattung und in den deutschsprachigen sozialen Medien mit steigenden Opferzahlen im Gazastreifen vor allem die Kritik an Israels militärischem Vorgehen lauter, während die Gräueltaten der Islamisten in der internationalen öffentlichen Debatte eine nachrangige Rolle spielen. Das Hamas-Narrativ macht sich in der Debatte breit. Es zielt auf die Köpfe der Meinungsmacher und dominiert den Deutungskampf in Redaktionen. 

Zweifellos darf und muss das harte Vorgehen der israelischen Streitkräfte und die großflächige Zerstörung des Gazastreifens mit vielen Zehntausenden Toten infrage gestellt werden. Insbesondere die Äußerungen rechtsextremer israelischer Regierungsmitglieder lassen Zweifel aufkommen, ob Israels Vorgehen nur die Zerstörung der Hamas zum Ziel hat. 

In deutschen Fernsehnachrichten oder Zeitungen äußern sich wiederholt Vertreter von Menschenrechtsorganisationen zum Kriegsverlauf – überwiegend, um das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung zu kommentieren. Ranghohe Militärs, die die besonderen Herausforderungen einer staatlichen Armee in einem asymmetrischen Krieg darlegen können, kommen hingegen selten zu Wort. 

So berichtet ein Großteil der ­Medien moralisch aufgeladen: Beispielsweise dominiert der Hunger im Gazastreifen wochenlang die Schlagzeilen. Das Augenmerk liegt vorwiegend auf der zu Recht kritisierten israelischen Nahrungsmittelblockade des Palästinensergebiets. Dass auch die Hamas durch Plünderungen und Angriffe dazu beiträgt, dass humanitäre Güter nicht verteilt werden können, thematisieren Medien nur am Rande. Die New York Times druckt auf ihrer Titelseite ein Foto des abgemagerten palästinensischen Kindes Muhammad Zakariya. Dieser liegt in den Armen seiner Mutter, unter der Haut des Jungen bilden sich die Knochen ab. Der Subtext: Israel lässt die Kinder im Gazastreifen verhungern. Auch deutsche Medien greifen das Thema auf und veröffentlichen israelkritische Berichte. Schließlich stellt sich heraus, Muhammad leidet an einer genetischen Krankheit. Die NYT erklärt, ihr Umgang mit diesem Foto sei falsch gewesen. 

Doch die an anti­semitische Stereotype anknüpfende Deutung, Israel lasse bewusst Kinder sterben, ist bereits in der Welt. Das Stigma, Juden seien grausame, kalkulierende Täter, wird mit Begriffen wie Blockade, Hunger, „Genozid“ in die Sprache der Moderne übersetzt. So wird das Opfer des größten Völkermords der Menschheitsgeschichte zum Täter stilisiert. Wer schon immer mit einem wehrhaften Israel haderte, kann jetzt aufatmen. Und die Hamas darf jubeln. 

Wenige Wochen nach dem 7. Oktober 2023 beginnen deutsche Juden, Medienforscher und Nahost-Interessierte, einen Paradigmenwechsel in der Darstellung des Nahost-Konflikts wahrzunehmen und erheben ihre Stimme. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, bezeichnet in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen die Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Fernsehsender als Brandbeschleuniger für den ­Extremismus in Deutschland. Hass werde zwar vor allem über soziale Medien in die Gesellschaft getragen, doch er sehe auch eine Verantwortung bei den Öffentlich-Rechtlichen, so Schuster. Konkret verweist er auf Bilder von verletzten Palästinensern im Gazastreifen, bei denen die Einordnung fehle, dass diese ganz bewusst von der Hamas als menschliche Schutzschilde missbraucht würden. Auch Monika Schwarz-Friesel, Antisemitismusforscherin und Professorin an der TU Berlin, oder Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Regierung, werfen deutschen Medien Einseitigkeit vor.


Der Sog des Algorithmus

Wie konnte es zu einer solchen Verzerrung kommen? Das neue Betriebssystem dieser Deutungswelt ist der Algorithmus. Er kennt keine redaktionelle Tradition, keine Sorgfaltspflicht, keinen Pressekodex. Er misst Relevanz nicht nach Wahrheit, sondern nach Interaktion. Soziale Medien katapultieren das Hamas-Narrativ rasend schnell in die Smartphones der westlichen Welt und beeinflussen so User, aber auch Journalisten, Redaktionen und Geschäftsleitungen von Medienhäusern. 

Zentrales Argument des Narrativs ist, Israel begehe einen Völkermord im Gazastreifen. Wissenschaftler an der Universität Turin untersuchten Antisemitismus im algorithmischen Zeitalter und stellten fest, dass KI-gesteuerte Plattformen zu einer neuen Phase des Antisemitismus beitragen. Eine der besonders alarmierenden Folgen sei das Aufkommen algorithmisch erzeugter Inhalte, die objektiv oder neutral erscheinen, aber zutiefst voreingenommene oder hetzerische Botschaften enthalten. Ein Beispiel hierfür sei die internationale Debatte über die Verwendung des Begriffs „Genozid“ im ­israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Debatte habe sich auf wissenschaftliche, politische und mediale Bereiche ausgeweitet. Die rhetorische Vereinfachung berge die Gefahr der Trivialisierung des Holocaust in sich und untergrabe die Integrität des historischen Diskurses. 

Der Algorithmus sozialer Medien bewertet Botschaften als relevant, die von vielen Usern mit einem Like, also positiv gekennzeichnet werden. Quantität geht vor Qualität. Das Programm bevorzugt stark emotionalisierende, zugespitzte, polarisierende Botschaften und schickt diese an Rezipienten, die es als besonders empfänglich für solchen Inhalt einschätzt. Welches Narrativ die sozialen Medien dominiert, ist folglich allein von mathematischen Prozessen und nicht von journalistischen Kriterien abhängig.

Ein User, der sich eher mit Palästinensern solidarisiert, erhält Botschaften, die sein Weltbild bestätigen. Israelische Perspektiven bleiben außerhalb der digitalen Echokammer. Muslimische Communities (6 bis 9 Prozent in Frankreich, 6 bis 7 Prozent in Großbritannien und 6 Prozent in Deutschland) stellen in diesem Zusammenhang eine demografisch relevante Minderheit dar. Sie sind überdurchschnittlich jung und in sozialen Medien sehr aktiv, weil sie sich in klassischen Medien oft nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Umfragen belegen, dass sich auch in westlichen Ländern lebende Muslime propalästinensisch und sogar proextremistisch positionieren. Eine Erhebung des Pew Research Center ergab, dass fast 50 Prozent der Muslime in den USA glauben, die Terrororganisation Hamas habe berechtigte Gründe, ­Israel zu bekämpfen.

Es gibt weltweit etwa zwei Milliarden Muslime, aber nur 15 Millionen Juden. Die Zahlen legen nahe, wie sich auf globalen Plattformen Mehrheiten in Sichtbarkeit übersetzen können, wenn Mobilisierung gelingt. Und Mobilisierung gelingt dort am besten, wo ein klares Opfer-Täter-Schema erzählt wird.

Ein auf Instagram oder TikTok verbreitetes Video zu den im Gazastreifen in unterirdischen Tunnelanlagen festgehaltenen, völlig ausgehungerten jüdischen Geiseln wird niemals dieselbe Reichweite generieren wie ein Video über ein im Gazastreifen hungerndes palästinensisches Kind. Der Algorithmus opfert die Komplexität der den Gazastreifen peinigenden Hungersnot auf dem Altar der Reichweite generierenden Polarisierung. Er fragt nicht, ob die Verbreitung eines Videos den Interessen der Hamas in die Karten spielt oder sogar Teil der islamistischen Propaganda ist, die vor allem den Zweck hat, den Staat Israel und die dort lebenden Juden als Aggressoren zu stigmatisieren. Der Algorithmus spült Posts dann in die Timelines, wenn diese von einer zahlenmäßig signifikanten Menge an Akteuren bewertet, kommentiert und weitergeleitet wurden.

Neben Muslimen haben sich nach dem 7. Oktober insbesondere politisch linke bzw. linksradikale Gruppierungen mit dem sogenannten palästinensischen Freiheitskampf solidarisiert und das Narrativ einer jüdischen Kolonialisierung der Levante übernommen. Führende Köpfe der Partei Die Linke werfen Israel ein Apartheidsystem und den Genozid im Gazastreifen vor. Entsprechende Posts haben Hunderttausende erreicht und die öffentliche Meinung in deren Resonanzraum massiv beeinflusst. Ihr Narrativ wird in studentischen Milieus wiedergegeben und macht das Leben der Juden an deutschen Hochschulen zur Hölle. Wer Reichweite hat, kann Debattenräume verschieben. Schließlich geraten selbst klassische Medien in den Sog des Algorithmus.  

Wer über den Gazakrieg in sozialen Medien ausgewogen berichten und trotzdem viele User erreichen will, befindet sich in einem Dilemma. Die Chance auf viele Likes steigt, wenn das humanitäre Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung im Zentrum der Botschaft steht und komplizierte Sachverhalte zu den Hintergründen ausgespart werden. 

Rollen verschwimmen: Journalisten werden zu Influencern, Einordnung wird Haltung und Prüfung wird Geschwindigkeit

Viele Likes und damit eine hohe Reichweite sind auch in klassischen Medien eine ernstgenommene Währung. Geschäftsleitungen von Verlagen und Rundfunk­anstalten registrieren seit Jahren, dass sich insbesondere junge Menschen über soziale Medien informieren und hier Nachrichten rezipieren. Entscheidet sich die Führung eines klassischen Mediums, dessen Produkte in sozialen Medien zu verbreiten, so kann sie sich den mathematischen Zwängen des Algorithmus nur schwer entziehen. 

Klassische Medien investieren viel Geld in ihre Präsenzen auf Plattformen sozialer Medien, sie engagieren teures Personal, das sich ausschließlich mit der Aufbereitung von Informationen für digitale Kanäle beschäftigt. Kein Unternehmen der Welt investiert umfangreiche finanzielle Ressourcen, ohne einen in Zahlen messbaren Erfolg anzustreben. Doch: Wer ausgewogen berichtet, riskiert Nichtbeachtung; wer sich hingegen moralisch eindeutig positioniert, wird mit Aufmerksamkeit belohnt. So beginnen Rollen zu verschwimmen: Journalisten werden Influencer, Einordnung wird Haltung, Prüfung wird Geschwindigkeit.

Der aus Israel stammende Münchner Professor für internationales Management Guy Katz sieht den Einfluss sozialer Medien auf Vertreter klassischer Medien als entscheidenden Auslöser für israelbezogenen Judenhass seit dem 7. Oktober 2023: „Algorithmen belohnen Lautstärke, nicht Differenzierung. Journalismus folgt eigentlich anderen Regeln, denn Journalistinnen und Journalisten sind keine Influencer. Ihre Aufgabe ist Einordnung, Prüfung und Kontextualisierung, gerade dann, wenn Narrative viral gehen.“ Aktuell würden diese Rollen jedoch immer mehr verschwimmen, teils offenbar auch redaktionell erwünscht, ergänzt Katz. Hinzu komme ein struktureller Verzerrungseffekt: Propalästinensische, partiell Hamas-nahe Narrative erzielten in sozialen Medien deutlich höhere Interaktionsraten als proisraelische Inhalte. 


Ausgewogenheit versus Polarisierung

Journalisten mit hoher Affinität zu sozialen Medien laufen Gefahr, ihre Berichterstattung dem Diktat des Algorithmus anzupassen, um so mehr Likes und eine höhere Reichweite zu generieren. Das gilt auch für die Nahost-Berichterstattung. Der Zusammenhang wurde mit Bezug zum Gazakrieg medienwissenschaftlich noch nicht untersucht, doch eine wechselseitige Beeinflussung klassischer und sozialer Medien gilt als unstrittig. 

Redaktionelle Prinzipien gewährleisteten in der Vergangenheit bei Berichten über den Konflikt zwischen Israel und palästinensischen Terrororganisationen die für Qualitätsjournalismus gebotene Ausgewogenheit. Journalisten, die in sozialen Medien reüssieren wollen, müssen hingegen deutlich Position beziehen und aktivistisch informieren, um eine ­Zielgruppe mit einem geschlossenen politischen Weltbild zu erreichen.  

Beeinflusst dieser Mechanismus auch die Inhalte klassischer Medien? Berichterstatter, Redaktionen und Medien­häuser, die auf Instagram oder TikTok für propalästinensische oder israelkritische Posts mit vielen Likes und hoher Reichweite belohnt werden, könnten der Versuchung unterliegen, auch in Fernseh- oder Radiosendungen beziehungsweise Print- oder Onlinetexten die gebotene Ausgewogenheit zugunsten einer inhaltlichen Polarisierung aufzugeben. Reichweiten sozialer Medien und klassischer Medien ergänzen sich bei inhaltlicher Kongruenz gegenseitig. Würden Journalisten an ausgewogener Berichterstattung in klassischen Medien festhalten, während sie sich in sozialen Medien eindeutig positionieren, würde das bei ihren Followern widersprüchlich und wenig authentisch wirken. Hohe  Authentizität erhöht die Reichweite. 

Wenn das Hamas-Narrativ soziale Medien dominiert und sich klassische Medien aus Reichweitenlogik oder ideologischen Gründen diesem Narrativ annähern, dann verschiebt sich der Diskurs. Die Gewalt des 7. Oktober und der jahrzehntealte Terror der islamistischen Hamas wird zum als Widerstand verklärten und deshalb schnell vergessenen Prolog. 

Wo Kriege geführt werden, findet auch ein Kampf um Erzählungen statt. Und in einer Welt, in der die Kamera an der Jacke des Mörders hängt und der Algorithmus die Redaktion ersetzt, entscheidet sich Öffentlichkeit nicht allein aufgrund von Fakten, sondern aufgrund von Verteilungssystemen. Zu einem ausgewogenen Journalismus gehört es, dem schnellen Bild den durchdachten und hintergründigen Satz entgegenzustellen – und dem Trend die Wahrheit, auch wenn sie weniger Likes bekommt.

Lesen Sie zum Thema auch das IP-Special 2/2026 „Grenzen der Berichterstattung“  mit Texten der Sylke-Tempel-­Fellows 2025.

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Bibliografische Angaben

Internationale Politik 2, März/April 2026, S. 96-101

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Oliver Mayer-Rüth ist Auslandskorrespondent, u.a. war er für die ARD in Tel Aviv und Istanbul, sowie Filmemacher, Autor und Co-Host des Podcasts „Kaffee, extra schwarz“ mit Ahmad Mansour.

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