IP Special

29. Dez. 2025

Eine Kraft gegen das Schweigen

Israels Geiselfamilien haben private Trauer in eine demokratisch wirksame Macht verwandelt: die Geschichte einer Bürgerbewegung, die weltweit Anerkennung fand.

Adi Tal
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Bild: Demonstration von Aktivist*innen um die Freilassung der israelischen Geiseln zu erwirken
Ab einem bestimmten Zeitpunkt wurde der Kampf um die Freilassung der Geiseln nicht mehr vom Staat geführt, sondern von seinen Bürgern. Im Bild eine Demonstration des Hostages and Missing Families Forum.
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Seit der Gründung Israels hat ein moralischer Konsens die Nation geleitet: Alles zu tun, um ihre Söhne nach Hause zu holen. In den 1970er Jahren änderte sich alles. Israels Feinde waren nicht mehr Staaten, sondern nichtstaatliche militante Gruppen, die gelernt hatten, Israels größte Schwachstelle auszunutzen: die Unantastbarkeit menschlichen Lebens.

So begann die Ära der asymmetrischen Austauschgeschäfte: Tausende palästinensischer Gefangener gegen nur eine Handvoll israelischer Soldaten. 1985 entließ Israel im Rahmen des Jibril-Deals 1150 palästinensische Gefangene im Austausch für drei Soldaten. 2011 wurde der entführte Soldat Gilad Shalit nach einer öffentlichen Kampagne unter der Führung seines Vaters Noam im Austausch für 1027 Palästinenser freigelassen. Die Hamas lernte eine wichtige Lektion: Israels tiefe Ehrfurcht vor dem Leben konnte als Druckmittel eingesetzt werden. Das moralische Prinzip, das einst Leben gerettet hatte, begann nun, Leben zu gefährden. Es war eine düstere Vorahnung dessen, was sich am 7. Oktober 2023 ereignen sollte.

An diesem Morgen überquerten Tausende von Hamas-Kämpfern die Grenze zu Lande, zu Wasser und in der Luft, ermordeten mehr als 1200 Menschen und entführten 251 Zivilisten und Soldaten. Ganze Gemeinden in der Nähe von Gaza wurden ausgelöscht. Über Nacht brach Israels Sicherheitsgefühl – und der alte Gesellschaftsvertrag zwischen dem Staat und seinen Bürgern – zusammen.

Die ersten Stunden waren chaotisch. Familien suchten in Krankenhäusern nach ihren Angehörigen und wollten unbedingt wissen, wer noch lebte und wer vermisst wurde. Binnen 24 Stunden entstand aus dem Schock und der Trauer heraus das Forum für Geiseln und vermisste Familien. Ich schloss mich in den ersten, noch sehr unsicheren Tagen als Freiwillige dem Team für ausländische Medien an. 

Nach nur einer Woche wurde mir klar, dass das Forum ein Phänomen war, das größer war als angenommen: Familien wandelten ihre private Verzweiflung in ein gemeinsames Ziel um. „Das Forum entstand innerhalb einer Woche aus dem Nichts“, erinnert sich Gali Morag, ­Leiterin des Teams für ausländische Medien. „Keine Familie allein hätte das geschafft. Gemeinsam schufen sie eine unaufhaltsame Kraft.“ Hunderte Freiwillige strömten herbei, getrieben von Frustration und Hilflosigkeit, aber auch von dem Bedürfnis, etwas zu tun. „Zwei Wochen lang konnte ich nicht sprechen“, erinnert sich Yael Eder, deren Sohn Tamir entführt wurde. „Ich dachte, ich hätte kein Recht, für ihn zu kämpfen, solange andere Kinder in Gefangenschaft waren. Aber dann wurde mir klar: Wenn ich für Tamir kämpfe, kämpfe ich für sie alle. Das gab mir Kraft.“ Ophir Weinberg, Cousin von Itay Svirsky, entführt am 7. Oktober, nachdem seine beiden Eltern ermordet worden waren, beschreibt es als einen Wettlauf gegen die Verzweiflung: „In jeder Sekunde denkst du: Wenn ich irgendetwas tun kann, werde ich es tun. Du handelst einfach, schießt in alle Richtungen und hoffst, dass etwas hilft.“


Vom Schweigen zur Stimme

Zunächst befolgte das Forum die Anweisung der Regierung: keine Interviews, keine Kritik, Schweigen; alles, um zu vermeiden, dass „der Preis für die Geiseln steigt“. Deren Gesichter füllten Plätze und Wände, Kerzen flackerten, und die Botschaft war einfach: Bringt sie jetzt nach Hause. „In diesen ersten Tagen war es unsere Aufgabe, Empathie zu wecken“, sagt Morag. „Israelis und die Welt mit der Geschichte jeder einzelnen Geisel zu verbinden. Später sagten einige befreite Geiseln, dass sie diese Kundgebungen während ihrer Gefangenschaft gesehen hätten – und dass ihnen das Hoffnung gegeben habe.“

In wenigen Wochen entwickelte sich das Forum zu einem organisierten Verein mit demokratischen Verfahren – regel­mäßigen Versammlungen, wöchentlichen Abstimmungen, einer Strategie. „Das gab uns Kraft und ein Gefühl der Zugehörigkeit“, sagt Eder. „Wir waren 255 Familien und wussten, dass wir nicht allein waren.“

Auf internationaler Ebene erwies sich Deutschland als unerwarteter moralischer Verbündeter. Während viele israelische Beamte Distanz hielten, reagierten deutsche Diplomaten mit Herzlichkeit und Ausdauer. Für Familien mit deutscher Staatsbürgerschaft wurde ein Sonderbeauftragter ernannt; Botschafter Steffen Seibert öffnete jede Woche seine Türen und bot ihnen das Mitgefühl, das ihnen von den israelischen Behörden oft fehlte. Als Arbel Yehuds Vater Yechiel im Juni 2024 erfuhr, dass sein Sohn ermordet worden war, war Seibert der einzige Beamte, der an der Beerdigung teilnahm – eine Geste der Loyalität und Würde, die tief beeindruckte. Woche für Woche empfing sein Büro Familien – manchmal zu Besprechungen, manchmal einfach nur, um ihnen zuzuhören. Diese Kontinuität schuf Vertrauen in einer Zeit, in der sich viele Israelis von ihren eigenen Führern im Stich gelassen fühlten.

Später freigelassene Geiseln berichteten, dass ihnen die Kundgebungen Kraft gegeben haben

Im November 2023 wurde die Bürgerbewegung lautstark. Ein Marsch von Tel Aviv nach Jerusalem zog Hunderttausende an und die Straßen vibrierten vor Dringlichkeit. Während des Marsches erfuhren die Familien, dass Verhandlungen begonnen hatten; vier Tage später kehrten die ersten Geiseln nach Hause zurück. „Es war greifbar“, erinnert sich Morag. „Der öffentliche Druck zeigte Wirkung.“ Ende November einigten sich Israel und die Hamas im Rahmen eines von Katar vermittelten Waffenstillstands darauf, 100 Frauen und Kinder im Austausch gegen 300 palästinensische Gefangene freizulassen. Das Land jubelte. Befreite Gefangene berichteten später, sie hätten ihre Gesichter auf die Mauern von Tel Aviv projiziert gesehen – und daraus Kraft geschöpft.

Doch bald darauf wurden die Kämpfe wieder aufgenommen. Hoffnung wich Erschöpfung. Viele Familien erkannten, dass das strategische Ziel der Regierung – die Zerschlagung der Hamas – nicht mehr mit ihrer moralischen Pflicht vereinbar war, Leben zu retten. Schweigen wurde zu Reden. Familien, denen gesagt worden war, sie sollten nicht sprechen, erhoben ihre Stimme – nicht für die Politik, sondern für die Lebenden.

Dann die Tragödie vom Dezember 2023: Drei Geiseln – Alon Shamriz, Yotam Haim und Samer Talalka – wurden versehentlich von israelischen Soldaten in Gaza getötet. Der „operative Fehler“ bestätigte die schlimmsten Befürchtungen der Familien: Unkoordinierter militärischer Druck könnte ihre Angehörigen töten. „An diesem Tag änderte sich alles“, erinnert sich Weinberg. „Ein Verwandter sagte: ‚Ich werde die Autobahn blockieren. Wer macht mit?‘ Wir gingen alle hin. Wir blieben bis drei Uhr morgens.“

Die öffentliche Anteilnahme blieb groß, aber die Frustration wuchs; Solidarität allein würde die Regierungen nicht bewegen. Die Mehrheit der Israelis unterstützte die Fortsetzung des Krieges, während Geiselaustauschgeschäfte umstritten blieben. 

Im Dezember 2023 traf sich Yehiel Yehud zum ersten Mal mit der deutschen Außenministerin – ein Treffen, das den Beginn eines bis heute andauernden Dialogs mit Deutschland markierte. Einen Monat später, im Januar, traf er sich mit dem damaligen Justizminister. Zwischen Dezember und Mitte Mai nahm Yehiel an sieben Delegationen teil, die jeweils die Verbindung zwischen den Familien und der deutschen Gesellschaft vertieften. Eines der für mich wichtigsten Treffen war das mit Jens Plötner, der damals Kanzler Scholz außen- und sicherheitspolitisch beriet und in deutschem Namen die Verhandlungen mit Katar führte. Die Antworten, die ich von israelischen Sicherheitsbeamten nie bekommen konnte, erhielt ich von ihm. Die Verbindung zu ihm war für mich von großer Bedeutung.

Von Anfang an, im Dezember 2023, spürte ich eine echte Offenheit und Hilfsbereitschaft seitens der deutschen Regierung und Medien – und, was vielleicht am auffälligsten war, seitens der einfachen Menschen auf den Straßen Deutschlands, sogar noch mehr als in Israel.


Krise und Spaltung

Ende 2023 war der nationale Konsens zerbrochen. Nach außen blieb das Forum unter dem Motto „Bringt sie alle nach Hause“ geeint. Intern kamen jedoch unterschiedliche Stimmen auf: Eine Gruppe drängte auf eine Einigung ad hoc, ein kleineres „Tikvah-Forum“ forderte verstärkten militärischen Druck, eine andere Fraktion warf Premier Netanjahu offen vor, Verhandlungen absichtlich zu verzögern. Was als Zersplitterung erschien, war in Wahrheit eine demokratische Entwicklung. „Selbst als sich die Familien spalteten, blieb eine gemeinsame Grundlage erhalten. Die Entscheidung einiger Familien, separate Gruppen zu bilden“, sagt Morag, „entsprang dem demokratischen Charakter des Forums. Jede Woche trafen sich die Familien, stimmten ab und überprüften ihre Strategie. Andere Meinungen spalteten sich nicht wirklich ab, sie wählten lediglich einen anderen Weg zum gleichen Ziel. Selbst Tikvah erhielt logistische und finanzielle Unterstützung von uns.“

Der erste Besuch, auf Einladung des israelischen Botschafters in Deutschland Ron Prosor, sollte die Stimmen der Familien der deutschen Öffentlichkeit vermitteln. Während dieses Besuchs traf Yehiel gemeinsam mit Naama Weinberg, Cousine des entführten Itay Svirsky, Außenministerin Annalena Baerbock. Von da an setzte er bis Mai 2024 seine Zusammenarbeit mit deutschen Beamten, Parlamentariern und Journalisten im Rahmen verschiedener ­Initiativen fort – darunter die Einrichtung des „Hostages Square“ in Berlin.

Im Februar schloss sich Yehiel einer Delegation an, die durch die Straßen Berlins marschierte; 3000 Deutsche, Juden und Unterstützer zogen gemeinsam zum Reichstag. Der Marsch gipfelte in einer öffentlichen Kundgebung mit Botschafter Prosor – ein eindrucksvoller Moment gemeinsamer Menschlichkeit und moralischer Solidarität, der weit über den Platz hinaus Wirkung zeigte.

Am 30. März 2024 erreichte der Kampf einen Wendepunkt. Bei einer Massenkundgebung in Tel Aviv erklärten die Familien auf einer Bühne: „Netanjahu ist das Hindernis, das eine Einigung blockiert.“ Es war ein beispielloser Akt zivilen Ungehorsams. Die Menge brach in Applaus aus. Die Bewegung hatte eine Grenze überschritten: von der Bitte zum Protest.

Einige Familien befürchteten, die Politisierung würde die Einheit untergraben. Andere bestanden auf Konfrontation. Die Veränderung zeigte bald Ergebnisse: Umfragen im April und Mai 2024 zeigten, dass eine Mehrheit der Israelis – darunter viele Wähler der Rechten – nun eine Einigung zur Befreiung aller Geiseln unterstützte, selbst wenn dies das Ende des Krieges bedeutete. Laut Channel 12 befürworteten 74 Prozent der Israelis eine solche Vereinbarung, darunter 60 Prozent der Koalitionsanhänger. Was als moralischer Aufschrei begonnen hatte, war zu einer politischen Kraft geworden.


Von Trauer zu Diplomatie

Im Laufe des Jahres 2024 entwickelte sich das Forum zu einer ausgereiften zivilgesellschaftlichen Bewegung. Es organisierte Massendemonstrationen, landesweite „Störungstage“ und direkte Treffen mit Gesetzgebern unter einem gemeinsamen Motto: Bringt sie jetzt nach Hause! Der Kampf um die Freilassung der Geiseln wurde nicht mehr vom Staat geführt – sondern von seinen Bürgern. Private Trauer war zu ziviler Autorität geworden.

Als freigelassene Geiseln ihre erschütternden Geschichten erzählten, von unterirdischen Zellen, Hunger und Misshandlungen, beschlossen die Familien, dass Schweigen nun gefährlich war. Sie trugen ihre Geschichten in die Weltöffentlichkeit. Ein Moment verdeutlichte diesen Wandel: Einav Zangauker, Mutter des beim Nova-
Festival entführten Matan Zangauker, stand in einem Metallkäfig, um das Leiden der Gefangenen zu symbolisieren. Das Bild ging um die Welt; es verwandelte eine humanitäre Sache in politischen Protest. Menschenmassen skandierten: „Netanjahu blockiert das Abkommen.“

Der September 2024 markierte eine weitere schmerzhafte Wende: die Ermordung von sechs Geiseln in Hamas-Tunneln. In dieser Nacht strömten Menschenmengen auf die Straßen. Es gab keinen Zweifel mehr – der einzige Weg, die Geiseln zu retten, war ein Deal, keine militärische Aktion. Es hieß, dass IDF-Truppen sich den Geiseln genähert hätten und sie deshalb hingerichtet worden seien.

Öffentliche Legitimität wurde ein Hebel, um moralische Dringlichkeit in politischen Druck zu verwandeln

Die Wahl von Donald Trump Ende 2024 markierte eine globale Zäsur. Noch vor seinem Amtsantritt erklärte er, die Befreiung der israelischen Geiseln sei seine „oberste nationale Priorität“. Vertreter des Forums trafen sich mit Mitgliedern seines Wahlkampfteams in den USA und legten damit den Grundstein künftiger Diplomatie. „Diese Treffen verschafften uns nach seiner Wahl enormen Einfluss“, erinnert sich ein Forumsmitglied. Im Februar 2025, einen Monat nach Trumps Amtseinführung, wurde unter Vermittlung der USA ein von Katar ausgehandeltes Teilabkommen erzielt. Das Forum lobte die „sicht­bare Veränderung in der Haltung der USA“ und stellte fest, dass „Präsident Trump die Geiseln vom ersten Tag an ganz oben auf seine Agenda gesetzt hat“.

Das Abkommen vom Januar 2025 sah eine schrittweise Freilassung vor: israelische Geiseln im Austausch gegen Hunderte palästinensischer Sicherheitshäftlinge, zusammen mit einer sechswöchigen Waffenruhe und einem schrittweisen Rückzug der IDF aus dem Zentrum des Gazastreifens. 30 Geiseln kehrten lebend zurück. Acht Leichen wurden geborgen: sieben in Gefangenschaft ermordete und eine am 7. Oktober getötete. Etwa 3500 Palästinenser wurden freigelassen, darunter rund 1300 Sicherheitshäftlinge, Hunderte davon verteilt wegen tödlicher Anschläge.

In der Zwischenzeit dehnte sich das Forum weltweit aus. Familien sprachen in Parlamenten und Universitäten, traten in internationalen Medien auf, trafen sich mit Staatschefs. Israelisch-amerikanische Angehörige wurden zu inoffiziellen Botschaftern und übersetzten private ­Schmerzen in diplomatische Sprache.

Im September 2025 waren noch 48 Geiseln in Gefangenschaft. Trump legte einen 20-Punkte-Friedensplan vor, der einen vollständigen Waffenstillstand, einen schrittweisen Rückzug Israels und die Freilassung aller Geiseln – lebenden und toten – binnen 72 Stunden vorsah. 

Im Oktober 2025, fast zwei Jahre nach dem Angriff vom 7. Oktober, wurde unter Vermittlung Katars und der Türkei und mit Unterstützung der USA das endgültige Abkommen zwischen Israel und der Hamas unterzeichnet. Es sicherte die Freilassung der 20 verbliebenen Geiseln und die Rückführung der Leichen der Opfer im Austausch gegen Hunderte palästinensischer Sicherheitshäftlinge – darunter verurteilte Mörder – sowie die offizielle Beendigung der Kämpfe, einen schrittweisen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen und eine ­Ausweitung der humanitären Hilfe.

In zwei Jahren wurde das Forum der Familien von einem Kreis der Trauer zu einer moralischen Institution

Die Grundlage für dieses Abkommen wurde durch monatelange direkte Kommunikation zwischen dem Familienforum und dem Weißen Haus geschaffen; ein seltenes Beispiel dafür, wie Basisdiplomatie die internationale Politik beeinflusst. Bis dahin hatte die Bewegung das erreicht, was einst unmöglich schien: persönliche Trauer in politische Dynamik und moralische Dringlichkeit in diplomatischen Einfluss zu verwandeln. Das Forum definierte den moralischen Kern des Konflikts neu. Durch klare Botschaften und starke Symbolik verwandelte es Mitgefühl in Strategie. Diplomaten gaben später zu, dass die Beharrlichkeit der Familien die Verhandlungen am Leben erhalten habe.

Zum zweiten Jahrestag des Anschlags vom 7. Oktober hatte sich das Forum von einer spontanen Freiwilligengruppe zu einer anerkannten zivilgesellschaftlichen Institution entwickelt. Was als emotionaler Appell begann, wurde zu einer unabhängigen moralischen Autorität, die niemand ignorieren konnte.

Rückblickend hat das Forum mehr erreicht als die Rückkehr der Geiseln. Es hat Israels ziviles Drehbuch in Kriegszeiten neu geschrieben. Binnen weniger Monate verwandelte es sich von einem Kreis der Trauer in eine Bewegung an zwei Fronten – der internen Solidarität und der externen Diplomatie. Es bewies, dass moralische Sprache als strategisches Instrument dienen kann: konsistent, symbolisch, gründend auf Namen und Gesichtern.

Das Forum hob das Monopol des Staates auf die Sorge um das Leben auf. Während Politiker von Abschreckung sprachen, sprachen die Familien von Schutz – von der Pflicht, die der Strategie vorausgeht.

Letztlich ist dies die Geschichte gewöhnlicher Bürger, die eine außergewöhnliche zivile Kraft aufgebaut haben. Durch moralische Klarheit und unerbittliche Entschlossenheit prägten sie die öffentliche Meinung, beeinflussten Regierungen und holten die Geiseln nach Hause. Damit erweiterten sie die Grenzen der Demokratie. Ihr Beweis: Selbst wenn eine Nation schweigt, können ihre Bürger laut genug sprechen, damit die Welt ihnen zuhört.


Übertragen aus dem Englischen von M. Bialecki

Bibliografische Angaben

Internationale Politik Special 2, Januar 2026, S. 51-56

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Themen und Regionen

Adi Tal hat einen Bachelor of Law sowie einen Master-Abschluss in Jura und Technologie. Seit dem 7. Oktober 2023 engagierte sie sich beim Hostages and Missing Families Forum.