Drei Fragen an...

03. Dez. 2025

Drei Fragen an … Jochen Flasbarth

Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
 

Bild
Bild: Porträt von Staatssekretär Jochen Flasbarth
Jochen Flasbarth ist Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, 
Naturschutz und nukleare Sicherheit
Lizenz
Alle Rechte vorbehalten

1. Sie haben 2015 das Pariser Abkommen mitverhandelt. Welche Ihrer Erwartungen von damals haben sich erfüllt, welche wurden enttäuscht?

Ohne das Abkommen wäre die Welt jetzt auf Kurs in Richtung 4 bis 5 Grad oder noch mehr Erderhitzung. Heute steuern wir auf 2,5 Grad zu – immer noch zu viel, aber die 1,5-Grad-Grenze ist und bleibt in Reichweite. Konkret hätte ich damals kaum zu hoffen gewagt, dass Erneuerbare weltweit so günstig werden und der Ausbau vielerorts so schnell vorangeht. Andererseits fällt es vielen Ländern und Regionen nach wie vor schwer, sich vom fossilen Wirtschaften zu verabschieden. Hier müssen und werden wir in einer Allianz der Willigen den globalen Ausstieg aus den Fossilen konsequent weiter vorantreiben.


2. Klima und Entwicklung müssen zusammengedacht werden, weil …

... Klimaschutz letztlich eine soziale Frage ist. Die Reichen können sich Klimaanlagen kaufen. Aber was ist mit den Armen oder mit denen, die bei 40 Grad draußen schuften müssen? Gesellschaften werden den Weg in eine klimaneutrale Zukunft zudem nur mitgehen, wenn er auch ein Entwicklungsversprechen enthält. Ein solches Versprechen ist realistisch, denn erneuerbare Energien und Industriezweige wie die Produktion von grünem Stahl oder grüne Chemie bieten die Chance auf ein besseres Leben mit guter, dezentraler und günstiger Energieversorgung sowie Millionen neuer Jobs. Die Aufgabe ist, den Übergang sozial gerecht zu gestalten.


3. Was ist für Sie das wichtigste Ergebnis der COP 30 in Belém?

Dass dieser multilaterale Prozess weitergeht, auch nach dem Ausstieg der USA. Das hat Strahlkraft, die über das Klima hinausgeht. Es kann nicht oft genug hervorgehoben werden, dass bei den Verhandlungen in Belém die Frage im Zentrum stand, wie wir beim Klimaschutz den Sprung Richtung 1,5-Grad-Ziel schaffen. Wir haben dazu zwar noch nicht in allen Bereichen Einigkeit erzielt, aber beim Ausstieg aus fossilen Energien etwas in Bewegung gebracht, auf dem wir aufbauen können – auch mit Vorreiterkoalitionen. Mut machen auch die vielen Umsetzungsvereinbarungen, die es neben den Verhandlungen ebenfalls gab, etwa für die globale Energiewende oder den Schutz des Regenwalds.

Dieser Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus dem IP-Special "Die doppelte Chance. Wie eine neue Klima- und Entwicklungspolitik gelingen kann", das Ende Dezember 2025 erscheinen wird.

Bibliografische Angaben

Internationale Politik Special 01, Januar 2026, S.11

Teilen

Themen und Regionen